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"Entsetzt, versteinert, stumm": Angst nach dem Mord an Tristan

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Die kleineren Kinder halten nach Unterrichtsende selbstgebastelte Osternester aus roter Pappe mit grünem Moos und bunten Schokoladeneiern in den Händen. Doch trotz des Ferienbeginns in Hessen am Freitag kommt an dieser Schule in Frankfurt-Unterliederbach keine rechte Freude auf - weder unter den Schülern noch unter den vielen wartenden Müttern. In diesem Stadtteil wohnte der 13jährige Tristan Brübach, der tags zuvor Opfer eines Gewaltverbrechens geworden war. "Als unsere Lehrerin uns hiervon erzählte, haben einige von uns geweint", sagt Tristans frühere Schulkameradin Rabia Dönmez bedrueckt. Dabei ist Trauer keineswegs das einzige Gefühl, das in Unterliederbach und in Sindlingen, wo Tristan zuletzt eine Ganztagsschule besuchte, den Tag bestimmt: Angst geht um. "Es passiert so viel", stöhnt eine junge Mutter. Sie will jedenfalls vorläufig ihre Kinder täglich zur Schule bringen und mittags auch wieder abholen. Als sie selbst noch ein kleines Mädchen gewesen sei, habe man kaum Angst haben müssen, aber heutzutage sei der Alltag viel zu sehr von Gewalt bestimmt.

Von Sabine Meuter

Die kleineren Kinder halten nach Unterrichtsende selbstgebastelte Osternester aus roter Pappe mit grünem Moos und bunten Schokoladeneiern in den Händen. Doch trotz des Ferienbeginns in Hessen am Freitag kommt an dieser Schule in Frankfurt-Unterliederbach keine rechte Freude auf - weder unter den Schülern noch unter den vielen wartenden Müttern. In diesem Stadtteil wohnte der 13jährige Tristan Brübach, der tags zuvor Opfer eines Gewaltverbrechens geworden war. "Als unsere Lehrerin uns hiervon erzählte, haben einige von uns geweint", sagt Tristans frühere Schulkameradin Rabia Dönmez bedrueckt. Dabei ist Trauer keineswegs das einzige Gefühl, das in Unterliederbach und in Sindlingen, wo Tristan zuletzt eine Ganztagsschule besuchte, den Tag bestimmt: Angst geht um. "Es passiert so viel", stöhnt eine junge Mutter. Sie will jedenfalls vorläufig ihre Kinder täglich zur Schule bringen und mittags auch wieder abholen. Als sie selbst noch ein kleines Mädchen gewesen sei, habe man kaum Angst haben müssen, aber heutzutage sei der Alltag viel zu sehr von Gewalt bestimmt.

"Der Täter gehört lebenslänglich eingelocht", wettert eine andere Frau mit Tränen in den Augen. Die 57jährige Margarete Hannen zeigt sich schockiert, "dass so etwas jetzt auch im Raum Frankfurt passiert". "Sogar als Junge muss ich jetzt wohl kuenftig ein bisschen vorsichtiger sein", meint Zelmir Mandalic (12). "Entsetzt, versteinert, stumm" - so beschreibt Frauke Schneider, Leiterin der von Tristan in Sindlingen besuchten Gesamtschule, die Stimmung unter den Kindern, nachdem sie ueber das Verbrechen unterrichtet worden waren. Laut Obduktionsbericht wurde dem Jungen die Kehle durchgeschnitten, darüber hinaus wies der Halsbereich die Einwirkung von massiven Schlägen oder Tritten auf. Die Schulleiterin, die Tristan Kunstunterricht erteilte, bezeichnet den 13jährigen, an dessen Leiche auch zahlreiche Stich-und Schnittwunden festgestellt wurden, als "unauffällig und äusserst beliebt". Dem Vater, dessen Frau vor drei Jahren verstarb, wünscht sie "viel Kraft", und auch an ihre Schüler denkt sie: "Mögen die Ferien ihnen helfen, das ganze Geschehen zu verarbeiten."

Tristan Brübach wurde nach Zeugenaussagen am Donnerstag gegen 14.00 Uhr im Bereich des Bahnhofs Frankfurt-Höchst zum letzten Mal gesehen, als er aus einem vom Stadtteil Sindlingen kommenden Linienbus ausstieg. Dort war der 13jährige bis 13.40 Uhr in der Schule gewesen. Nach Polizeiangaben hatte er sich für den Nachmittagsunterricht entschuldigt, weil er zum Arzt gehen wollte. Ob er dafür einen Termin gehabt habe, werde noch überprüft. Nach Angaben der Schulleiterin war der Junge nie in irgendeiner Weise auffällig geworden. Er lebte er allein bei seinem Vater, da seine Mutter vor drei Jahren gestorben war. Tristan Brübach (13) war ein unauffälliges Kind.

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