+
Blick hinter die Kulissen: Zu einem etwas anderen Jahresempfang luden die Stadtteilparlamentarier ins Rotlichtviertels ein.

Bahnhofsviertel

Empfang in der Pik Dame: Ortsbeirat im Strip-Lokal

  • schließen

Der Nachtclub "Pik Dame" soll im Sommer umbaubedingt für ein paar Monate geschlossen werden. Der Ortsbeirat 1 lud zum Jahresempfang, um den alten Charme und die Vielfalt des Bahnhofsviertels zu erleben.

Partyclub, Varieté, Strip-Lokal und nun auch noch politischer Empfangssalon? Zugegeben, der Gedanke ist ungewohnt. Erst recht, wenn man sich wie der Ortsbeirat 1 (Innenstadt, Bahnhofsviertel, Gallus, Gutleut) für einen Jahresempfang im Mai entscheidet und die Besucher vom hellen Abend ins schummrig rote Dämmerlicht kommen. „Die Pik Dame ist halt ein Chamäleon, das sich anpasst“, sagt Ortsvorsteher Oliver Strank augenzwinkernd. „Sie steht für die Vielfalt im Bahnhofsviertel, die ihre Pforten demnächst erst mal schließen wird.“

In der Einladung war vom „alten Charme“ die Rede, den man nochmal erleben wolle, bevor das Amüsierlokal wegen Umbaumaßnahmen „auf ungewisse Zeit“ schließe. Doch ganz so ist es nicht, wie die Inhaber Oliver und Thorsten Gauß im Gespräch mit dieser Zeitung klarstellen: „Wir wollen im Sommer beginnen, doch da wir das Haus auf sechs Stockwerke aufstocken, warten wir noch auf die Baugenehmigung“, erklärt Oliver Gauß. Die gesamte Baumaßnahme werde etwa ein Jahr dauern, doch das Lokal je nach Baustart nur vier Monate, etwa bis November, schließen.

Durch den Umbau soll sich das Haus, das die beiden Brüder ebenso wie das Lokal 1997 von ihrem Vater Herrmann Gauß übernommen haben, in der Geschosshöhe an die Nachbarhäuser angleichen. „Aus dem Pik Dame soll ein Pik-Dame-Haus werden, das wir außen in anspruchsvoll modernem Stil mit goldfarbenen Messingrahmen an den Fenstern gestalten wollen“, erläutert Oliver Gauß. Die Wohnung im ersten Stock, die zurzeit von Sohn Maximilian bewohnt wird, werde zur Aufstockung abgerissen. Geplant sind 13 Zweizimmer-Wohnungen, die Miete soll sich am Mietspiegel im Bahnhofsviertel orientieren.

Die beiden Brüder verweisen auf einige Voranfragen, die sie aus dem Kreis der Stammkunden und Freunde bereits bekommen hätten. Für diesen erlesenen Kreis soll es zum Einzug sogar ein Buch mit der Geschichte des Lokals geben, das 1960 von „Kleine Freiheit“ in „Pik Dame“ umbenannt wurde. „Entsprechend werden wir das Treppenhaus mit passenden Bildern gestalten, auch im Lokal das ein oder andere Möbelstück erneuern“, sagt Oliver Gauß mit Blick auf ein in die Jahre gekommenes Sofa.

Doch der gewohnte Stil und Charme des Lokals, das Maximilian übernehmen soll, werde dabei auf jeden Fall erhalten bleiben. Dazu gehören die Auftritte am letzten „Pik Sonntag“ des Monats mit Travestiekünstler Bäppi La Belle und Pianist Gabriel Groh ebenso wie feuchtfröhliche Geburtstagsfeiern mit Stripshows, die künftig wieder verstärkt ins Rampenlicht rücken sollen. Oder auch eine Einlage von Bands wie „Frankfurter Zweierlei“, die auch dem Empfang des Ortsbeirats krönten.

„Das Bahnhofsviertel wird mit Verweis auf die Frankfurter Kriminalstatistik viel zu einseitig und negativ wahrgenommen“, unterstrich Oskar Mahler von der Initiative Bahnhofsviertel in seinem Vortrag „Das Gesicht des Bahnhofsviertels im Spiegel der Medien.“ Sicher gebe es schwierige Seiten und Probleme wie den offensichtlichen Umgang mit Sex und Drogen, doch die gebe es in anderen Metropolen ebenso. „In der Kriminalstatistik tauchen viele Kontrolldelikte aus dem Flughafen auf, während im Bahnhofsviertel, gemessen an den Einwohnern, die größte Hoteldichte für Touristen und Messegäste zu finden ist.“

Die Vorstellung von Drogenbanden, die Passanten rund um die Uhr belästigen, sei maßlos übertrieben. „Allerdings gilt es, den Frankfurter Weg aus Prävention und Repression gegen Drogendealer gezielt weiterzuentwickeln“, so Mahler. „Dazu gehören auch separate Druckräume für Cracksüchtige, für die ich mich nach wie vor einsetze, da diese Konsumenten wegen ihrer oft angespannten bis aggressiven Stimmung ein eigenes Areal benötigen“, so Strank. Das Ambiente könne sich an den übrigen Druckräumen orientieren, ohne dass ein rechtsfreier Raum entstehe. Strank hofft, Betreiber des Hamburger Areals „Drob Inn“ nach Frankfurt einladen zu können.

Eine wichtige Institution im Bahnhofsviertel sei der „Schutzmann vor Ort“ Björn Driebold. Ungeklärt sei hingegen, ob es eine Institution gibt, die die Nachfolge des im vergangenen Jahr geschlossenen Stadtteilbüros Bahnhofsviertel übernimmt. So oder so: Das „Pik Dame“ hält Strank durchaus für den Austausch geeignet: „Nach der Wiedereröffnung sind hier sicher weitere Empfänge oder Informationsveranstaltungen denkbar.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare