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Auch von Corona ließ sich "BusStop" nicht stoppen: Im August führte das preisgekrönte Ensemble, hier mit Mehret Woldai und Klaus Baumgarten, einige Szenen auf der neuen Aktionsfläche am Höchster Mainufer auf.

Höchst: Ausgezeichnet

Eintreten gegen den Rassismus im Alltag

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
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Preis für die Theatergruppe BusStop. Ensemble will künftig in der ganzen Stadt auftreten.

Der guten Vernetzung über die gemeinsame WhatsApp-Gruppe sei es gedankt: Die Nachricht über den Gewinn des Nachbarschaftspreises der Stadt Frankfurt in der Kategorie "Kultur vor Ort" verbreitete sich schnell unter den Ensemblemitgliedern des Höchster Projekts "BusStop - Theater gegen Rassismus" und löste große Begeisterung aus. Coronabedingt kam der Preis in diesem Jahr per Post - die Feier im Palmengarten-Gesellschaftshaus, die normalerweise am Jahresende das ehrenamtliche Engagement in den Stadtvierteln würdigt, musste ausfallen.

"Zum einen freut uns die Anerkennung als Theatergruppe", berichtete Klaus Baumgarten, "BusStop"-Mitgründer und Leiter des Begegnungszentrums Höchst. Aber auch, dass das Thema "Eintreten gegen den Alltagsrassismus" noch mal besonders gewürdigt werde, nennt er "ein tolles Zeichen."

Geburt im Bolongaropalast

Denn genau das hat sich das Ensemble seit seiner Gründung vor drei Jahren auf die Fahnen geschrieben. Der "Bunte Tisch - Höchst Miteinander" und das Stadtteilbüro hatten in den Bolongaropalast eingeladen, um darüber zu diskutieren, wie sich Vereine besser zum Wohle von Höchst vernetzen können. "Amir Mansoor (Vorsitzender des Vereins "PakBann - Deutsch-Pakistanische Begegnungen", Anm. d. Red.) sagte mir, er habe eine Idee für ein Theaterprojekt, aber keine Leute", erzählt Baumgarten.

Die waren zwar ebenso schnell gefunden wie die Grundidee, anhand von Szenen an einer Bushaltestelle den Alltagsrassismus auf die Bühne zu bringen, doch, wie sich Baumgarten erinnert, war es noch ein langer Weg, bis Szenen geschrieben waren und aufgeführt werden konnten. Das als Spielstätte gedachte Neue Theater erwies sich als zu groß.

In der Szene etabliert

Dann die glückliche Fügung: "Die Familie Klumpp lud uns ein, in ihrem Kulturkeller zu spielen - und nach fast eineinhalb Jahren feierten wir unsere Premiere in Höchst." Die etwa 15 Ensemblemitglieder kommen aus allen sozialen Schichten und Altersgruppen, mit und ohne Migrationshintergrund. Dafür sorgten nach Baumgartens Worten auch die drei Kooperationspartner Begegnungs- und Servicezentrum, "PakBann - Deutsch-Pakistanische Begegnungen" und die Initiative "Bunter Tisch - Höchst Miteinander" und ihre unterschiedliche Klientel. Inzwischen ist die Truppe in der Theaterszene des Stadtteils etabliert.

Zwei Inszenierungen hat das Ensemble bereits auf die Beine gestellt, eine dritte ist in Planung. Und weil Rassismus auch in Corona-Zeiten nicht ruht, hat auch "BusStop" weitergemacht und im August auf der Aktionsfläche am Höchster Mainufer auf einer improvisierten Theaterbühne einige Szenen aufgeführt. Auch dabei hielt sich das Ensemble an seinem Anspruch, den Baumgarten so formuliert: "Wir wollen auf der Bühne nicht belehren, sondern den Menschen den Spiegel vorhalten, indem sie in unserem Spiel die oft unbewussten Verhaltensweisen wieder erkennen, die den Alltagsrassismus ausmachen."

Wenn nach den Aufführungen Zuschauer und Schauspieler ins Gespräch kommen und sich über eigene Erlebnisse austauschen, merken die Akteure, dass das Konzept aufgegangen ist. Ein Vorfall in diesem Sommer in Frankfurt machte auf traurige Weise deutlich, wie aktuell das Anliegen von Regisseur Amir Mansoor und seinem Ensemble bleibt: Bei öffentlichen Proben im Gallus waren schwarze Schauspieler des Ensemble "Theaterperipherie" angepöbelt und angegriffen worden - ausgerechnet bei einem Stück über Rassismus. Das Höchster Ensemble solidarisierte sich deutlich mit den Kollegen. Was dort geschehen sei, so ihr Statement, müsse alle aufschrecken, die bisher gemeint haben, in dieser "multikulturellen Stadt" könne so etwas nicht passieren.

Es gibt also noch viel zu tun für die Truppe von "BusStop". Beflügelt vom Nachbarschaftspreis der Stadt, sehnen die Mitglieder jetzt das Ende der Corona-Pause herbei. Und Baumgarten kündigt an: "Wir werden künftig auch in ganz Frankfurt auftreten." michael forst

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