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09.05.2018, Hessen, Frankfurt: Die ersten Besucher gehen durch die Gassen der neu eröffneten Altstadt. Zahlreiche Häuser, die im Zweiten Weltkrieg zerstört worden waren, wurden hier in den vergangenen Jahren mit einem Kostenaufwand von rund 200 Millionen Euro originalgetreu wieder aufgebaut. Foto: Boris Roessler/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Eröffnungs-Wochenende

Ende September wird die neue Altstadt gefeiert

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Die „Wucht und Dynamik“ des Erfolgs der neuen Altstadt erfreut Oberbürgermeister Peter Feldmann. Das rund 200 Millionen teure Großprojekt gilt kurz nach seiner Fertigstellung tatsächlich nicht nur in touristischer Hinsicht als Erfolg, sondern erreicht das Gros der Stadtgesellschaft auch emotional. Jetzt wird die offizielle Eröffnung gefeiert.

Noch immer sind die Läden und Gastronomie-Betriebe nicht alle bezogen, sondern Handwerker beim Innenausbau zugange – doch das ficht die täglich 6000 bis 8000 Flaneure nicht an: Touristen und Frankfurter streifen neugierig durch die engen Gassen, bestaunen die prächtigen Nachbauten, den Hühnermarkt und fotografieren, was das Zeug hält:

Die neue Altstadt gilt seit dem Fall der Bauzäune im Mai als

Mega-Erfolg

. Info-Broschüren sind begehrt und müssen nachgedruckt werden, Buchungs-Anfragen deutscher und langsam auch internationaler Reiseveranstalter häufen sich. Thomas Feda, Frankfurts Tourismus-Chef, rechnet mit bis zu zwei Millionen zusätzliche Besuchern pro Jahr, die Gästezahlen steigen konstant. Insbesondere Asiaten und US-Amerikaner zeigten mehr Interesse.

Angesichts dieser positiven Entwicklung kokettiert Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) längst ein wenig damit, seinen Wandel vom Skeptiker zum Befürworter des Projekts zuzugeben: „Die neue Altstadt ist ein Magnet, sie sorgt für Diskurs. Es gibt keine Vorurteile, nur Interesse.“ Das erlebe er bei vielen Führungen. Auch das umstrittene Stadthaus stehe für „Heimat und Identität“. 75 Wohnungen und 30 Gewerbeflächen wurden an die Eigentümer respektive deren Mieter übergeben. Vier Jahre wurde an 15 Rekonstruktionen und 20 Häusern in zeitgenössischer Architektur gearbeitet.

Die neue Altstadt – in die auch noch das Struwwelpeter-Museum und das Stoltze-Museum ziehen werden – will die Stadt jetzt groß mit ihrer Bürgerschaft feiern: 1,5 Millionen Euro („brutto“, so Feda) lässt sie sich das Spektakel kosten und rechnet an drei Tagen (siehe Beistück) mit bis zu 250 000 Besuchern. Das Programm bietet über 100 Veranstaltungen; zahlreiche städtische Institutionen sowie Museen, Vereine, Chöre, Oper, Musiker, Bands und andere machen mit. Nur für geladene Gäste ist ein Festakt am Freitag um 10 Uhr in der Paulskirche, bei dem Architekt Christoph Mäckler vom Gestaltungsbeirat sprechen soll.

Auf dem Römerberg wird ein ganzer Ochse gegrillt – in Erinnerung an die Feierlichkeiten zu den Kaiserkrönungen. Wein wird dazu aber nicht wie erhofft aus dem Gerechtigkeitsbrunnen fließen, denn der wird noch renoviert. Aufgrund der erwarteten Besuchermassen gerade bei den Bühnendarbietungen gibt es nur etwa acht Wein- und Imbissstände auf dem Römerberg. Dafür locken eine weitere Musikbühne und eine große Info-Meile an den Mainkai am Eisernen Steg.

Ein verkaufsoffener Sonntag ist laut Feda beantragt, gilt dann allerdings nur für Geschäfte auf dem Römerberg und in der Braubachstraße. Alle 15 Minuten gibt es eine Führung durch die neue Altstadt. Diese wird aufgrund ihrer Enge nur von der „Fliegenden Volksbühne“ des Schauspielers Michael Quast bespielt. „Altstadtgeschichten“ in den Innenhöfen erinnern an Friedrich Stoltze und andere Frankfurter „Volkshelden“ (Feldmann), es gibt eine Lesung „Dichtung und Wahrheit“ im Gotischen Gewölbe im Haus „Klein-Nürnberg“ sowie Szenen aus dem „Urfaust“ von Goethe und zur ersten Besiedlung Frankfurts mit Römern und Chatten in der Kaiserpfalz Franconofurd (Archäologischer Garten unter dem Stadthaus).

In der gesamten Altstadt begegnen dem Publikum Figuren und Szenen von der Römerzeit bis in die Gegenwart und beschreitet ein Kaiser mit Frankfurter Gefolge den Krönungsweg vom Dom zum Römer.

Der Kunstverein im Steinernen Haus zeigt eigens zum Altstadtfest ein halbes Jahr lang die spektakuläre Außen-Skulptur „Die Große Illusion“ der Biennale-Künstler Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt – neun Meter lang, zwei Tonnen schwer und aus schillerndem, poliertem Stahlblech. Zudem tanzen hinter den großen Fenstern des 50er-Jahre-Baus die Mitglieder der „Dresden Frankfurt Dance Company“ am Freitag und Samstag jeweils von 19.30 bis 20.30 Uhr zu elektronischer Musik. Moderne in der Altstadt – im Metropölchen Frankfurt passt das schon immer zusammen.

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