Elster ist in Oberrad ausgebüxt

„Elli“ hat die Flatter gemacht

Eine zahme Elster ist in Oberrad ausgebüxt. Die Besitzerin Gudrun Stürmer möchte den hilflosen Vogel schnell wieder zu Hause wissen und bittet um Hinweise.

Von JONAS LÖFFEL

„Wenn wir Schulklassen zu Besuch hatten, war Elli natürlich der Star“ erzählt die Besitzerin Gudrun Stürmer. Mit „wir“ meint sie den Gnadenhof im Speckweg für verletzte Stadttauben in Oberrad, den sie dort seit 2006 betreibt. Stürmer engagiert sich außerdem im „Projekt Stadttauben“, das für Taubenhäuser in Frankfurt kämpft.

Zurück zu Elli: Sie ist eine von Hand aufgezogene Elster und somit an den Umgang mit Menschen gewöhnt. Vor einem Jahr fand der damalige Jungvogel ein Zuhause bei Gudrun Stürmer. Sie beschreibt Ellis damalige schnelle Zutraulichkeit als „Fehlprägung“ und sagt: „Vermutlich hätte sie in der Freiheit nicht überlebt“. Doch jetzt hat Elli die Flatter gemacht – die Tür des Geheges stand nur einen kurzen Moment offen.

Gudrun Stürmer hat Elli nicht alleine versorgt – sieben ehrenamtliche Helfer pflegten die Elster ebenso wie die anderen Vögel auf dem Gnadenhof. Die Betreuung beschränkte sich aber gerade bei Elli nicht nur auf das Notwendigste, also Futter – vielmehr ging es immer auch darum, den Vogel (Pica pica) entsprechend seiner Intelligenz zu fördern. In dem etwa 35 Quadratmeter großen Gehege konnte sich Elli austoben. Stürmer erzählt vom großen Engagement der Helfer: „Elstern brauchen Beschäftigung, auch der Geist eines solchen Tieres darf nicht vernachlässigt werden.“ Daher spielten alle regelmäßig mit der anhänglichen Elster, die sich gern auf Schultern und Köpfe setzte. Eigens gepackte Pakete waren ein „Fest“ für den klugen und geschickten Vogel, denn sie durfte sie „auspacken“. Elli kann sogar Dinge sortieren, etwa Schrauben in der Werkstatt nebenan. „Allerdings sortierte sie diese nicht so, wie wir es vielleicht machen würden“, sagt Stürmer und lacht. „Sie hat ihr eigenes System“. Besonders schön fand Elli auch immer die Sonntage, denn dann kam immer eine junge Dame zu Besuch. Diese spielte im Gehege mit dem neugierigen und zutraulichen Vogel, der immer für Überraschungen gut ist. Stürmer erzählt: „Die beiden spielten und tobten im Gehege miteinander – schon seit rund einem Jahr“.

Die Vogelkennerin fürchtet, dass sich die ausgebüxte Elli allein nicht in Frankfurt zurecht findet. „Sie ist hilflos und wird auf der Suche nach Schutz und Nähe zu Menschen Zweibeinern hinterherlaufen. Und vielleicht sogar versuchen, sich auf eine Schulter oder einen Kopf zu setzen, das ist sie eben gewöhnt“. Problematisch könne es werden, wenn Menschen das als Angriff bewerteten und entsprechend reagierten. Denn aggressiv ist die gute Elli keineswegs. „Es wäre für Elli das Beste, schnellstmöglich wieder nach Hause gebracht zu werden“, so die besorgte Besitzerin.

Hinweise zu Elli nimmt Gudrun Stürmer unter der Telefonnummer (0170) 8 48 47 57 entgegen.

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