Norbert Böcher ist der Sohn von Heinz Böcher, dem Erfinder der Eintracht Hymne. In der Hand hält er eine Schallplatte des Eintracht-Hits.
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Norbert Böcher ist der Sohn von Heinz Böcher, dem Erfinder der Eintracht Hymne. In der Hand hält er eine Schallplatte des Eintracht-Hits.

Im Herzen von Europa

Wie die Eintracht-Hymne ins Stadion kam

Große Siege, schmerzliche Niederlagen: Es sind die besonderen Momente, wenn die Frankfurter Fans die Vereins-Hymne „Im Herzen von Europa“ anstimmen. So wie am 29. April 2006 im Berliner Olympiastadion, als die Frankfurter Eintracht, zum ersten Mal seit dem Pokalsieg 1988, das Endspiel des DFB-Pokals erreichte. Die Mannschaften waren noch in den Katakomben als der Chor aus etwa 30 000 mitgereisten Fans zur Eintracht-Hymne ansetzte.

Große Siege, schmerzliche Niederlagen: Es sind die besonderen Momente, wenn die Frankfurter Fans die Vereins-Hymne „Im Herzen von Europa“ anstimmen. So wie am 29. April 2006 im Berliner Olympiastadion, als die Frankfurter Eintracht, zum ersten Mal seit dem Pokalsieg 1988, das Endspiel des DFB-Pokals erreichte. Die Mannschaften waren noch in den Katakomben als der Chor aus etwa 30 000 mitgereisten Fans zur Eintracht-Hymne ansetzte.

Heute gehört das Lied zur Eintracht, wie der Römer zu Frankfurt. Dabei war der Hymnen-Status lange nicht abzusehen. Norbert Böcher bekommt heute noch Gänsehaut wenn er an Momente wie in Berlin denkt, und das obwohl er damals selbst nicht im Stadion war.

Norbert Böcher ist der Sohn von Heinz Böcher, der zusammen mit Kurt Westphal das Lied komponierte. Der junge Böcher hält das Werk seines Vaters bis heute in Ehren. Westphal, der schon 1978 starb und den Erfolg seines Werks nicht mehr erlebte, und Böcher waren beide Mitglieder des Frankfurter Polizeichors. Letzterer war sogar deren Vorsitzender und später Ehrenvorsitzender.

Ursprung als Schunkelwalzer

Neben seiner Leidenschaft für die Polizei hat er „sehr viel gedichtet und getextet, auch für die Frankfurter Fastnacht“, erinnert sich sein Sohn Norbert. Das Lied wurde 1959 als „Schunkelwalzer und Huldigung an die Stadt Frankfurt geschrieben“, einen Bezug zur Eintracht gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht, erzählt Böcher.

Außerhalb der Polizei fand das Lied jedoch wenig Beachtung. Das änderte sich mit der Aufführung im Sachsenhäuser Lokal „Grauer Bock“ im Jahre 1971, so dass der Polizeichor das Lied ein Jahr später auf Schallplatte aufnahm.

Eintracht überzeugt

Als die Eintracht, anlässlich ihres 75. Vereinsjubiläums, in einem Wettbewerb die schönsten Eintracht-Lieder suchte, sahen die beiden Komponisten eine Chance ihr Stück einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Also hat Heinz Böcher, der ironischerweise Anhänger des Bornheimer Rivalen FSV Frankfurt war, das Lied „mit einem neuen Text versehen“, sagt sein Sohn.

„Im Herzen von Europa“ konnte die Jury überzeugen und wurde daraufhin erstmals, in seiner heutigen Form auf Schallplatte gepresst. Dann passierte lange nichts und das Lied führte erneut nur ein Schattendasein. Auch Heinz Böchers Versuch, die Eintracht-Geschäftsstelle zu überzeugen, die bisherige Stadion-Musik „Diva vom Main“ durch „Im Herzen von Europa“ zu ersetzen, war erfolglos. Die eingeschickte Kassette durfte er sich persönlich wieder abholen.

Durchbruch als Hymne in den 90er Jahren

Erst Ende der 1990er Jahre nahm die Erfolgsgeschichte langsam Fahrt auf – dank eines Eintracht-Fans. Dieser bekam die erwähnte Schallplatte, mit „Im Herzen von Europa“ in die Hände und war wohl vom Charme des Klassikers begeistert. Er spielte dem Stadionsprecher André Rothe eine CD mit dem Stück vor und der Bitte, diese im Stadion zu spielen zu.

Der Polizeichor war zwar jetzt im Waldstadion angekommen, fand aber unter den Fans nur wenig Beachtung – wieder einmal. Der Grundstein des Erfolgs war aber gesetzt und das Lied zog seine Kreise in der Kurve.

Mit dem Erscheinen auf der Eintracht-CD zum 100. Jubiläum wurde „Im Herzen von Europa“ nicht nur erstmals offiziell auf CD gepresst, sondern war allmählich auch in der Fan-Szene etabliert. Fortan begleitete der Polizeichor die Eintracht durch ihre Fans auch in andere Stadien.

Heinz Böcher war beim Pokalfinale 2006 nur in Gedanken dabei, kurz nach dem Finale verstarb der Erfinder der Eintracht-Hymne im Alter von 85 Jahren.

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