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Leben in Frankfurt: "Auf Ältere wird keine Rücksicht genommen" - fatale Postbank-Entscheidung

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Von: Stefanie Wehr

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Ist froh, dass nach dem langen Hin und Her die Bänke auf dem Martha-Wertheimer-Platz wieder zurück sind: Margit Grohmann, die Seniorenbeauftragte im Frankfurter Süden.
Ist froh, dass nach dem langen Hin und Her die Bänke auf dem Martha-Wertheimer-Platz wieder zurück sind: Margit Grohmann, die Seniorenbeauftragte im Frankfurter Süden. © Sauda

Wie lebenswert ist Frankfurt für Senioren? Die neue Seniorenbeauftragte nimmt den Süden der Stadt in den Blick.

Frankfurt - Als Margit Grohmann ihr Ehrenamt als Seniorenbeauftragte vor kurzem annahm, wunderte sie sich über zwei Dinge: Dass es im Ortsbezirk 5 für jeden Stadtteil in Frankfurt mindestens einen Kinderbeauftragten gibt, aber für den gesamten Süden mit 100 000 Einwohnern nur eine Seniorenbeauftragte. Und darüber, dass im Ortsbeirat viele zu ihr sagten: "So rege wie Sie hat noch niemand für die Senioren die Stimme erhoben."

Für die Sozialpädagogin Margit Grohmann, die jahrzehntelang das Monikahaus, ein Mädchen- und Frauenheim im Gallus, leitete, ist der Einsatz für andere selbstverständlich. "Eine gute Sozialpolitik ist in einer Stadt wie Frankfurt unabdingbar, um den gesellschaftlichen Frieden zu erhalten", sagt die Sachsenhäuserin und klopft dabei sachte, aber bestimmt mit der Hand auf den Tisch. Damit meint sie nicht nur das Ehrenamt. Die öffentlichen Strukturen müssen funktionieren - gerade Senioren brauchten Unterstützung in einer Welt, in der zunehmend alles digital geregelt werde. Für Senioren werde es zunehmend schwerer, in dieser rasanten Welt mitzuhalten. Ämterangelegenheiten, Banksachen, Arzttermine ließen sich nur noch am Computer erledigen. "Viele Senioren können und wollen das aber nicht", sagt Grohmann.

Frankfurt: Seniorenbeauftragte sieht Ältere „nicht wertgeschätzt“

Dass die Postbank am Südbahnhof zugemacht hat, ist für viele alte Sachsenhäuser eine Katastrophe. "Die Menschen waren fassungslos gewesen, verzweifelt. Eine gehbehinderte alte Dame sagte, dass sie auf der Postbank jeden Monat ihre Rente abhole." Nun wisse sie nicht, wie sie den weiten Weg in die Innenstadt bewältigen solle. "Auf die Älteren wird keine Rücksicht genommen. Sie werden nicht wertgeschätzt," ärgert sich Grohmann.

Dabei hätten gerade diese viel zu bieten und aus ihrer Erfahrung mitzuteilen. Beruflich waren es junge Frauen und Familien, die zu unterstützen ihr am Herzen lagen. Doch schon zu dieser Zeit waren es die generationenübergreifenden Projekte, die sie nachhaltig berührten. Eine "Oma-Verleihbörse" brachte Senioren mit jungen Familien zusammen. "Die Großeltern sind für Kinder oft prägend", weiß Grohmann. "Durch die Vermittlung kamen sehr viele enge Freundschaften und Bindungen zustande, die lange hielten", erinnert sie sich. Auch über Projekte wie die "Handysprechstunde" vom Caritas-Quartiersmanagement am Mühlberg freut sich die Seniorenbeauftragte: Dort helfen junge Leute Senioren dabei, ihr Handy zu bedienen.

Bindungen - dieses Wort benutzt Margit Grohmann oft. "Ohne feste Bindungen fühlen sich Menschen einsam." Verlässliche, dauerhafte Kontakte seien in einer Großstadt sehr wichtig. Grohmann weiß, dass viele ältere Menschen niemanden haben. "Corona hat die Isolation verstärkt, viele Senioren trauen sich nicht mehr aus dem Haus. Das ist verheerend." Darum möchte sie im Frankfurter Süden Angebote schaffen, Orte der Begegnung.

Frankfurt: Martha-Wertheimer-Platz als Positivbeispiel

Der Martha-Wertheimer-Platz mit den Bänken und dem Café sei ein gutes Beispiel für einen Ort, wo Menschen zwanglos zusammenkommen und ins Gespräch kommen können. Sie ist froh, dass die Sitzbänke wieder aufgestellt wurden. "Nur weil ein paar junge Leute abends laut sind, kann man nicht die Mehrheit bestrafen, die hier tagsüber sitzen möchte."

Gerade weil viele sich nicht mehr nach draußen wagten, leide auch die Gesundheit. Gerade ältere Menschen müssten zusehen, dass sie aktiv und in Bewegung bleiben. Grohmann hofft Sportvereine für ein niederschwelliges Angebot zu gewinnen: Den Alltagsfitness-Test, der aus einfachen Übungen besteht. Wer die Übungen unter Anleitung macht, erhält sogleich Aufschluss darüber, ob er in der Zukunft - etwa im Alter von 93 Jahren - den Alltag allein bewältigen könnte, würde er alles so machen wie bisher. Zu Alltagstest-Aktionen, die vom Landessportbund Hessen gefördert werden, könnte es Kaffee und Kuchen geben und die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen.

Margit Grohmann ist Mitglied in der Senioren-Union. Als Seniorenbeauftragte im Ortsbeirat arbeite sie jedoch überparteilich, betont sie. Nach der Kommunalwahl dauerte es ein geschlagenes Jahr, bis sich der städtische Seniorenbeirat konstituierte. Dennoch hat Grohmann sich schon eingearbeitet. Im größten der drei Süd-Stadtteile Sachsenhausen hat sie Institutionen abgeklappert und bietet regelmäßig eine Senioren-Sprechstunde im Begegnungszentrum Mittlerer Hasenpfad des Frankfurter Verbands. Dort stellt sie sich zusammen mit ihrer Stellvertreterin Petra Gerland zudem nächsten Dienstag, 16. August, in der Reihe Stadtteiltreff vor. Die Veranstaltung beginnt um 15 Uhr im Mittleren Hasenpfad 40. Um Anmeldung bis Montag unter der Nummer 29 98 07 22 29 wird gebeten. (Stefanie Wehr)

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