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Englische Fußballfans bleiben entspannt

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Von: Sabine Schramek

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Während die West Ham United Fans weitgehend friedlich bleiben und sich am Römerberg mit Kicken, Hochzeits-Hype und Seifenblasen auf das Spiel einstimmen, gab bei Angriffen von Eintracht-Hooligans es mehrere Verletzte.

Frankfurt -Nachdem es bereits in der Nacht zum Mittwoch eine Schlägerei in einem Pub im Westend und einen Angriff von Hooligans in Sachsenhausen gab, flogen in der Nacht zu Donnerstag in einem Pub in der Innenstadt Gläser, Tische und Stühle. Am Tag des Spiels sind zwar Tausende Fans aus England in der Stadt, dennoch bleibt es laut Polizei bis auf "ein paar kleinere Reibereien" friedlich.

Am YokYok fliegen Flaschen auf Frankfurter Fans

Am Römer wird ab vormittags zwischen Seifenblasen gekickt, getrunken und gesungen. Zügig gehen die West Ham United Fans zum Hauptbahnhof - auf dem Römerberg bleiben riesige Müllhaufen zurück, die FES übernimmt die Reinigung. Auf dem Weg zum Stadion werden am YokYok in der Münchner Straße und am Moseleck, wo Eintracht-Fans vorglühen, Flaschen Richtung Eintracht-Fans geworfen. Verletzte gibt es nicht, aber einige Festnahmen aus dem Lager der englischen Fans.

Die erwarteten Krawalle bleiben zunächst aus. Wer keine Eintrittskarte zum Stadion hat, sucht sich einen Pub. "Gestern waren wir im o'Reillys am Bahnhof. Heute suchen wir was anderes", sagt David McDonald, der mit fünf Freunden aus England angereist ist. "Hauptsache, wir gewinnen", grölen sie. Im Velvet Club sind 500 West Ham United Fans und trinken Wodka Lemon bis zum Anpfiff. Im Irish Pub in Alt-Sachsenhausen ist donnerstags geschlossene Gesellschaft - auch am Spieltag. Rein kommen nur Gäste mit Reservierung.

Frankfurter Polizei: "Wir sind jederzeit da"

Die Polizei ist überall im Viertel und erkundigt sich bei den Wirten, wer und wie viele Gäste erwartet werden. "Wenn etwas ist, wir sind jederzeit da", sagen die Beamten. Auch hier bleibt es zunächst ruhig. "Ob das so bleibt, können wir nicht sagen. Wie hoffen es", sagt ein Polizeibeamter. Eintracht- und West Ham United Fans werden so weit wie möglich voneinander getrennt, damit es zu keinen Eskalationen kommt wie am Vorabend.

Auch 24 Stunden zuvor waren die Lokale am Römer voll mit fröhlich feiernden britischen Fans. Bier floss in Strömen, die Polizei beobachtete und war vorbereitet auf Auseinandersetzungen zwischen Fanlagern aus Frankfurt und London.

Am o'Reillys Irish Pub am Hauptbahnhof fliegen schließlich Flaschen und Fäuste. Die Polizei geht mit einem Großaufgebot dazwischen. Ein West Ham United Fan wurde beim Flaschenwurf eines Eintracht-Fans leicht verletzt und wird im Rettungswagen behandelt. Der Flaschenwerfer ist genauso schnell geflohen, wie er gekommen ist.

Die Straßenbahnen stehen still, die Polizei schätzt, dass rund 800 englische Fans die Straße blockieren. Die Moselstraße ist ab dem Lokal Moseleck Richtung Bahnhof für den Verkehr gesperrt. Hier glühen Eintracht-Fans friedlich vor. Eine Polizeikette steht über die gesamte Straße. "Vorsorglich, damit Eintracht- und West Ham United Fans nicht aufeinandertreffen", sagt ein Polizist.

Augenzeuge: "Plötzlich waren ganz viele Vermummte da"

Auch die Hauptwache ist voller Polizeiwagen. In einem nahe gelegenen Pub sind kaum noch Gäste, überall liegen Scherben. "Das war ganz schlimm", sagt eine Mitarbeiterin, die Scherben aufkehrt. "Plötzlich waren ganz viele Vermummte da, haben alles geworfen, was sie greifen konnten. Das waren Hooligans von der Eintracht. Die haben sich einfach auf unsere Gäste gestürzt. Es ging so schnell." Ein Stuhl liegt 100 Meter entfernt an einem Baucontainer. "Ja, auch Stühle und Tische sind geflogen", bestätigt ein junger Mann, der dabei war, als die vermummte Horde den Pub gestürmt hat. "Es war so laut und brutal. Das ist unfassbar, wie schnell das gehen kann", sagt er. Die Polizei sei schnell da gewesen und auch Krankenwagen. "Einige wurden verletzt mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht", sagt er immer noch geschockt. Für diesen Abend bleibt den Mitarbeitern nur noch das Auffegen von Unmengen an Glasscherben übrig. "Natürlich öffnen wir wieder am Spielabend", so ein Kellner. "Mit Security-Kräften." Noch bis spät in die Nacht ist die Polizei mit Großaufgebot in ganz Frankfurt unterwegs. Immer wieder greift sie ein, wenn es zu Aggressionen kommt.

Zwei Gästefans zeigen den Hitlergruß

Viele Fans aus England werden ohne Eintrittskarte für das Halbfinale der Europa League erwartet. "Jeder hofft, noch an Karten zu kommen", sagt ein West Ham United Fan aus London, der mit seinen fünf Kumpels Glück hatte und noch Karten ergattern konnte. Ein Banner von ihrem Verein hängen sie schon am Vortag des Spiels an einen Sonnenschirm. "Wir werden bestimmt gewinnen", orakelt er, und die Fans liegen sich in den Armen. Für den Abend des Spiels ist die Polizei mit Großaufgebot in der gesamten Stadt. "Wir zeigen hohe Präsenz und sind vorbereitet", heißt es. Die Straßenbahnlinien durch die Innenstadt fallen bis in die Nacht hinein aus. Im Stadion zeigen zwei Engländer den Hitler-Gruß und werden verhaftet.

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