Wollen die Attraktivität im Brückeviertel steigern: Susanne Stahl und Lorenzo Bizzi.
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Wollen die Attraktivität im Brückeviertel steigern: Susanne Stahl und Lorenzo Bizzi.

Kreatives Sachsenhausen

Einzelhändler gründen Gewerbeverein Brückenviertel

Gegenüber vom traditionellen Alt-Sachsenhausen reihen sich etwa 60 kleine inhabergeführte Geschäfte aneinander. Lorenzo Bizzi und Susanne Stahl haben jetzt den „Gewerbeverein Brückenviertel“ gegründet.

„Mental haben wir unseren Verein schon 2015 gegründet. Seit Oktober 2016 gibt es ihn amtlich“, sagt Gründer Lorenzo Bizzi lachend, der seit 2013 das gleichnamige Eiscafé „Bizziice“ in der Brückenstraße, Ecke Wallstraße betreibt. Hier gibt es Fruchteis aus frisch gepresstem Obst. Seine Gründungspartnerin Susanne Stahl hat ihr ausgefallenes Geschäft gleich nebenan. Seit zehn Jahren betreibt sie „Designe, kleine!“, ein wuseliges Geschäft, in dem „50 Läden mit handgefertigten Geschenken in einem untergebracht sind“. Bisher habe ihr Verein 15 Mitglieder, „das ist schon ganz gut, wenn man bedenkt, dass jeder sein Geschäft schließen muss, wenn wir uns treffen, da die Läden alle inhabergeführt sind“, erklärt sie.

Vielfältiges Angebot

Zum Brückenviertel gehören neben der Brücken- und Wallstraße auch die Schiffer- und Schulstraße, Fritschen- und Abtsgäßchen sowie die Kleine Brückenstraße. Vom Eckgeschäft, das Langspielplatten verkauft, über Kunstgalerien, Modegeschäfte, in denen die Stücke handgefertigt werden und wo Besucher den Designern über die Schulter schauen können, über ausgefallene handgemachte Frankfurter Souvenirs, Comics, Leuchtbuchstaben aus Neon, Bembel, Wohnaccessoires und Kriminalliteratur bis hin zu Apfelwein, Kaviar, Whiskey, Bio-Eis und internationaler Gastronomie. Von Kaffee bis Wein, von Handkäs bis Lobster und Coq au Vin.

„Wir sind ein Viertel, das kreativ, authentisch und individuell ist. Das Brückenviertel steht mittlerweile in jedem Reiseführer, weil wir anders sind: Frankfurterisch, ausgefallen und idealistisch“, beschreiben die beiden Gewerbevereinsmitglieder ihr Viertel. Den Verein haben sie gegründet, „weil alle Ladenbetreiber das gleiche Grundinteresse haben, wir unsere Vorstellungen bündeln und die Gegend noch attraktiver für Besucher gestalten möchten“, so Bizzi. Auch in der Zusammenarbeit mit der Stadt sei das leichter, da eine Institution wie ein Verein leichter anzusprechen sei, als jeder einzelne Mieter. „Mehr Grün wäre schön. Pflanzen zum Beispiel und Bänke, auf denen sich die Besucher ausruhen können“, stellt sich Stahl ebenso vor, wie attraktive Fahrradständer.

Momentan stehen einige Geschäfte leer, Mieter werden gesucht. Die Preise steigen. Das sei in Ordnung, wenn die Vermieter auch für mehr Attraktivität im Viertel sorgen. „Wenn die Häuser schöner werden und dadurch noch mehr Leute kommen“, so Lorenzo Bizzi. Als „eigenartig“ bezeichnet es Susanne Stahl allerdings, wenn Läden nach zwei Jahren wegen hoher Miete schließen müssten und dann für den Nachfolger die Miete noch weiter erhöht würde. „Eigentlich müsste doch auch Interesse am Wachstum und der Entwicklung des Viertels da sein.“ Nur die Mieten zu erhöhen, sei einseitig. „Auch dabei hat der Gewerbeverein eine stärkere Stimme als eine Einzelperson“, sind sich beide einig.

Main als mentale Grenze

Verblüfft sind sie darüber, dass mehr Besucher aus Darmstadt und Hanau kommen, als Kunden aus Bornheim, dem Nordend und Bockenheim. Sie vermuten den Main als mentale Grenze, die aber langsam aufgeweicht werde. „Der Markt im Hof lockt an jedem Samstag in der Wallstraße immer mehr Besucher an“, freut sich Stahl. „300 bis 400 Menschen kommen dann. Was ursprünglich als Markt für den täglichen Bedarf startete, hat jetzt – nach drei Jahren – eine Art Event-Charakter mit Streetfood, Pesto und Saucen direkt vom Erzeuger und Design. Dadurch profitieren auch alle anderen Läden.“ Das jährliche Brückenstraßenfest im Sommer locke ebenfalls immer mehr Besucher an.

Vorstellen im Kreativviertel können sich beide auch Pop-up Stores im Modebereich „von Marken, die zu unserer Individualität und Authentizität passen: Das würde sicherlich bei unseren Besuchern gut ankommen, wenn sie auch so etwas hier finden würden. Ebenso, wie zum Beispiel pflanzliche Naturkosmetik“.

Die Attraktivität des Brückenviertels steht ganz oben an – auch zu Weihnachten. „Die Planung der Straßen-Weihnachtsbeleuchtung läuft bereits auf Hochtouren. Dann gibt es bei uns auch wieder Spekulatius- und Lebkucheneis aus biologischen und reinen Zutaten“, verspricht Bizzi.

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