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Stolze fünf Meter breit und 80 Zentimeter hoch ist er, der Bolongaro-Wandteppich, den Edda Bhattacharjee und Markus Grossbach (li.) gestern an Oberbürgermeister Peter Feldmann übergaben.

Weitere Verzögerung bei der Sanierung

Einweihungsgeschenk ist fertig, der Palast nicht

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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HÖCHST Der Bolongaro-Wandteppich hängt wohl bis 2023 erst mal im östlichen Pavillon des Barockbaus.

Die Wappen der Stadtteile des Frankfurter Westens umkränzen das Höchster Rad; ein Peace-Zeichen, ein Schmetterling, ein Einhorn und ein Heißluftballon wimmeln mit vielen anderen Zeichen und Symbolen durcheinander. Als Betrachter entdeckt man auf Anhieb Jahrhunderthalle, Windsbraut und Höchster Fähre, aber auch ein paar Erlenmeyerkolben und den Trompeter aus der Türkenkapelle, dem bekanntesten klassischen Produkt der Höchster Porzellan-Manufaktur. "Den hat Frau Raffel gestickt", sagt Edda Bhattacharjee. Regina Raffel, als Porzellanmalerin bekannt von den Tagen der offenen Tür in der Manufaktur, hat am Bolongaro-Wandteppich ebenso mitgestickt wie rund 500 andere Menschen aus dem ganzen Frankfurter Westen. Edda Bhattacharjee vom Kultur- und Museumsverein Bolongaro war die Initiatorin des Wandteppichs, hat das Projekt vorangetrieben und auch finanziert - seit Juni 2016.

"Etwas Selbstgebasteltes"

Der Bolongaro-Wandteppich, der später mal einen repräsentativen Platz im umgebauten, sanierten und barrierefreien Barockpalast erhalten soll, ist fertig - bis der Palast es ist, werden noch Jahre ins Land gehen; derzeit rechnet man mit Frühsommer 2023, doch weiß keiner, was noch passiert. Die Sanierung hat im Jahr 2017 begonnen; ursprünglich hätte sie 2021 abgeschlossen sein sollen. Dann wurde scheibchenweise nachgelegt und zuletzt der Wiedereröffnungstermin von Herbst 2022 auf Frühsommer 2023 verlegt (wir berichteten). Der fünf Meter breite und 80 Zentimeter hohe Bolongaro-Wandteppich, der dem Bauherren, Oberbürgermeister Peter Feldmann, gestern übergeben worden ist, sollte längst im fertigen Palast hängen, als Geschenk zur Wiedereröffnung. "Besonders schön ist ein Geschenk, wenn's was Selbstgebasteltes ist", sagte denn gestern zur Übergabe auch Markus Grossbach, der Vorsitzende des Kultur- und Museumsvereins, der immer hart am Ball bleibt, wenn es um die zukünftige Nutzung des Barockbaus geht.

Weichen rechtzeitig gestellt

Der Kultur- und Museumsverein hatte Schulen, Kindergärten, Gruppen, Vereine, Einzelpersonen, kurz alle Akteure aus dem Stadtteil, zum Mitsticken aufgerufen, um eine möglichst große Vielfalt künstlerisch festzuhalten. Vorbild für ihre Projektidee war der "Teppich von Bayeux", eine im 11. Jahrhundert entstandene Stickarbeit, welche die Landnahme Englands durch Wilhelm den Eroberer zeigt.

Bei der Präsentation der städtischen Leistungsbilanz für den Frankfurter Westen, ein jährliches Ritual im Dezember, hat Feldmann gestern auch auf den Bolongaropalast Bezug genommen. Die Bauverzögerungen ließen sich begründen: "Vieles ist erst sichtbar geworden, nachdem Wände und Decken geöffnet wurden." Doch seien jetzt entscheidende Weichen gestellt worden, etwa mit der Freigabe der Planungsmittel für das Bolongaro-Museum durch die Stadtverordnetenversammlung oder durch die Entscheidung, das Porzellan-Museum, das seit Jahrzehnten im Kronberger Haus residiert, in das neue Museum zu integrieren. Es soll unter der Federführung des Historischen Museums Frankfurt geplant und geführt werden.

Der Palast sei zukünftig ein "Bürgerpalast", hatte Feldmann schon mehrfach betont, und auch gestern verwies er wieder auf weitere geplante Nutzungen, etwa durch die Musikschule Frankfurt, Theater, kommunales Kino, dazu noch Jugendeinrichtungen wie Jukuz und Kita.

Bis dahin wird allerdings noch viel Wasser den Main hinunterfließen, der auch im fünf Meter breiten Bolongaro-Wandteppich von rechts nach links zwar keinen roten Faden, aber eine blaue Linie darstellt. Gebaut wird dort auch: Der Klinik-Neubau etwa hängt am Haken eines großen roten Krans. "Den hab' ich gestickt", sagt Edda Bhattacharjee, "weil er immer vor meinem Fenster hin- und hergeschwenkt ist."

Die "Verbundenheit der Menschen mit dem Palast" drücke die Arbeit aus, sagte Edda Bhattacharjee; für 2021 sei eine Publikation im Leporello-Format geplant, die dieses Volkskunstprojekt ergänzt, an dem sich auch viele Menschen mit Migrationsgeschichte beteiligt haben, wie die vielen verschiedenen Landesflaggen in der Einfassung zeigen. "Dann kann jeder den Teppich quasi mit nach Hause nehmen", sagt Bhattacharjee. Zur Umsetzung der Idee hofft der Verein auf Spenden: Mehr Infos gibt es auf der Webseite www.kulturimbolongaro.de.

Holger Vonhof

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