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Hauptbahnhof Frankfurt/Main 21

Projekt in Frankfurt

Das Ende des Kopfbahnhofs, so wie wir ihn kennen

Seine Geschichte ist fast so lang, wie der Fernbahntunnel selbst, der auf sieben Kilometern Frankfurt unterqueren soll. Jetzt könnte er nach über 20 Jahren Wirklichkeit werden. Möglich macht es die Hochstufung des Projekts durch das Bundesverkehrsministerium.

„Diese Entscheidung eröffnet die Chance, die Probleme des Eisenbahnknotens Frankfurt langfristig zu lösen“. Mit diesen Worten reagierte der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) auf die jüngste Entscheidung der Bundesregierung, einen zweigleisige Fernbahntunnel, der von Niederrad aus über die Station Hauptbahnhof weiter bis zum Kaiserlei führen könnte, in die Kategorie „Vordringlicher Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans hochzustufen. Für einige ICE-Verbindungen würde der Halt Frankfurt vom Kopf- zum Durchgangsbahnhof. Der Tunnel soll zudem dazu beitragen, Nah- und Fernverkehr rund um Frankfurt weitgehend auf getrennten Gleisen zu führen.

„Mit dieser Entscheidung entsteht im Zusammenhang mit den beiden Neu- bzw. Ausbaustrecken Hanau-Fulda und dem Bau zweier zusätzlicher Gleise zwischen Stadion und dem Nordkopf der Niederräder Brücke eine durchgehende reine Fernverkehrsstrecke durch das Rhein-Main-Gebiet“, so Oesterling.

Das nunmehr beabsichtigte Projekt eines reinen Fernbahntunnels sei aber nicht vergleichbar mit dem aufgegebenen Projekt Frankfurt 21. Der oberirdische Hauptbahnhof bleibe erhalten und stehe weiter dem Verkehr zur Verfügung, erklärte der Verkehrsdezernent.

Voll des Lobes ist auch Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV). „Das Bundesverkehrsministerium hat damit die Verkehrsbelastung der Region anerkannt und deutlich gemacht, dass es kein ’Weiter so‘ geben kann.“ Der Fernbahntunnel sei für die Region die größte Infrastrukturmaßnahme seit dem Bau des S-Bahn-Netzes und sichere dem Frankfurter Hauptbahnhof auch in Zukunft seine überragende Funktion als zentrale Verkehrsdrehscheibe. „Gerade angesichts der Forderung des Bundes an die Deutsche Bahn, bis 2030 die Fahrgastzahlen im Fernverkehr zu verdoppeln, ist der Bau des Tunnels der einzig richtige Weg“, sagte Ringat.

Finanzierung steht

Auch die Verwirklichung der Nordmainischen S-Bahn wurde vom Bundesverkehrsministerium als besonders wichtig eingestuft. Die Finanzierung sei gesichert, so Rigat. 1,3 Milliarden Euro sind für die Nordmainische S-Bahn vorgesehen. Sie wird gebraucht, um die Bahntrasse südlich des Mains vom S-Bahn-Verkehr zu entlasten – zum Nutzen der ICE-Verbindungen. Allein aus diesem Grund finanziert der Bund ein S-Bahn-Projekt, das eigentlich ganz wesentlich vom Land zu tragen ist.

Auch die Grünen im Römer begrüßten am Mittwoch die Berliner Entscheidung. „Der Ausbau der Schienenwege ist dringend notwendig, denn nur so können wir langfristig mehr Menschen davon überzeugen, vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. Schon heute sind viele Schienenabschnitte im Nah- und Fernverkehr überlastet. Es ist gut, dass der Bund das erkennt und entsprechend Geld für den Eisenbahnknoten Frankfurt vorsieht“, so Wolfgang Siefert, verkehrspolitischer Sprecher der Partei.

Große Überraschung

Gleichwohl gibt es auch Verwunderung. „Die Aufnahme des Fernbahntunnels ist eine große Überraschung. Sie ist bislang weder mit der Stadt abgestimmt, noch ist uns ein Konzept bekannt. Dieses Vorgehen von Minister Scheuer ist schon verwunderlich“, so Siefert. Und seiter: „Ein Fernbahntunnel darf nicht dazu führen, dass wichtige Projekte deren Realisierung in den nächsten Jahren möglich ist, auf der Strecke bleiben. “

(psh,red)

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