Jahrhunderthallen-Geschäftsführer Moritz Jaeschke freut sich, neben der Halle wieder Kultur unter freiem Himmel anbieten zu können. Der Platz fürs Publikum ist großzügig bemessen. Im Hintergrund bereiten sich "The OhOhOhs" auf ihren Auftritt vor.
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Jahrhunderthallen-Geschäftsführer Moritz Jaeschke freut sich, neben der Halle wieder Kultur unter freiem Himmel anbieten zu können. Der Platz fürs Publikum ist großzügig bemessen. Im Hintergrund bereiten sich "The OhOhOhs" auf ihren Auftritt vor.

Open Ait in Höchst

Endlich liegt wieder Musik in der Luft

  • Michael Forst
    VonMichael Forst
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Maximal 500 Besucher genießen die "Sommerwiese" neben der Jahrhunderthalle.

Eine angenehme Sommerbrise weht durch die Krone des mächtigen Kastanienbaums am Open-Air-Gelände vor der Jahrhunderthalle. Doch dort liegt nach langer Zeit noch mehr in der Luft - Musik nämlich! Volle E-Piano-Klänge und satte Schlagzeug-Salven dringen von der Bühne über das ganze Gelände herüber: Die Band "The OhOhOhs" macht den letzten Soundcheck, während vor dem umzäunten Areal schon ihre meist jungen Zuhörer in Schlangen auf den Einlass warten.

Jahrhunderthallen-Geschäftsführer Moritz Jaeschke und seine Sprecherin Ellen Giersberg nippen an ihren Kaffeetassen und wirken zufrieden. Denn das kulturelle Freiluft-Programm "Sommerwiese", bestritten von ihnen, der Hausener Brotfabrik, Zoom Club Frankfurt und Markus Gardian Booking, ist in den vergangenen Tagen gut angelaufen. Noch bis Ende September meldet sich damit neben dem Parkplatz vor der Jahrhunderthalle die Live-Kultur zurück.

204 Bierzelt-Tische für die Zuschauer

"Wir bieten wirklich ein abwechslungsreiches Programm", sagt Jaeschke. Da sei für Jung und Alt etwas dabei - vom Popkonzert über Lesungen bis zu Comedy-shows. Die Baumreihen schützen das Konzertgelände vor allzu heißen Sonnenstrahlen. Ein großer Food-Truck am Rande des Geländes bietet den Besuchern leckere, frische Speisen. "Bei normalen Konzerten gibt's das so nicht", betont Jaeschke.

Dass alles Corona-konform abläuft, dafür haben die erfahrenen Veranstaltungsprofis gesorgt: Auf einem geräumigen Areal von etwa 3000 Quadratmetern stehen in deutlichem Abstand voneinander 204 Bierzelt-Vierertische. Unübersehbar werden an den Begrenzungswänden in großen Lettern die Sicherheitsregeln erklärt. Maximal 500 Besucher dürfen pro Veranstaltung auf das Gelände. "Als uns das im Juni genehmigt wurde," berichtet Jaeschke, "galt noch die alte Regelung - und die 500 Personen fielen unter eine Ausnahmegenehmigung, die nun Standard geworden ist.

Aber insgesamt sei diese Besucher-Größenordnung dem Charakter und der Ausrichtung der "Sommerwiese" angemessen, betont Ellen Giersberg. "Wenn wir hier Lady Gaga eingeladen hätten, wäre das nicht mehr wirtschaftlich", gibt sie ein Beispiel. Stattdessen liege der Fokus hier auf hessischen Bands. Das Publikum, ergänzt Jaeschke, sei "eingeladen, vielleicht auch musikalische Neuentdeckungen zu machen". Mit ihrer Infrastruktur und guten Ausstattung sei die Jahrhunderthalle ideal für die Open-Air-Konzerte, betont der Geschäftsführer. Schon die banalsten Notwendigkeiten gerieten "zum Problem, wenn du so etwas beispielsweise am Rebstockbad machen würdest: Strom, Wasser, professionelle Bewachung". Nicht so, wenn nebenan die Jahrhunderthalle stehe.

Die Pandemie hatte die Konzertveranstalter der Jahrhunderthalle schon einige Male gefordert, sich neu zu erfinden: Etwa mit der Stage-Drive-Kulturbühne, die in der ersten Corona-Welle im Frühling 2020 das Konzept des Autokinos mit Konzertgenuss verknüpfte. Oder zuletzt im vergangenen Winter mit einer virtuellen "Backstage-Safari" durch die Jahrhunderthalle mit dem Comedy-Duo "Badesalz". "Auch das war ein ganz neues Konzept", erzählt Jaeschke. "Ohne Corona hätte es das nie gegeben."

"Unser Publikum ist sehr diszipliniert"

Im vergangenen Jahr kam der Jahrhunderthalle nach seinen Worten zugute, dass sie über ihren Mutter-Konzern Deutsche Entertainment AG auch gegen die Pandemie-Ausfälle versichert gewesen seien. In diesem Jahr helfen staatliche Überbrückungshilfen. Dennoch sagt Jaeschke klar: "Wenn wir tatsächlich eineinhalb Jahre lang nichts hätten machen dürfen, gäb's uns heute nicht mehr."

Umso mehr freut er sich darüber, wie gut die "Sommerwiese", bislang angenommen wird. Begeistert beschreibt Ellen Giersberg die "gespannte und gelöste Atmosphäre" der bisherigen Konzerte: "Du hast den Leuten wirklich die Freude angesehen, nach monatelanger Pause endlich wieder gemeinsam live Musik zu erleben." Einige hätten auch spontan getanzt - "aber keiner aus der Reihe", schiebt sie hinterher. "Das Publikum ist bei aller Freude diszipliniert und hält sich an die Regeln." Moritz Jaeschke berichtet von persönlichen Szenen zwischen Band und ihren Anhängern, die sich beispielsweise vor dem Fanartikel-Verkaufsstand intensiv ausgetauscht hätten. Oft gehörte Frage: "Wie habt ihr die Zeit überstanden?" Michael Forst

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