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Viele der Frauenbilder ähneln der Künstlerin, als hätte Elvira Bach ihr eigenes Ich gemalt.

Kunst

Elvira Bach inszeniert sich selbst, im Leben und in ihrer Kunst

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Bunt, plakativ und groß sind ihre Frauenbilder. 40 Arbeiten der Malerin sind zurzeit in der Stadtgalerie in Bad Soden zu sehen. Am 17. November kommt die Künstlerin dort höchstpersönlich vorbei.

Elvira Bach liebt den großen Auftritt: Im weiten, grau-weiß gemusterten Kleid kommt sie ins Badehaus im Alten Kurpark von Bad Soden. Unter dem langen Rock schauen spitze Stiefel hervor. Auf dem Kopf trägt sie einen schwarzen Turban mit weißen Punkten. Lippen und Fingernägel sind leuchtend rot geschminkt, die Augenbrauen plakativ betont. In der Hand hält Elvira Bach eine Zigarette. In der Stadtgalerie, wo zurzeit 40 Arbeiten von ihr ausgestellt sind, darf sie nicht rauchen. Lässig spielt sie mit dem Feuerzeug. Gleich nach dem Interview wird sie wieder nach draußen eilen, um sich eine Zigarette anzuzünden. „Ich brauche das“, sagt die Künstlerin und lacht. Es klingt fast ein bisschen lasziv.

Elvira Bach stellt zum dritten Mal in ihrer Heimatstadt aus. Im Bad Sodener Stadtteil Neuenhain ist sie in den 1950er- und 60er- Jahren aufgewachsen. Dort steht ihr Elternhaus, in dem sie wohnt und arbeitet, wenn sie aus Berlin anreist.

In Neuenhain wohnt auch ihre Zwillingsschwester. Die Blumenwiesen und Obstbäume, die sie als Kind auf dem kleinen Bauerndorf umgaben, hätten ihre Kunst maßgeblich geprägt, sagt Bach. „Ich habe die vielen Farben in mich aufgenommen und sie später im dunklen, grauen, dreckigen Berlin herausgelassen.“

1971 ist sie, gerade 20 Jahre alt, an die Spree gezogen. Ihr Atelier ist seither in Kreuzberg. „Ich wollte unbedingt weg, als ich jung war. Frankfurt war mir zu nah, Berlin gerade weit genug“, sagt sie. Elvira Bach studierte an der Berliner Hochschule der Künste Malerei, arbeitete nebenher an der Berliner Schaubühne als Requisiteurin und Souffleuse. Frühling, Sommer, Herbst und Winter habe sie in Neuenhain erlebt, sagt sie. „Berlin war die fünfte Jahreszeit für mich, die pure Stadt.“

Von Berlin aus startete Elvira Bach auch ihre internationale Karriere als Künstlerin. 1982 wurde sie zur Documenta nach Kassel eingeladen, machte sich als einzige Frau einen Namen in der Gruppe der sogenannten Jungen Wilden. Sie und ihre Künstlerkollegen wollten damals eine Antwort geben auf die informelle Malerei, expressiv arbeiten, Emotionen zeigen.

In der Ausstellung zu sehen ist auch das mit Acryl auf Leinwand gemalte Bild „Drei Grazien“.

Kraftvoller Pinselstrich, strahlend bunte Farben, großformatige Frauenporträts – sie prägen bis heute Elvira Bachs Kunst. „Ich bin meinem Stil über all die Jahre treu geblieben, habe mich nie von dem irritieren lassen, was angeblich Mode ist“, sagt sie. „Man erkennt mich wieder.“ Und warum sind es ausschließlich Frauenfiguren, die sie malt? Die 68-Jährige hat eine verblüffend simple Antwort auf diese Frage: „Weil ich eine Frau bin. Ich bin in meiner Malerei immer von mir selbst ausgegangen, so wie jeder Künstler das tut.“

Tatsächlich sind Bachs Frauenbilder ihr selbst sehr ähnlich. Es ist, als hätte die Künstlerin in den Spiegel geblickt und dann ihr eigenes Ich dargestellt: den Pinsel in der einen und ein Glas Wein in der anderen Hand, die Zigarette im Mundwinkel, einen Stapel Töpfe und Pfannen auf dem Kopf, Turban und üppigen Blütenschmuck im Haar. So präsentieren sich auch die Frauenbilder in Elvira Bachs Ausstellung in Bad Soden. Auf einem der Porträts findet sich sogar die Sonnenbrille mit den kreisrunden dunkelgrünen Gläsern wieder, die die Künstlerin beim Termin mit den Journalisten auf ihren Turban gesteckt hat.

