Warmes Wetter in Frankfurt

Endlich Frühling - und gaaanz viel gute Laune

  • vonSabine Schramek
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Corona-Frust Adieu. Kaum steigen die Temperaturen auf über 20 Grad Celsius, gibt es nur Eines: Raus in die Sonne, chillen und Vitamin D tanken. Masken bleiben bei erstaunlich vielen auf Mund und Nase, andere Hüllen fallen. Parka und Stiefel weichen Top und Sandalen. Statt Missmut kommt gute Laune zum Vorschein.

Kaum eine Bank, kaum ein Stein, kaum eine Treppe und schon gar keine Grünfläche ist seit einigen Tagen mehr leer. Überall verweilen Frankfurter unter blauem Himmel und blinzeln in die Sonne. Corona und Vorschriften verhindern Menschengedränge in Straßencafés und auf Restaurant-Terrassen, doch dafür bilden sich lange Warteschlangen an Eisdielen. "Letzte Woche war es noch so kühl, dass die Leute Kaffee geholt haben und höchstens zwei Kugeln Eis", sagt ein Mitarbeiter der Gelateria da Vinci. "Jetzt wollen sie drei bis vier Kugeln Eis und weniger Kaffee", freut er sich und häufelt Zitronen-, Vanille-, Erdbeer- und Schokoladen-Eis in einen Becher.

Straßenmusiker und -verkäufer zwischen Römer und Mainufer lassen die Laune noch frühlingshafter werden. Das Chanson "La Mer" von Charles Trenet aus dem Jahr 1943 klingt sehnsuchtsvoll kurz vor dem Eisernen Steg aus einem Akkordeon. Ein Hauch von Savoir Vivre und Urlaub in Frankreich hängt über dem Main.

Ebenso ist es bei "Main Gelato", wo direkt an der Anlegestelle der Primus-Linie Eistüten en Masse verkauft werden. Die Schiffe liegen fest vertäut, die Sehnsucht nach mehr und Meer bleibt. Nicht jeder, der hier verweilt, ist Frankfurter. Paare betrachten am Eisernen Steg bunte Vorhängeschlösser bei einem Straßenhändler, schauen sich verliebt an und staunen über die Zahl der "Liebesschlösser" am Geländer der Brücke. Ohne Selfie mit Skyline geht hier nichts. Spaziergänger plaudern auf Englisch, Italienisch und Spanisch. Trotz Corona sind Touristen anzutreffen. Hannah (20) zeigt ihrer Freundin Pia (18) aus Kempten "ihr" Frankfurt. "Ich bleibe bis Donnerstag und will noch ganz viel sehen. Aber erst holen wir uns ein Eis", sagt Pia. Ihr gefällt die Stadt. Sorge vor Corona hat sie nicht. "Ich besuche ja nur meine Freundin. Zwei Haushalte, zwei Leute. Wir haben uns getestet." Am Main fährt die Polizei im Schritttempo Streife. Vorbei an Fußgängern, Radfahrern, Rollschuhläufern, Inline-Skatern, E-Roller-Fahrern, Kinderwagen und Hunden. Die Beamten lächeln. "Die Leute sind entspannt, halten weitgehend Abstand und an die Regeln", sagen sie.

Blumen und Decken, Wassersport und Eis

Erste Standup-Paddler holen sich auf ihren Boards den ersten Sonnenbrand, Ruderer, Kajakfahrer und Motorboot-Insassen genießen ihre Fahrt. Auf der Sachsenhäuser Seite sitzen und liegen Sonnenanbeter auf der Mauer oder Wiese. Sie essen, trinken, lachen, hören leise Musik und genießen den Blick auf Gänseblümchen, Löwenzahn, Veilchen, Narzissen, Forsythien und Zierkirschen-Blüten. Schwäne, Gänse und Enten balzen zu Wasser und zu Lande. Auch für sie liegt der Frühling in der Luft. Pärchen spazieren Hand in Hand, manche küssen sich - mit Masken. "Sicher ist sicher", sagt eine junge Frau und lacht, "ist merkwürdig, geht aber." Die sanfte Brise und die angenehmen Temperaturen scheinen den Corona-Ärger zu vertreiben. Picknickdecken und Hängematten, Handtücher und auch Klappstühle in allen Farben dekorieren die Flusufer. Am Lokal "Oosten" neben dem Hafenpark gibt es am Wasserhaus-Kiosk Getränke und Snacks zum Mitnehmen. Die Bimmelbahn fährt vorbei, erfüllt das nächste Wohlfühl-Klischee.

Zahllose Gassigeher sind mit ihren Hunden unterwegs, auch sie genießen den Anblick von fröhlichen Menschen, Wasser, Natur und Sport. Hinter der Europäischen Zentralbank tanzen einige Salsa, sehr eng und mit Hüftschwung und Hingabe. Passanten bleiben stehen und schauen bewundernd zu. Im Hafenpark wird nicht nur Krafttraining gemacht, Ball gespielt, trickreich auf Skates und BMX-Rädern gefahren, sondern auch jongliert - mit Cocktailshakern und Flaschen.

Ilias Kousis (44) ist dreifacher griechischer Cocktail-Meister und war bei mehreren Weltmeisterschaften unter den Top Ten, wie er sagt. Die weißen Flaschen drehen sich ebenso schnell wie die Shaker und seine zwei Mitarbeiter. "Ich habe hier eine Bar-Schule", sagt der Betreiber vom "The Green Monkey" lachend. "Auch wenn wir nur online Kurse bieten können, müssen wir alle bei Laune bleiben. Und was ist besser, als in der Sonne zu trainieren?", meint er und wirbelt seine Requisiten hoch in der Luft. Alla Ardiati (30) und Stephan Kaurvick (28) tun es ihm gleich. "Arbeiten dürfen wir nicht. Aber trainieren, gute Laune haben und andere zum Staunen und Lachen bringen, das geht."

Wie es mit Corona weitergeht, weiß auch Kousis nicht. "Auf jeden Fall lassen wir uns nicht unterkriegen", ist er sicher. Sein Optimismus ist ansteckend. Auch wenn Shaker und Flaschen leer sind - der Appetit auf einen feinen Cocktail ist geweckt.

Am Sachsenhäuser Mainufer lässt es sich aushalten.

Rubriklistenbild: © Hamerski

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