Demonstration im September 2020 in Nieder-Eschbach gegen ein Gewerbegebiet: Nun schränkt die Koalition das Vorhaben stärker ein.
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Demonstration im September 2020 in Nieder-Eschbach gegen ein Gewerbegebiet: Nun schränkt die Koalition das Vorhaben stärker ein.

Neue Hoffnung für die Nieder-Eschbacher?

Entscheidung zum umstrittenen Gewerbegebiet im Norden Frankfurts aufgeschoben

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Die Römer-Koalition will den Konflikt bis zur Kommunalwahl ruhen lassen. Viele Bürger protestieren vehement gegen ein weiteres Gewerbegebiet vor ihrer Haustür.

Frankfurt -Ob es ein weiteres Gewerbegebiet in Nieder-Eschbach gibt, wird die Stadtpolitik erst nach der Kommunalwahl entscheiden. Darauf hat sich die Römerkoalition aus CDU, SPD und Grünen verständigt. Noch vor der Wahl will sie jedoch das städtische Gewerbeflächen-Entwicklungsprogramm beschließen. Darin ist das Areal zwar enthalten, aber jetzt mit großen Fragezeichen.

14 Seiten lang ist das Gewerbeflächen-Entwicklungsprogramm - nur ein einziger Aspekt daraus verursacht Protest. Menschen aus Nieder-Eschbach stemmen sich parteiübergreifend dagegen, dass nördlich der Züricher Straße gegenüber von Ikea ein weiteres Gewerbegebiet entsteht. Selbst das ist schon ein Kompromiss: Bloß zur Prüfung des Standorts hat der Magistrat das Projekt zur Abstimmung an die Stadtverordneten weitergereicht und als Ausgleich bereits eine Erweiterung des dortigen Grüngürtelparks vorgeschlagen. Das setzten die Grünen in der Koalition mit CDU und SPD durch.

Da der Widerstand anhält, bessert die Koalition jetzt nach. Sie will zwar weiter den Standort prüfen, engt die Option aber stark ein. So sollen großflächiger Einzelhandel wegen verstärkten Verkehrs und Rechenzentren, ausgeschlossen werden, "die als massive Bauten den Wind nach Süden versperren". Das erklärt Uli Baier, planungspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. Kleinteiliges Gewerbe solle zunächst in benachbarten Gebieten mit Leerstand untergebracht werden, wie es der Ortsbeirat fordere. Ebenso blieben bestehende Ausgleichsflächen wie Streuobstwiesen, unangetastet.

Erst die vorhandenen Gewerbeareale auffüllen

Bevor das Gebiet in Nieder-Eschbach entwickelt werden dürfe, müsse der Magistrat nun darlegen, dass alle übrigen Potenziale für neue Gewerbeflächen erschöpft seien und es keine Alternativen gebe, betont Baier. Damit wird faktisch ein weiterer Parlamentsbeschluss nötig. Der Prüfauftrag als solcher sei aber "grundsätzlich sinnvoll", unterstreicht der Grüne, "da unstrittig ist, dass Frankfurt weitere Gewerbeflächen braucht".

Froh damit, dass Nieder-Eschbach als Option erhalten bleibt, ist man im städtischen Planungsdezernat. "Es ist richtig, zunächst bestehende Gewerbegebiete besser auszunutzen", sagt Mark Gellert, der Sprecher von Dezernent Mike Josef (SPD). Das habe ein Potenzial von rund 80 Hektar und schon länger Priorität. Allerdings passe nicht jede Fläche zu jeder gewünschten Nutzung, so dass auch die Option auf größere, zusammenhängende Flächen wichtig sei.

Der Standort Nieder-Eschbach eigne sich vor allem, weil mit der bisher nur einseitig bebauten Züricher Straße bereits Infrastruktur vorhanden sei. Auch sei die verkehrliche Lage direkt am Bad Homburger Kreuz hervorragend, erinnert Gellert. "Der präzisierte Prüfauftrag ist wichtig", sagt Ulrich Caspar, Präsident der Industrie- und Handelskammer. Nun solle mit den Grundlagenarbeiten begonnen werden, "um schnell Klarheit für den Standort zu bringen". Caspar betont, es gebe "dringenden Bedarf" für neue Gewerbeflächen.

Der Kompromiss ermögliche diese, sagt Christiane Loizides, wirtschaftspolitische Sprecherin der Römerfraktion der CDU. "Jetzt können dringend benötigte Flächen für Industrie und Gewerbe gesichert werden, um Frankfurt als dynamischen Wirtschaftsstandort zu erhalten und zu stärken." Rund 60 Hektar für Firmen seien seit 2015 verloren gegangen, weil Gewerbe- in Wohngebiete umgewandelt wurden. "Den Trend müssen wir dringend umkehren", sagt Loizides. Denn die Stadt sehe einen Bedarf von bis zu 140 Hektar neuer Betriebsflächen bis 2030.

Beschließen sollten die Stadtverordneten das im vorigen Herbst vorgelegte Programm nicht mehr im Januar, sondern erst Ende Februar, kündigt Uli Baier an. Dann könnten sich die Ortsbeiräte noch damit befassen.

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