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Wir müssen uns sehr anstrengen, um die Innenstadt attraktiv zu halten, sagt der Einzelhandelsexperte der IHK Frankfurt. Zur wachsenden Konkurrenz durch den Online-Handel drohen Verkehrseinschränkungen hinzuzukommen. Auf der Zeil wäre dann weniger los, befürchten die Händler.

Befragung

Frankfurt: Auch die Einzelhändler fürchten ein Diesel-Fahrverbot – aus gutem Grund

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Experten der Industrie- und Handelskammer (IHK) warnen vor Umsatzeinbußen durch drohende Fahrverbote in Frankfurt. Eine Passantenbefragung habe ergeben, dass fast jeder dritte Kunde mit dem Auto oder Motorrad in die Innenstadt komme. Bahnen und Busse stoßen laut IHK an Kapazitätsgrenzen.

Frankfurt - Das vom Verwaltungsgericht Wiesbaden geforderte großflächige Fahrverbot für ältere Benziner und Diesel in Frankfurt ist zwar erst einmal vom Tisch. Doch nach wie vor drohen Einzelverbote für wichtige Straßen in der Innenstadt. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt warnte gestern eindringlich vor den wirtschaftlichen Konsequenzen. „Der Handel braucht Kunden, die mit dem Auto in die Stadt kommen“, sagte Joachim Stoll, Vorsitzender des IHK-Einzelhandelsausschusses. „Wir können sie nicht zwingen, auf den öffentlichen Personennahverkehr umzusteigen.“ Fahrverbote, auch wenn sie nur einzelne Straßen betreffen, würden zu spürbaren Umsatzeinbußen führen, befürchtet Stoll.

Hintergrund seiner Warnung ist eine Kundenbefragung des Kölner Instituts für Handelsforschung. An zwei Tagen im September befragten die Forscher insgesamt 2000 Passanten auf der Zeil und anderen zentralen Einkaufsstraßen. 32,3 Prozent dieser Citybesucher gaben an, mit dem Auto oder dem Motorrad in die Innenstadt gekommen zu sein. Vier Jahre zuvor lag dieser Wert noch bei 24 Prozent. Der Anteil der Befragten, die mit Bus oder Bahn in die Innenstadt gefahren sind, sank von 60 Prozent (im Jahr 2014) auf 48,1 Prozent (2018).

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Alexander Theiss, IHK-Geschäftsführer für Standortpolitik, sagte: „Viele Innenstadtbesucher machen keine positiven Erfahrungen mit dem öffentlichen Nahverkehr. Die Probleme sind Sauberkeit, Sicherheit, Pünktlichkeit und Information.“ Außerdem würden S- und U-Bahn längst an Kapazitätsgrenzen stoßen. Wenn nun auch noch Einschränkungen für Autofahrer hinzukämen, würden einige Kunden sicher lieber in anderen Städten einkaufen gehen, mahnte Theiss.

Frankfurt: Problempunkt Hauptwache

Abgesehen von den Verkehrsproblemen schnitt die Frankfurter City bei der Passantenbefragung gut ab. Insgesamt haben die Befragten die Innenstadt mit der Schulnote 2,2 bewertet, eine Verbesserung um 0,3 Punkte. Grund dafür sei, dass diesmal auch nach Gastronomie und Veranstaltungen  gefragt worden sei, sagte Theiss. „Diese Angebote wurden sehr gut bewertet, was zu der Verbesserung der Gesamtnote geführt hat.“

Schlechter bewertet wurden hingegen Sicherheit und Sauberkeit in der Innenstadt. Frankfurt liege bei diesen beiden Punkten deutlich hinter anderen deutschen Städten ähnlicher Größe, sagte Theiss und nannte die Hauptwache als Problemfall. Die Vergleichszahlen lieferte das Institut für Handelsforschung. Denn dieselben Fragen, die auf der Zeil gestellt wurden, beantworteten auch Passanten in 115 weiteren Kommunen.

Die stark wachsende Konkurrenz durch den Online-Handel bekommen auch die Einzelhändler in der Frankfurter Innenstadt zu spüren. Fast 30 Prozent der Befragten gaben an, wöchentlich oder täglich im Internet einzukaufen. Vier Jahre zuvor waren es nur knapp acht Prozent. Der IHK-Ausschussvorsitzende Stoll sagte: „Wir müssen uns deshalb sehr anstrengen, um die Innenstadt attraktiv zu halten.“ Gefragt seien gemeinsame Marketing-Aktivitäten, zu denen auch Events wie verkaufsoffene Sonntage zählten.

Umfrage in Frankfurts Innenstadt: Begegnung und Erlebnis

„Fast 80 Prozent der Befragten geben an, anlässlich von Ereignissen, wie zum Beispiel dem Museumsuferfest, in die Innenstadt zu kommen“, wies Stoll auf ein Ergebnis der Untersuchung hin. „Auch das spricht dafür, dass die Menschen Einkaufen, Restaurantbesuche und Unterhaltung verbinden. Wir müssen in der Innenstadt noch mehr Möglichkeiten der Begegnung und der ungewöhnlichen Erlebnisse schaffen.“

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Thomas Feda, Geschäftsführer der städtischen Tourismusgesellschaft, gab einen Wunsch wieder, der besonders von asiatischen Frankfurt-Besuchern geäußert werde: ein frei zugängliches WLAN-Netz. Handynutzer können sich dann ohne Gebühren mit dem Internet verbinden. In anderen Metropolen sei dies längst selbstverständlich.

Unter den Teilnehmern der Passantenbefragung waren allerdings keine ausländischen Touristen. „Der Fragebogen war nur auf deutsch“, sagte Alexander Theiss. Von den 2000 befragten Innenstadt-Besuchern kamen rund 64 Prozent aus Frankfurt und fast 36 Prozent von außerhalb. Hauptattraktionspunkt sei für die Besucher mit knapp 51 Prozent ein Einkaufsbummel, gefolgt von der Gastronomie mit fast 28 Prozent. Auch hier zeigt sich eine Verschiebung: 2014 nannten noch fast 60 Prozent „Einkaufen“ als Grund für den Innenstadtbesuch.

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