+

Test

Elektro-Tretroller sind nun offiziell erlaubt - Eine Rundfahrt durch Frankfurts Straßen

  • schließen

Banker, die im Anzug mit Elektro-Tretrollern durch die Innenstadt düsen - das kann bald zum Frankfurter Stadtbild gehören. Heute tritt die Zulassung von Elektro-Tretrollern in Deutschland in Kraft. Wie sich der Roller in den Straßen der Mainmetropole schlägt, haben wir vorab bei einer Rundfahrt getestet.

Frankfurt - Nur einmal mit dem linken Fuß kräftig Schwung holen, den Gas-Hebel am Lenkrad nach vorne schieben, und schon fährt der E-Scooter los - mit einem Ruck. Die Beschleunigung kommt überraschend, der Körper wird nach vorne gedrückt. Ist eben doch ganz anders als der Tretroller aus der Kindheit. Zunächst etwas abgehackt geht es die ersten Meter vorwärts. Der Körper wackelt hin und her. Man muss lernen, die Balance zu halten. Ähnlich wie beim ersten mal auf dem Fahrrad. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase wird es ruhiger und vor allem schneller.

Mit Tempo 20 unterwegs

Richtung Innenstadt düst der Roller die Berger Straße hinunter. Entweder auf der Fahrbahn oder auf dem Radweg, wenn einer ausgewiesen ist. Die Sonne scheint, es ist trocken - perfektes Wetter für eine Tour mit dem elf Kilogramm schweren Gefährt. Ab heute dürfen die elektrisch angetriebenen Tretroller überall dort fahren, wo auch Räder erlaubt sind. Vorausgesetzt, sie erfüllen die für eine Betriebserlaubnis nötigen Anforderungen wie die maximale Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde.

Vorbei an geparkten Autos fährt das 990 Euro teure Modell mit leisem Summen über die Fahrbahn. Etwa 20 Kilometer soll der Roller am Stück schaffen, der Elektromotor leistet 500 Watt. Neben einem Gang, der nicht die vorgeschriebenen 20 Kilometer pro Stunde überschreitet, gibt es auch einen Fußgänger-Modus (6km/h). Mit jedem zurückgelegten Meter wird die Körperhaltung entspannter, die Nerven auch. Es macht langsam richtig Spaß, durch die Stadt zu fahren, ohne dabei ins Schwitzen zu kommen. Nichts klappert oder quietscht, die Aluminium-Konstruktion wirkt stabil auch bei höheren Geschwindigkeiten.

Als der erste Pkw auf Höhe des Merianplatzes links überholt, der erste Schweißausbruch. Zwar ist zwischen Roller und Fahrzeug gut ein Meter Platz, es wirkt jedoch weniger. Zu dicht sind die Füße am Autoreifen. Das Trittbrett liegt nur ein paar Zentimeter über dem Boden. Das Sichtfeld ist eingeschränkt, vor allem bei kleinen Menschen. Rechts sind Bürgersteig und Häuserwände, links ist die Autotür direkt vor der Nase. Dazwischen wirkt der Roller klein und unsichtbar. Der Wunsch nach dem größeren Rad mit erhöhtem Sattel und weiterem Blick wächst.

Einmal durchgeschüttelt

Beim ersten Schlagloch ist die anfängliche Entspannung dann vollends verflogen. Jede Unebenheit überträgt sich auf die kleinen Räder. Bei der Fahrt über ein Stück Kopfsteinpflaster wird der Körper kräftig durchgeschüttelt. "Das ist doch ein Elektro-Roller?", ruft eine Radfahrerin. "Sieht schon aus, als ob es Spaß machen würde, aber für den Alltag wäre das nichts für mich", sagt die Frankfurterin und zeigt auf eine vollgepackte Holzkiste auf ihrem Gepäckträger. "Da kann ich ja kaum was mitnehmen."

Kurz Schwung holen und es geht weiter in die engen Seitengassen, Wer etwas kleiner ist, kann kaum über die Dächer der geparkten Autos blicken, beim Abbiegen fährt man sozusagen blind. Vor der Kurve in den Musikantenweg ein Schulterblick nach hinten. Das Trittbrett wackelt, man hat das Gefühl, die Balance zu verlieren. Der linke Fuß geht kurz auf den Boden, stabilisiert den Körper. Doch jetzt ist die Geschwindigkeit für die Kurve zu hoch. Ein rettender Sprung vom Roller auf den Bürgersteig. Kurz durchatmen. Zum Glück war gerade kein Auto da. Auf den großen Hauptstraßen wie der Friedberger Landstraße wird es besser. Der Roller fliegt über die Fahrbahn. Schnell kommt man voran. Die Autos haben einen im Blick, halten Abstand. Doch bei jeder Ausfahrt und jeder Straßenkreuzung ein unsicheres Gefühl. Die Angst, übersehen zu werden, ist groß.

In der Vilbeler Straße wird es hektisch. Ein Pkw drängelt, er kann nicht überholen, die Fahrbahn ist zu eng. Er wird ungeduldig, schießt kurz vor dem Kreisel an dem E-Roller vorbei. Ein Schwenker nach rechts, damit er das Bein nicht streift. In der Schäfergasse laufen Passanten beim Überqueren der Straße fast vor die Räder. Sie haben die Geschwindigkeit des Rollers merklich unterschätzt. Gucken verdutzt. Doch auch beim Fahren selbst ist es schwer zu sagen, wie schnell es über die Straßen geht. Ein kurzer Handgriff, und schon sind es ein paar Stundenkilometer mehr. Auf der Zeil springt ein Mann mit vor die Brust gehaltenen Händen zurück, als der Roller auf ihn zukommt. Dabei ist man doch Schrittgeschwindigkeit gefahren. Ein Blick auf die Gangschaltung sagt anderes. Der Fußgänger-Modus war nicht eingestellt.

VON SVENJA WALLOCHA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare