Im Hintergrund schweben die roten Luftballons in den blauen Himmel, davor die singenden Mitglieder des Riedbergchors in ihrem ersten Youtube-Video. Screenshot: Youtube/ Riedbergchor
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Im Hintergrund schweben die roten Luftballons in den blauen Himmel, davor die singenden Mitglieder des Riedbergchors in ihrem ersten Youtube-Video. Screenshot: Youtube/ Riedbergchor

Riedberg: Sangeslust

Endlich wieder gemeinsam singen

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Stadtteil-Chor trotzt Pandemie und hat jetzt einen Youtube-Kanal

Nach und nach fliegen quadratische Porträtbilder durchs Bild, im Hintergrund ziehen Vögel an der untergehenden Sonne vorbei, es erscheint einen Tannenwald mit Sternenhimmel, dann rote Luftballons, an denen kleine Zettel befestigt sind, die durch die Lüfte fliegen. Dann beginnen die Menschen auf den Bildern zu singen, auf die Millisekunde genau. "Wenn ich ein Vöglein wär, und auch zwei Flügel hätt, flög ich zu dir!", klingt es aus den Lautsprechern des Computers.

Es ist der Riedbergchor, der wie viele andere Gesangsvereine der Corona-Pandemie trotzt und nicht nur seine Proben ins Internet verlegt hat. Seit kurzem haben die Sänger auch einen eigenen Youtube-Kanal, auf dem ihre Interpretation des deutschen Volksliedes jüngst Premiere feierte. Fast 1000 Aufrufe gab es bis gestern Abend. Klickzahlen, über die Youtuber mit einer großen Reichweite, für die 250 000 Aufrufe pro Video völlig normal sind, wahrscheinlich nur müde lächeln würden. Weil sie über ihren Kanal Geld verdienen wollen.

Für den Riedbergchor stehen freilich völlig andere Dinge im Vordergrund. Die Gruppe von 30 Sängern, zwischen 30 und 75 Jahren alt, möchte mit ihrer Musik die Menschen bewegen, ihr Herz erreichen. Ihnen das nach Hause bringen, was sie sonst auf den zwei bis drei Konzerten, die der Chor im Jahr gibt, hören und erleben. Zumindest teilweise.

Und sie möchten endlich wieder gemeinsam singen. Denn auch wenn es im Video so aussieht, eine gemeinsame Probe gab es seit dem Sommer nicht mehr. Denn das sei technisch nicht möglich. Geprobt wird nämlich mit Zoom, ein Tool das eigentlich für Online-Konferenzen genutzt wird. Und dort spricht man eben hintereinander und nicht gleichzeitig. Für die Business-Leute ist das gut, für einen Chor allerdings weniger.

Doch die Mitglieder des Chores, der sich 2006 gründete, lassen sich davon nicht unterkriegen. "Wir halten durch mit dem Blick nach vorn und der Hoffnung auf mildere Temperaturen ab Ostern. Denn dann wollen wir sofort wieder mit unseren Outdoor-Proben beginnen", schreiben die Sänger auf ihrer Internetseite. Bis dahin probe man eben weiterhin über das Internet, Chorleiterin Burcu Özcanyüz Seymen denke sich immer mal neue Möglichkeiten aus, "um uns doch irgendwie hören zu können". Zudem hoffe man auf neue technische Entwicklungen um auch online gemeinsam singen zu können.

Wenn nicht, muss der Chor eben noch ein bisschen Geduld beweisen. Dass er das kann, hat er im vergangenen Jahr gezeigt und wurde belohnt. Nach dem ersten Lockdown trafen sich die Chormitglieder im Sommer im Garten der IG Riedberg, mit ausreichend Abstand wurde auf der Wiese geprobt.

Und um die Wartezeit zu verkürzen, ist eben nun das auf Youtube veröffentlichte Video entstanden. Mit Material aus der Zeit des ersten Lockdowns. Mit einer Liedauswahl, die in dieser tristen Zeit nicht passender hätte sein können. Denn wer wäre derzeit nicht gerne ein freies Vögelchen, dass direkt zu seinen liebsten fliegen könnte? Neben Volksliedern gibt es übrigens nichts, was der Chor nicht gerne singt. Von Barock über Klassik, bis hin zu Pop und Schlagern. Das Repertoire ist groß. Dementsprechend freut sich der Chor auch stets über Menschen, die mitsingen möchten. Infos dazu gibt es, ebenso wie einen Link zum Youtube-Video, auf der Homepage unter www.riedbergchor.de.

judith dietermann

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