1. Startseite
  2. Frankfurt

Traurige Nachricht: Frankfurter Jazz-Legende Emil Mangelsdorff ist tot

Erstellt:

Kommentare

Emil Mangelsdorff 2016 in der Paulskirche, wo ihm damals die Ehrenbürgerschaft der Stadt Frankfurt verliehen wurde..
Emil Mangelsdorff 2016 in der Paulskirche, wo ihm damals die Ehrenbürgerschaft der Stadt Frankfurt verliehen wurde.. © Bernd Kammerer

Emil Mangelsdorff lebt nicht mehr. Der legendäre Frankfurter Jazz-Saxofoniststarb ist am Freitag (21.01.2022) im Alter von 96 Jahren gestorben. Auch Ministerpräsident Volker Bouffier äußert sicht.

Frankfurt -Die Frankfurter Jazz-Legende Emil Mangelsdorff ist tot. Der Saxofonist starb am Freitag (21.01.2022) im Alter von 96 Jahren. Am Nachmittag verbreitete sich die Nachricht schnell in den sozialen Medien und löste allenthalben große Trauer aus.

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) äußerte sich am Abend in einer Twitter-Meldung "sehr bestürzt" über den Tod Emil Mangelsdorffs. "Er hat sich nicht nur um die Kultur in Hessen verdient gemacht, sondern als Zeitzeuge der dunkelsten Stunde in der deutschen Geschichte wertvolle Erinnerungsarbeit geleistet", schrieb Bouffier.

Frankfurt: Emil Mangelsdorff riskierte zur Nazi-Zeit schwere Strafen

Ebenso wichtig wie die Musik war es Mangelsdorff stets gewesen, jungen Menschen in Schulen und Universitäten von seinen Erlebnissen im Nationalsozialismus zu erzählen. Emil und sein jüngerer Bruder, der 2005 verstorbene weltberühmte Jazz-Posaunist Albert Mangelsdorff, entdeckten in jungen Jahren bereits ihre Liebe für die von den Nazis als entartet diffamierte Musik.

Wer damals Jazz hörte oder gar selbst spielte, riskierte schwerste Strafen. Mangelsdorff, der anfangs Akkordeon lernte und in den frühen 1940er Jahren im Dr. Hoch's Konservatorium studierte, wurde wegen seiner Sympathie für den Jazz mehrmals von der Gestapo schikaniert. Wie so viele junge Männer wurde er in den letzten Kriegsjahren noch in die Wehrmacht eingezogen und geriet in Kriegsgefangenschaft. Dass er den Krieg überlebte, bezeichnete er einmal als großes Glück, das viele junge Menschen mit Zukunft nicht hatten.

Frankfurt: Emil Mangelsdorff auch in der Big Band des Hessischen Rundfunk aktiv

1949 begann seine Zukunft, als sich der damals 24-Jährige der Jazzszene in Frankfurt anschloss. Er spielte in mehreren Combos wie den seinerzeit weit über die Grenzen der Mainmetropole bekannten Frankfurt All Stars, dabei mit zahlreichen Größen des deutschen Nachkriegs-Jazz und später auch oft mit der Big Band des Hessischen Rundfunks. Zu jener Zeit war Mangelsdorff am Saxofon längst selbst zu einem der führenden deutschen Jazz-Musiker avanciert, anfangs inspiriert von Dixie und Swing, später dann zunehmend auch von modernen Strömungen wie dem Fusion. Er ist mit zahlreichen Staats- und Kulturpreisen geehrt worden.

Für Fans vieler Generationen unvergessen sind die Konzerte, die Emil Mangelsdorff im Jazz-Keller in der Kleinen Bockenheimer Straße gegeben hat, manche gemeinsam mit seinem Buder Albert. In den Hochzeiten des Jazz reisten dafür Fans aus ganz Deutschland an. Von den 1970er Jahren an führten die Brüder eine gute Dekade lang den legendären Jazz-Keller und schafften es, auch Weltstars in das kleine Gewölbe in der Innenstadt zu locken.

Trotz seines hohen Alters kam für viele Jazz-Fans und viele seiner Freunde die Nachricht vom Tod Emil Mangelsdorffs überraschend. Bis zuletzt stand der 96-Jährige auf der Bühne, wenn auch selten. Für Anfang Februar hatte der Veteran sein nächstes Konzert geplant, worüber diese Zeitung noch gestern berichtet hatte. Im Holzhausenschlösschen, das er gerne als sein Wohnzimmer bezeichnete, gab der Saxofonist seit Jahren regelmäßig Heimspiele, in gut zwei Wochen wollte er dort sein 215. Konzert geben. (red)

Auch ein anderes Original aus Frankfurt ist kürzlich gestorben.

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion