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Frankfurt am Main 19.12.2017, Stadtteil Frankfurter-Berg, S-Bahnhof Frankfurter Berg, Im Beisein von Dr. Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtigter der DB AG für das Land Hessen, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, Tarek Al-Wazir, der Verkehrsdezernent Klaus Oesterling, der Landrat des Wetteraukreises, Joachim Arnold, und der Sprecher der Geschäftsführung und Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), Prof. Knut Ringat etc. (c) Foto: Rainer Rüffer

Bahnausbau

Enteignungen für zusätzliche Gleise: Proteste bei Spatenstich

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Beim Ausbau der Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Bad Vilbel will die Bahn endlich loslegen. Doch ihr gehören noch nicht alle Grundstücke, die sie benötigt. Jetzt stehen Enteignungen bevor.

Zum Festakt am Bahnhof Frankfurter Berg hat Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) eine Broschüre aus den frühen 70er Jahren mitgebracht. Darin ist das künftige S-Bahn-Netz der Region Frankfurt skizziert. Die Linie von Frankfurt über Bad Vilbel führt bis nach Bad Nauheim – und ist viergleisig ausgebaut.

Mehr als 40 Jahre später ist diese Vision immer noch nicht Realität. Die S-Bahn endet in Friedberg, der viergleisige Ausbau wird zwar seit 20 Jahren geplant, aber nicht realisiert. „Wir müssen besser und schneller werden“, fordert Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Am Dienstag wurde immerhin am Bahnhof „Frankfurter Berg“ der symbolische erste Spatenstich für den Abschnitt zwischen Westbahnhof und Bad Vilbel gesetzt. Rund 350 Millionen Euro soll es kosten, auf 13 Kilometern Länge zwei zusätzliche Gleise zu bauen, fünf Bahnhöfe zu modernisieren und eine zusätzliche Station in Ginnheim zu errichten. 2022 sollen die Arbeiten beendet sein.

Aber es gibt noch Schwierigkeiten. Für den Ausbau braucht die Bahn Grundstücke entlang der Strecke. Mit rund 100 Eigentümern hat sie verhandelt, doch einige wollen nicht verkaufen. 28 Fälle stünden noch aus, sagte Gerd-Dietrich Bolte von der DB Netz AG am Rande des Festakts. Bei sechs Grundstücken werde das Regierungspräsidium Darmstadt jetzt die „Besitzeinweisung“ veranlassen. Das heißt: Es kommt zur Enteignung. Dann kann zum Beispiel die Baustraße bei Berkersheim angelegt werden.

Der Abschnitt zwischen Berkersheim und Bad Vilbel ist der erste, bei dem die Bahn damit beginnen wird, den Bahndamm für die zusätzlichen Gleise zu verbreitern. Außerdem werden im kommenden Jahr mehrere Stützwände gebaut und Brücken an die viergleisige Trasse angepasst.

Gegner des Projekts wollen das immer noch verhindern. Rund 50 von ihnen protestierten gestern am Bahnhof Frankfurter Berg gegen den Bahnausbau. „S-Bahn-Lüge“ riefen sie den Besuchern des Festakts zum Spatenstich zu. Ihrer Ansicht nach verschleiern Bahn und Politik, dass die zusätzlichen Gleise nicht der S-Bahn, sondern dem Güterverkehr dienen. Sie befürchten, dass nach dem Ausbau täglich bis zu 200 Güterzüge durch Frankfurt fahren werden. „Die Bahn transportiert Gefahrgut mitten durch die Stadt“, sagte Daniela Hartmann, eine der Demonstrantinnen. „Nicht auszudenken, was passiert, wenn ein Zug entgleist.“

Oesterling hält die Argumente nicht für schlüssig: Schon jetzt könnten auf der Strecke fünf bis sechs Mal so viele Güterzüge wie heute fahren. Künftig werde es aber mehr Lärmschutz geben. Diesen hätten die Bürgerinitiativen erkämpft. „Darauf können sie stolz sein.“ Auch Dirk Rompf, Vorstand der DB Netz AG, betonte: „Der Ausbau dient allein der Qualitätsverbesserung im Nahverkehr.“

Vor allem soll die von täglich rund 50 000 Fahrgästen genutzte S 6 pünktlicher werden und in einem einheitlichen Takt fahren. „Wir hätten 20 Prozent mehr Fahrgäste, wenn die Qualität besser wäre“, sagte Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). Durch den Ausbau seien außerdem zusätzliche Züge von Frankfurt nach Gießen, Nidda oder Hungen möglich. Diese Verbindungen scheiterten bisher nicht am Geld. „Das Problem sind die fehlenden Kapazitäten auf der Strecke.“

Verbessert wird künftig die Verknüpfung der S-Bahn mit der U-Bahn. An der neuen Station „Ginnheim“ ist ein Umstieg in die U 1 und die U 9 möglich. Außerdem plant die Stadt, die U 5 von Preungesheim bis zum Frankfurter Berg zu verlängern. Auf einen Termin wollte sich Oesterling nicht festlegen. „Aber es wäre schön, wenn die verlängerte U 5 zur Fertigstellung der S-Bahn fahren würde.“ Es müssen ja nicht alle Schienenprojekte mehr als 40 Jahre dauern.

Hier finden Sie eine Sammlung von Artikeln zum Ausbau der Main-Weser-Bahn.

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