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Darauf müssen die Menschen derzeit trotz des schönen Wetters verzichten: Die Eisdielen dürfen nicht öffnen, ja nicht einmal durchs Fensterchen auf die Straße hinaus verkaufen. Die hessische Corona-Verordnung sieht es als Genuss- und nicht als Lebensmittel.

Das kommt gar nicht in die Tüte, Baby

Frankfurts Eiscafés werden von der Corona-Krise besonders hart getroffen

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Das Öffnungsverbot trifft die Eiscafés in Frankfurt hart. Ein Außer-Haus-Verkauf ist während der Corona-Krise nicht möglich.

  • Viele Eiscafés in Frankfurt werden von der Corona-Krise besonders getroffen
  • Eis gilt als Genussmittel, nicht als Lebensmittel
  • Auch der Außer-Haus-Verkauf ist in Frankfurt verboten

Frankfurt - Eigentlich wollte Guiseppe Marino zum gestrigen Tag den Betrieb in seinem „Eiscafé Venezia“ auf dem Sossenheimer Kirchberg wieder aufnehmen und sein Sortiment zum Mitnehmen verkaufen. Aus gesundheitlichen Gründen musste er seit dem vierten Quartal des vergangenen Jahres den Familienbetrieb schließen und pausieren. 

Jetzt wollte er wieder durchstarten und hatte dies vor einigen Tagen auf Facebook angekündigt. Die Resonanz war groß. Halb Sossenheim freute sich schon auf die selbst gemachten Eisspezialitäten des Italieners, denn Eis, so empfinden es sehr viele Menschen, ist etwas, das Groß und Klein glücklich macht - erst recht in Zeiten von Corona. Es ist damit in gewisser Weise ein Lebensmittel, das für die meisten durchaus zur Grundversorgung zählt. Gefühlt zumindest.

Eis ist auch in Frankfurt ein Genussmittel und kein Lebensmittel

Rechtlich wird das von der hessischen Landespolitik anders gesehen: In der vierten Corona-Verordnung Hessen werden Eisdielen seit kurzem explizit zu jenen Betrieben gezählt, die komplett schließen müssen: keine Lieferung, kein Außer-Haus-Verkauf. Die Verordnung wurde jetzt erst ergänzt. Lange Zeit herrschte bei den Inhabern von Eisdielen große Unsicherheit darüber, was sie dürfen und was nicht.

Dieses Gefühl der Unsicherheit kennen neben Guiseppe Marino auch Karina Bizzi von „BizziIce“, die unter anderem einen Laden im Brückenviertel in Sachsenhausen hat, sowie Mario Russo, dessen Eisdiele „La Dolce Vita“ am Buchrainplatz in Oberrad ist. Alle drei betonen, dass eine komplette Schließung ihrer Betriebe existenzbedrohend sei. „Das empfinden alle Eisdielen-Inhaber so“, sagt Russo, der sich wie die beiden anderen auch große Sorgen um die Zukunft macht.

Außer-Haus-Verkauf von Eis hatte in Frankfurt schon begonnen

Der Eisverkauf ist etwas Saisonales, argumentieren er, Bizzi und Marino. Das, was jetzt nicht verdient werden könne, fehle in den Wintermonaten, in denen Miete, Strom, Versicherungen und Lebensunterhalt genauso bezahlt werden müssten. „Dafür arbeite ich sieben Monate im Jahr täglich 16 Stunden, stehe um 5 Uhr morgens auf, um das Eis frisch zuzubereiten“, sagt Mario Russo. Für Karina Bizzi, die mit ihrem Mann Lorenzo sogar drei Eisläden in Frankfurt führt, ist es zudem auch noch die Verantwortung für ihre acht Mitarbeiter, die sie beschäftigen. „Kurzarbeit ist beantragt. Doch wir müssen erst einmal die Gehälter vorlegen“, erzählt die Mutter von drei Kindern. 

„Unser Geschäft im Zoo ist bereits seit dessen Schließung zu, die Läden in Sachsenhausen und im Nordend haben wir am 20. März zugemacht“, erzählt sie. Sie habe danach mehrere Tage im Internet recherchiert, um zu schauen, welche Möglichkeiten es für sie gibt, und sie habe vergangenen Freitag mit verkürzten Öffnungszeiten von 14 bis 18 Uhr, Abstandshaltern und Sperrbändern mit einem Außer-Haus-Verkauf in Sachsenhausen und im Nordend begonnen. Zu diesem Zeitpunkt habe es noch keine für sie nachprüfbaren Informationen mit der Änderung der Corona-Verordnung gegeben.

Polizei hat den Verkauf von Eis in Frankfurt gestoppt

„Die Leute haben sich an die Abstandsregelungen gehalten. Es hat gut funktioniert“, erzählt Karina Bizzi. Am Tag darauf sei der Außer-Haus-Verkauf in beiden Geschäften von der Polizei beendet worden. „Wir wurden von jemandem angezeigt“, sagt sie. „Erst zu diesem Zeitpunkt haben wir auch von der Ergänzung in der Verordnung erfahren.“ 

Auch Mario Russo hatte sich für einen Verkauf zum Mitnehmen entschieden, auch bei ihm kam vor einigen Tagen das Ordnungsamt vorbei und hat es untersagt. Guiseppe Marino kam erst gar nicht dazu. „Am Mittwoch wollte ich das Eis machen, am Abend davor habe ich davon erfahren, dass ich das jetzt auch nicht mehr darf“, betont er. „Eigentlich besteht unser Eiscafé in diesem Jahr seit 50 Jahren. Das hätte ich gerne mit den Sossenheimer Bürgern gefeiert. Doch das fällt jetzt aus“, sagt er traurig.

Wenig Verständnis für Umgang mit Eisdielen in Frankfurt

Für alle drei ist nicht nachvollziehbar, warum der Umgang mit Eisdielen von der Politik in Hessen so bewertet wird. „Das macht jedes Bundesland anders. Von Freunden aus Berlin weiß ich, dass die Eisdielen dort zum Mitnehmen verkaufen dürfen“, sagt Karina Bizzi. „Ein Lieferant von mir hat mir ebenfalls erzählt, dass dies auch in München noch möglich ist“, erzählt auch Mario Russo. Auch die Sorge davor, dass sich zu lange Schlangen vor den Eisdielen bilden und der Abstand zueinander nicht eingehalten werde, sei nicht nachvollziehbar. 

„Wir haben es ja schon ausprobiert, und die Leute haben sich daran gehalten“, sagt Karina Bizzi. Und überhaupt gebe es vor Supermärkten und Drogerien auch lange Schlangen. Und auch dort hielten sich die Menschen an den Abstand. „Warum soll dies bei den Eisdielen nicht auch funktionieren?“ Gerecht sei diese Regelung nicht, finden die drei, und sie hoffen, dass die hessische Landespolitik ihre Entscheidung hierzu noch einmal überdenkt. Schließlich soll es auch nach Corona weiterhin Eisdielen geben. 

VON ALEXANDRA FLIETH

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