Die Acrylbilder sind alle in den vergangenen Jahren entstanden, „I love you“ lautet der Titel der Ausstellung. Bach wird sozialkritisch-philosophisch, wenn sie erklärt, warum sie sich dafür entschieden hat: „Die Liebe nie verlieren“ – so habe sie schon die Serie der „Neuenhainer Blätter“ genannt, erzählt sie. „Es kann nicht sein, dass nur noch Wachstum und Geld im Mittelpunkt stehen und die Menschen vergessen werden. Es geht doch um die Liebe im Leben.“

2009 und 2014 hat Elvira Bach bereits in Bad Soden ausgestellt. Davor gab es in der Stadt keine Räume, in denen sie ihre großformatigen, farbsprühenden Acrylbilder hätte zeigen können. Sie hatte Ausstellungen in Frankfurt und Wiesbaden, und ihre Arbeiten hängen auch in vielen internationalen Museen.

Bad Soden allerdings sei etwas ganz Besonderes für sie. „Es ist meine Heimat“, sagt Elvira Bach. Sie liebt die Stadtgalerie – den großen Raum des ehemaligen Badehauses mit den schlichten, weißen Wänden, an denen ihre großformatigen Arbeiten besonders gut zur Geltung kommen. Und die kleineren Zimmer, in denen teilweise ein halbes Dutzend Bilder neben- und übereinander hängen.

Die Ausstellung „Elvira Bach – I love you“ läuft bis 24. November in der Stadtgalerie im Alten Kurpark in Bad Soden, Königsteiner Straße 86.

Zu sehen sind Malereien und Grafiken sowie drei Skulpturen der Berliner Künstlerin.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 15 bis 18 Uhr. Eintritt frei.

Zur Midissage am Sonntag, 17. November, kommt Elvira Bach persönlich in die Ausstellung. Beginn ist um 16 Uhr. Das Künstlergespräch mit Galerist Michael M. Marks beginnt um 16.30 Uhr.

Weitere Informationen gibt es unterwww.galerie-am-dom.de. Dort kann auch der Ausstellungskatalog heruntergeladen werden.

„Ich wundere mich oft selbst darüber, wie meine Bilder in einer Ausstellung wirken. Der Eindruck ist ganz anders als im Atelier“, sagt sie. Wenn Bach sich an die Staffelei stellt, hat sie keinen Plan, wie das fertige Bild aussehen soll. „Ich fange einfach mit dem Malen an. Der Rest entwickelt sich von selbst, die Ideen kommen beim Malen“, beschreibt sie den Entstehungsprozess.

Nur selten durchbricht sie diese Arbeitsweise. Etwa beim Motiv „Fernweh-Heimweh“ war das so: Eine Frau im kurzen roten Kleid mit hochhackigen Pumps sitzt auf einer prallen, großen Erdbeere und hält noch drei weitere, übereinander gestapelte Früchte in der Hand.

Das Motiv war eine Auftragsarbeit für den Main-Taunus-Kreis, die Erdbeeren sind eine Hommage an die Obstbaugemeinde Kriftel. Eines der beiden Bilder hängt im Büro von Landrat Michael Cyriax in der Hofheimer Kreisverwaltung. Das andere ist in der Ausstellung im Badehaus zu sehen.

Zur Vernissage Ende Oktober kamen mehr als 400 Besucher in die Bad Sodener Stadtgalerie. Elvira Bach war mitten unter ihnen. Weil sie längst nicht alle Gesprächs- und Signierwünsche berücksichtigen konnte, wird die Künstlerin ein zweites Mal aus Berlin anreisen und auch bei der Midissage der Ausstellung am 17. November dabei sein. Galerist Michael M. Marks wird dann auch mit ihr ein Künstlergespräch führen.

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