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S6 rollt in Kürze wieder: Sommerbaustelle bringt Tempo in Strecken-Ausbau

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Die neuen Fernbahngleise sind fertig wie hier am Frankfurter Berg. Vorübergehend fährt auch die S6 hier, hält an Behelfsbahnsteigen.
Die neuen Fernbahngleise sind fertig wie hier am Frankfurter Berg. Vorübergehend fährt auch die S6 hier, hält an Behelfsbahnsteigen. © Rüffer

Die Bahn kommt in der zwölfwöchigen Sperrung der Strecke zwischen dem Frankfurter Westbahnhof und Bad Vilbel mit dem Projekt weit voran.

Frankfurt – Nach zwölf Wochen Sperrung rollen von Montagfrüh an wieder S-Bahnen, Regionalzüge und ICEs auf der Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Bad Vilbel (Wetteraukreis). Während der Vollsperrung hat die Deutsche Bahn einen großen Sprung beim Ausbau der S6-Strecke geschafft. Doch ganz erlöst sind die Fahrgäste aber nicht.

Ende 2023 soll die S6 auf eigenen Gleisen unabhängig von anderen Zügen rollen und pünktlicher, regelmäßiger und schneller fahren. Bisher bremsen REs und ICEs die S-Bahnen oft aus – nicht nur, wenn sie Verspätung haben, sondern ganz regulär muss die S6 warten und sich überholen lassen. Zu gering ist die Kapazität auf der Main-Weser-Bahn. Das Land lässt die Strecke daher seit 2017 ausbauen. Aktuell werden die Kosten auf 570 Millionen Euro kalkuliert.

S6-Baustelle zwischen Frankfurt und Bad Vilbel: „Kompakt möglichst viele Arbeiten“ erledigt

Während der Sperrungen seit Anfang Juni sei der Streckenausbau „deutlich vorangekommen“, bilanziert die Bahn. „Mit den jetzt fertiggestellten Arbeiten hat das Projekt ein weiteres entscheidendes Etappenziel erreicht“, sagt Gerd-Dietrich Bolte, Leiter Infrastrukturprojekte Mitte der DB Netz AG. Die Teilsperrung seit Juni und die Vollsperrung seit 9. Juli und bis diesen Sonntag seien nötig gewesen, um „kompakt möglichst viele Arbeiten durchführen zu können“.

Was Bolte meint, sieht man überall entlang der Strecke: Der Anblick der Main-Weser-Bahn hat sich erheblich verändert. Vom Frankfurter Berg bis Bad Vilbel liegt die neue Fernbahnstrecke. Weiter südlich wurden ebenfalls teils neue Gleise angebaut. Damit hat die Bahn Platz geschaffen, um bis nächstes Jahr ungestört die neuen S-Bahn-Gleise weitgehend auf der alten Trasse zu bauen.

Lediglich in Eschersheim ist das komplizierter, da hier aus Platzgründen beidseitig je ein Gleis ergänzt werden muss. Auf den Fernbahngleisen rollt ab Montag vorübergehend auch die S6. In Berkersheim, Frankfurter Berg und Bad Vilbel-Süd wurden provisorische Bahnsteige errichtet.

S6-Baustelle zwischen Frankfurt und Bad Vilbel: Mehrere Brücken wurden erneuert

Als größtes Einzelprojekt hat die Bahn während der Sperrzeit die historische Niddabrücke in Bad Vilbel abgebrochen und mit einem ersten Teil eines Neubaus ersetzt. Sichtbar voran ging es auch in Ginnheim sowie in Eschersheim. Bereits im Juli war die neue Fuß-/Radwegbrücke über die Strecke in Verlängerung der Straße Im Grünen Graben in Betrieb gegangen. Auch die Brücke im Bereich Maybachstraße/Nußzeil sei nun fertig worden. Weil das verspätet geschah, hatte die Bahn während der Vollsperrung einen provisorischen Übergang über die Gleise asphaltiert.

Der S6-Ausbau hat rund ein Jahr Verspätung gegenüber dem Zeitplan bei Baubeginn. Ursache sind laut Bahn etwa lange Diskussionen um Lösungen wie in Berkersheim, aber auch die große Zahl von 75 Klagen von Gegnern sowie Vandalismus: Vermessungsmarkierungen waren entfernt worden. Immerhin: Die aktuellen Bauarbeiten seien „fristgemäß“ fertig geworden, betont die Bahn. Was komprimiert in acht Wochen gebaut wurde, hätte bei laufendem Betrieb viele Monate gedauert.

S6-Baustelle zwischen Frankfurt und Bad Vilbel: Zwei weitere Sperrungen im nächsten Jahr

Mit dem S6-Ausbau verlegt die Bahn auf 13 Kilometern neue Gleise, baut acht Überführungen neu, stellt 19 Kilometer Lärmschutzwände auf und errichtet eine neue Station in Ginnheim mit Umsteigemöglichkeit zu U1 und U9. Sie kann aber, da sich die Planung verzögert hatte, wohl erst nach der Inbetriebnahme der Strecke in Betrieb gehen. Aktuell wartet DB Netz auf die Baugenehmigung des Eisenbahnbundesamtes.

Ebenfalls noch in Planung sind die Ersatzbauten für den seit 9. Juli gesperrten Bahnübergang Lachweg – die Ortsverbindung zwischen Frankfurter Berg und Eschersheim – und den im März entfallenen Übergang in der Berkersheimer Bahnstraße. Für beide Projekte muss die Stadt die Alternative planen und entscheiden. Für Berkersheim ist bereits eine Omega-Brücke vorgesehen.

Wieder in Betrieb geht die Strecke am Montag ohne Brimbamborium. Der erste Zug auf den neuen Fernbahngleisen wird die erste S6 sein, um 4.35 Uhr ab Bad Vilbel nach Frankfurt-Süd. Ganz erlöst sind die Fahrgäste aber noch nicht. Zwei weitere Male muss die Strecke laut Bahn erneut gesperrt werden – auch weil weitere Gleise verlegt und alte mit neuen Gleisen verbunden werden müssen. Die Sperrungen soll es im Frühjahr und Ende nächsten Jahres geben. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

In Frankfurt warten bereits die nächsten Verkehrsbehinderungen: Die Hanauer Landstraße soll für Monate gesperrt werden.

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