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An der Freiligrathschule kontrollierten und informierten gestern Mitarbeiter der Verkehrspolizei.

Schulweg

Das „Elterntaxi“ ist nicht auszurotten - Fahrten gefährden andere

Rund 6500 Schulanfänger werden heute in Frankfurt eingeschult. Viele von ihnen werden mit dem „Elterntaxi“ bis vors Schultor gefahren. Die Stadt reagiert mit verschärften Kontrollen, und einige Schulen versuchen, das Problem mit neuen Ansätzen zu lösen. Der Erfolg ist mäßig

30 Kinder wurden nach Angaben der Frankfurter Polizei im vergangenen Jahr bei Unfällen auf dem Schulweg verletzt. Unfallverursacher waren auch Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. „Es ist jedes Jahr ein Riesendrama“, sagt Kornelia Girg von der Kerschensteinerschule in Hausen. Wenn die Grundschulleiterin an die „Elterntaxis“ vor ihrer Schule denkt, deren Zahl mit der heutigen Einschulung der Erstklässler wohl wieder zunehmen wird, macht sie sich große Sorgen.

Viele Eltern fahren ihre Kinder bis vor das Schultor, lassen sie dort aber nicht nur schnell aussteigen, sondern stellen das Auto ab und bringen ihr Kind bis auf den Schulhof oder gar vor die Klassentür. Die Straße ist dadurch länger blockiert. Rangierende Autos gefährden die Schüler, die mit dem Fahrrad, dem Roller oder zu Fuß kommen. Das Straßenverkehrsamt kennt das Problem. Zu Beginn eines jeden Schuljahrs werden Uneinsichtige von der Verkehrspolizei verwarnt, wie gestern an der Freiligrathschule in Fechenheim, wo die Aufklärungs- und Kontrollwochen begannen. Die Behörde motiviert die Eltern aber auch, ihre Kinder zu Fuß zur Schule gehen zu lassen. So beginne man mit den Aufklärungskampagnen schon im Kindergarten und beziehe bewusst die Eltern mit ein, sagt der stellvertretende Amtsleiter Rainer Michaelis. Ein Beispiel ist der Schulweg-Pass. „Dabei sollen die Eltern schon zum Ende der Kindergartenzeit mit ihren Kindern den Schulweg üben“, so Michaelis. „Am Ende gibt es eine Art Prüfung, bei der die Kinder zeigen, dass sie wissen, wie sie sich auf ihrem künftigen Schulweg verhalten sollten.“ Es sei für die Eltern wichtig zu sehen, dass ihre Kinder auf dem Schulweg sicher sind und nicht mit dem Auto bis vors Schultor gebracht werden müssen.

Das aber sehen nicht alle ein, und deshalb haben die Eltern der Kerschensteinerschule das Projekt „Kiss’n’go“ ins Leben gerufen, das den Auto-Ansturm zumindest direkt vor der Schule verringern soll. Es wurden drei Plätze in unmittelbarer Nähe der Grundschule ausgewählt, an denen die Eltern ihre Kinder mit dem Auto absetzen können, ohne den Verkehr zu behindern. Die Ellerfeldschänke, der benachbarte Rewe sowie das Freibad Hausen stellen dafür ihre Parkplätze zur Verfügung. Von dort aus laufen die Kinder dann allein oder in Begleitung ihrer Eltern zum Schulgelände.

Obwohl das Projekt bereits seit zwei Jahren läuft, ist es bisher nur mäßig erfolgreich. „Es sind genauso viele Eltern, die die Kiss’n’go-Plätze nutzen, wie die, die sie nicht nutzen und noch immer vor der Schule parken“, sagt Schulleiterin Kornelia Girg. Stephanie Runge, die das Projekt mit weiteren Eltern ins Leben gerufen hat, hat ebenfalls Zweifel: „Eltern, die ihre Kinder zur Schule laufen lassen, haben nach wie vor Angst, dass wegen der vielen Elterntaxis vor der Schule etwas passiert.“ Damit das Projekt bei den Eltern präsenter wird, müsse man jedes Jahr aufs Neue darauf hinweisen.

Auch über eine zweite Aktion versucht die Schule, die Kinder zum Laufen zu motivieren und die Eltern vom Parken vor dem Schulgebäude abzuhalten. Unter dem Motto „Ich laufe zur Schule“ bekommen die Kinder ab dem Schulbeginn einen Monat lang Stempel, wenn sie ihren Schulweg zu Fuß zurückgelegt haben. „Die Kinder finden diese Aktion super“, sind sich Mutter und Schulleiterin einig.

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