Gemälde aus der Justinuskirche restauriert

„Emmaus-Mahl“ ist wieder da

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Mit Hilfe der Werkfeuerwehr von Infraserv ist gestern in der Justinuskirche das „Emmaus-Mahl“ wieder aufgehängt worden. Das Gemälde aus dem 17. Jahrhundert war zur Restaurierung in Würzburg.

Das war ein besonderer Feuerwehr-Einsatz: Mit viel Fingerspitzengefühl hat die Werkfeuerwehr der Firma Infraserv Höchst gestern in der Justinuskirche ein mehr als 300 Jahre altes Ölgemälde wieder aufgehängt. Erst das Bild vorsichtig ausgepackt, dann die Leitern, mit Wolldecken geschützt, an die Wand des Chores gestellt, und dann das Bild mit vereinten Kräften an seinen Platz gehoben: „Das „Emmaus-Mahl“ ist wieder da.

Das Leinwand-Gemälde war zur Säuberung und Konservierung in der Würzburger Werkstatt des Restaurateurs Georg Pracher. Die Kosten für die Restaurierung – ein vierstelliger Betrag – teilen sich je zur Hälfte die Stiftergemeinschaft der Justinuskirche und das Bistum Limburg. Im Archiv des Bistums befindet sich ein vergleichbares Bild, das zuvor im alten Bischofshaus hing.

Weltweit sind 16 Fassungen des Gemäldes bekannt. Es ist eine Darstellung des Emmaus-Mahls; die dem Bild zugrundeliegende Geschichte stammt aus dem Lukas-Evangelium. Lukas berichtet, Kleopas und ein weiterer Jünger seien am Tag nach Pessach in niedergeschlagener Stimmung von Jerusalem in den Ort Emmaus gegangen und dabei dem auferstandenen Jesus begegnet, ohne ihn jedoch zu erkennen. Der Unbekannte habe ihnen verdeutlicht, das Leiden des Messias sei gemäß den Verheißungen der Propheten notwendig gewesen. In dem Örtchen Emmaus angekommen, luden die Jünger den Unbekannten ein, die Nacht über bei ihnen zu bleiben. Beim Abendmahl, als er das Brot brach, hätten sie in ihm den auferstandenen Jesus erkannt, der gleich darauf entschwand, berichtet Lukas. Daraufhin seien sie noch am selben Abend nach Jerusalem zurückgelaufen, um den Aposteln und den anderen Jüngern von der Begegnung zu berichten.

Bildliche Darstellungen der Geschichte gibt es unter anderem von Caravaggio, Rembrandt oder Tizian. Das Höchster Gemälde orientiert sich an einem Werk des Genueser Malers Bernardo Strozzi, der in Venedig wirkte. „Es ist eventuell eine Werkstatt-Arbeit oder eine Kopie eines Mainzer Hofmalers, auf jeden Fall aber selten und hochwertig“, sagt Ernst-Josef Robiné, der Vorsitzende der Stiftergemeinschaft Justinuskirche. Die Justinuskirche gehörte wie das weit vor den Toren Frankfurts gelegene Höchst bis 1803 dem Mainzer Erzbischof, der den Frankfurtern unterhalb der Kirche Zoll abknöpfte.

Das Leinwandgemälde, 1,26 mal 1,78 Meter im Format, hing vor seiner Restaurierung auf der nördlichen Chorseite. Jetzt wurde es auf die wärmere, weil von der Sonne von außen „beheizte“ Seite des Chores gehängt – aus konservatorischen Gründen und weil es dort auch besser sichtbar ist. Die Restaurierung war notwendig geworden, weil das zuletzt vor 30 Jahren abgehängte Bild durch Ruß und Staub sehr in Mitleidenschaft gezogen worden war. Der Firnis wurde abgenommen, das Bild wurde gekittet und retuschiert. Jetzt strahlt es wieder in altem Glanz.

Wer es bewundern möchte: Für Samstag, 3. September, organisiert die Stiftergemeinschaft um 11 Uhr eine Themenführung zur sakralen Ausstattung der Kirche. Am Sonntag, 11. September, ist die Justinuskirche zum „Tag des offenen Denkmals“ von 10.30 bis 18.30 Uhr geöffnet. Um 14 und 16 Uhr werden zwei Führungen zum Thema mit Restaurierungsbeispielen angeboten. Der Tag steht unter dem Motto „Denkmale erhalten“ – genau das tut die Stiftergemeinschaft. Am Samstag, 1. Oktober, findet um 11 Uhr die letzte allgemeine öffentliche Führung in diesem Jahr statt. Gruppenführungen können jedoch auch gebucht werden – ebenso in englischer Sprache.

Führungen sind buchbar über das Pfarrbüro von St. Josef unter der Telefonnummer (0 69) 3 39 99 60. Nähere Infos unter .

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