Museumsleiter Matthias Thoma erzählt aus der bewegten Geschichte der Eintracht. Da darf der Pokalsieg 2018 nicht fehlen.	fotos: Faust
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Museumsleiter Matthias Thoma erzählt aus der bewegten Geschichte der Eintracht. Da darf der Pokalsieg 2018 nicht fehlen.

Eintracht Frankfurt

Endlich wieder Stadionluft schnuppern – Ohne Fußball geht es nicht

  • vonGernot Gottwals
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Das Eintracht-Museum bekommt am ersten Öffnungstag gleich Besuch von Fanclub Dauborner Adler

Wenn die Eintracht nicht zu den Fans kommt, dann kommen die Fans eben zur Eintracht. „Heute Morgen hat noch Falkner Lawitschka angerufen, aber die Jubiläumsfeier in unserem Ort mit Attila hatten wir wegen Corona bereits abgesagt“, bedauert Michael Leichtfuß, Schriftführer des Eintracht-Fanclubs Dauborner Adler.

Doch dann gibt es doch noch ein Trostpflaster: Zur Wiedereröffnung des Eintrachtmuseums kann wieder Stadionluft geschnuppert und auf den 40. Geburtstag ihres Clubs und den fünften Geburtstag des Eintrachtstammtischs an den Spieltagen angestoßen werden. Und zum Empfang gibt es gleich frenetischen Fanjubel, als die Eintrachtkicker zum 1:0, 2:1 und schließlich 3:1 treffen und in den Fanblöcken in Berlin vor Freude sämtliche Dämme brechen.

„Wenn ich die Sieges- und Feierszenen beim DFB-Pokalspiel 2018 gegen Bayern München sehe, bekomme ich immer noch eine Gänsehaut“, sagt Gabriele Maehler. Ein spürbarer Kontrast zur geisterhaft stillen Atmosphäre, die das Stadion, die Tiefgarage und das Museum am Tag der Wiedereröffnung in der Corona-Krise noch immer umgeben.

„Willkommen zur eurem Fanjubiläum, nach dem Jubel von 2018 und dem 120. Geburtstag der Eintracht 2019 war 2020 erst mal schrecklich. Doch nun will ich euch ein paar neue Höhepunkte präsentieren“, verspricht Museumsleiter Matthias Thoma. Gemeint ist der neue Showroom mit Anzeigetafeln und Beleuchtungstechnik, einem Modell des Stadions und einer Replik des DFB-Pokals „Anfassen wegen Corona nicht erlaubt!“, entgegnet er einem vorschnellen Besucher.

Auch beim Rundgang durch die Ausstellung herrscht Maskenpflicht, als Thoma ein paar Schlaglichter auf die Vereinsgeschichte wirft: Im Gründungsjahr 1919 war Fußball noch kein Geschäft, jeder Kicker ging einem Brotberuf nach und ließ sich sein Trikot mit Adler auf der Brust selbst besticken. 1925 wurde das Waldstadion gebaut und 1932 wurde die Eintracht erstmals süddeutscher Meister. Thoma erzählt aber auch über die jüdische Schuhfabrik Schneider, die ihre „Schlappekicker“ unterstützte, und die Verfolgungen in der Nazizeit.

Blick in die Vitrinen mit den Pokalen

Nach den Jahren des Wiederaufbaus gelingt der Eintracht 1959 gegen Kickers Offenbach die erste und bislang letzte Deutsche Meisterschaft. Von 1992, so Thoma augenzwinkernd, wolle man lieber nicht reden (Niederlage im Meisterschaftsrennen gegen Hansa Rostock und Trainer Dragislav Stepanovics Zitat „Lebbe geht weider“). Umso höher schlagen die Fanherzen dafür beim Blick in die Vitrine mit den DFB- und UEFA-Pokalen vergangener Zeiten. „Die Eintracht ist halt eine typische Pokalmannschaft“, räumt Thoma ein. Denn die zum Gewinn einer Deutschen Meisterschaft nötige Beständigkeit falle der „Diva am Main“ schwer.

Doch auch die Unterstützung durch die Fans war in den vergangenen Jahrzehnten oft sehr schwankend: „Sie erreichte erste Spitzenwerte 1960 beim verlorenen Meistercup-Endspiel gegen Real Madrid in Glasgow mit insgesamt 127 000 Zuschauern“, so Thoma. Dagegen konnte man in den 1980er Jahren bei vielen Bundesligaspielen und selbst beim gewonnenen UEFA-Pokalendspiel gegen Borussia Mönchengladbach problemlos noch gute Plätze „auf den letzten Drücker“ bekommen.

Im Showroom erinnert Thoma an die Fußballspiele der Weltmeisterschaft 1974 im Waldstadion und erklärt anhand des Modells die Zukunftspläne für den „Deutsche-Bank-Park“, bei dem die Eintracht Hauptmieter bleiben soll. Ob sich die Fans je an den neuen Namen gewöhnen? „Niemals!“, so die einhellige Meinung. „Für uns bleibt es das Waldstadion.“

Aber was ist ein Stadion ohne Zuschauer? „Als die Geisterspiele begannen, da hatte ich schon Angst, dass die Eintracht in den Abstiegskampf gerät“, sagt Gabriela Maehler beim anschließenden Anstoßen mit Sekt. „Hauptsache, wir kommen nach den Videokonferenzen der vergangenen Wochen endlich wieder live zusammen“, ergänzt Kerstin Leichtfuß. Die Fans loben Thoma: „Er ist die Seele des Museums, dass wir immer wieder gerne unterstützen, auch wenn wir die Ausstellung schon kennen.“

„Wir sind sehr froh, dass wir wieder dienstags bis sonntags öffnen können“, sagt Thoma. Allerdings ist die Besichtigung vorerst nur in Führungen nach Voranmeldung um 12 und 14 Uhr (Telefon 95 50 32 75) möglich. Die Besucher werden vor der Tiefgarage in der Otto-Fleck-Schneise abgeholt. (Gernot Gottwals)

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