Bis zu 380 Hotelschiffe ankern im Jahr am nördlichen Mainufer. Für die Stromversorgung laufen allerdings Tag und Nacht die Schiffsmotoren. Das stinkt Anwohnern wie Stadtteilpolitikern. Schiffsterminals sollen die Lösung bringen. Foto: Heiko Rhode
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Bis zu 380 Hotelschiffe ankern im Jahr am nördlichen Mainufer. Für die Stromversorgung laufen allerdings Tag und Nacht die Schiffsmotoren. Das stinkt Anwohnern wie Stadtteilpolitikern. Schiffsterminals sollen die Lösung bringen.

Frankfurter Mainkai

Elektroterminals sollen Dieselmotoren ersetzen

  • vonGernot Gottwals
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Ortsbeirat will schnelle Lösung, um Hotelschiffe mit Strom versorgen zu können

Zur Zeit ist es angesichts der Corona-Krise zwar ruhig an den Schiffsanliegeplätzen am Nizza. Doch unter normalen Bedingungen ankern hier pro Jahr bis zu 380 Hotelschiffe. Da ihnen allerdings ein Stromanschluss fehlt, lassen sie rund um die Uhr den Dieselmotor laufen, was häufig zu Beschwerden wegen Lärm und Gestank führt.

Dem will der Ortsbeirat 1 (Altstadt, Bahnhofsviertel, Europaviertel, Gallus, Gutleutviertel, Innenstadt) jetzt Abhilfe schaffen und fordert Terminals, an denen sich die Schiffe mit Elektrizität versorgen sollen. Daher ließen sich die Mitglieder in der jüngsten Sitzung von der Städtischen Managementgesellschaft für Hafen und Markt zwei Varianten für den Umbau vorstellen. Dabei setzt die städtische Betreiberin des Hafens auf Umspannanlagen und eine oberirdische oder unterirdische Lösung für Energieterminals.

Zunächst sollen fünf Umspannanlagen entlang des nördlichen innerstädtischen Mainufers ertüchtigt oder neu gebaut werden, erklärte Frithjof Clauß, Leiter der Abteilung Bau und Infrastruktur bei der Städtischen Managementgesellschaft für Hafen und Markt. Vor allem am Nizza böten sich Standorte zur Ertüchtigung an, weitere Standorte für neu zu errichtende Anlagen müssten noch geprüft werden.

Unterirdische Lösung mit Tauchglocke

"Bei einer oberirdischen Lösung sind die Terminals sichtbar und müssen bei Hochwasser jedes Mal abgebaut werden, während unterirdische Lösungen dank einer Tauchglocke hochwassersicher sind und man nur den versenkten Deckel eines Schachts sieht", erklärte Clauß . Doch es sei keineswegs so, dass man diese Variante deshalb automatisch bevorzugen sollte. Denn die oberirdische Variante ist schon in mehreren Städten erprobt, flexibel handhabbar und nach einem gewissen Vorlauf in der Planung auf absehbare Zeit umsetzbar. "Es ist vorstellbar, dass wir nach der Ertüchtigung oder dem Neubau der Umspannanlage diese Variante an unseren fünf Liegeplätzen am Nizza im Laufe des Jahres 2023 umsetzen könnten", so Clauß.

Die unterirdische Variante müsste hingegen erst entwickelt werden, was einen gewissen Zeitaufwand und hohe Produktionskosten erfordert. "Und sie wäre voraussichtlich auch ziemlich wartungsintentsiv", räumt Clauß ein. Deswegen werde von der Managementgesellschaft für Hafen und Markt derzeit die oberirdische Lösung bevorzugt.

Steigende Kosten

Die unterirdische Variante wurde mit 1,8 Millionen Euro veranschlagt, dürfte laut Claaßen jedoch wegen gestiegener Kosten inzwischen bei 2,3 Millionen Euro liegen. Den Zeitplan stuft Grünensprecher Andreas Laeuen im Nachgang durchaus positiv ein. "2023 ist zwar kein schneller, aber doch ein großer Erfolg für die Anwohner des Mainkais und der dahinter liegenden Straßen, die schon seit 30 Jahren für Verbesserungen kämpfen", räumt er ein und verweist auch auf eigene, frühere Vorstöße.

"Die Belastung der Anwohner durch die Schiffe ist viel zu hoch. Hier muss die Stadt innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre tätig werden", fordert der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Weber. "Es muss letztlich die Lösung favorisiert werden, die sicher und langfristig ist", ergänzt seine Kollegin Anna Pause von den Sozialdemokraten. "Die Lösung des Senkelements würde ich nicht favorisieren, da sie strörungsanfällig ist und ich eine Gefahr des offenen Deckels während des Ladevorgangs sehe", erklärte sie. Gernot Gottwals

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