Im hohen Bogen fliegt auch dieser Stuhl auf den Sperrmüllhaufen in der Bernadottestraße. Direkt dahinter liegt ein Spielplatz.
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Im hohen Bogen fliegt auch dieser Stuhl auf den Sperrmüllhaufen in der Bernadottestraße. Direkt dahinter liegt ein Spielplatz.

Vor allem Sperrmüll

„Das ist eine Riesensauerei“: Immer mehr Müll in Frankfurt – Gibt es bald Müll-Detektive?

  • VonBrigitte Degelmann
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Das Entsorgungs- und Service Unternehmen in Frankfurt (FES) kommt mit dem Wegräumen von Müll in Frankfurt nicht hinterher. Jetzt überlegt der Entsorger, Müll-Detektive einzuschalten, um Müllsünder zu ertappen.

Frankfurt – Es ist ein leidiges Thema: die Müllberge, die sich an vielen Stellen in Frankfurt türmen, oft tage- oder gar wochenlang. Auch im Bezirk des Ortsbeirats 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt). Entsprechend viele Fragen und Klagen prasselten auf FES-Sprecher Michael Werner ein, der am Donnerstagabend an der Sitzung des Gremiums teilnahm.

Vor allem Sperrmüll sei "ein Riesenthema", sagte Werner, gerade in Corona-Zeiten: "Das Hauptproblem sind die wilden Ablagerungen." Etwa am Gerhart-Hauptmann-Ring. Manche vereinbarten zwar mit der FES eine Abholzeit, deponierten ihre alten Stühle, Kommoden, Matratzen und ähnliches aber schon Tage zuvor an der Straße, obwohl das erst am Vorabend erlaubt sei. Andere wiederum kümmerten sich überhaupt nicht um einen Termin.

Müll in Frankfurt: "Das Hauptproblem sind die wilden Ablagerungen."

Das Problem: Steht erst einmal Sperrmüll da, dann verlockt das andere dazu, ausrangierte Gegenstände dort abzustellen. Und zwar auch sogenannte Störstoffe wie Autoreifen, Farben, Lacke, Kartons und Altkleider. Die darf das Sperrmüllfahrzeug allerdings nicht mitnehmen. Stattdessen, erklärte der FES-Sprecher, werde die Mobile Schnellreinigung alarmiert. Bis die jedoch auftaucht, hat sich meist schon weiterer Sperrmüll hinzugesellt. "Das ist ein Katz-und-Maus-Spiel", seufzte Michael Werner. "Wir haben zwischen 80 und 100 Stellen in der Stadt, wo das ein immer wiederkehrendes Problem ist."

Zwar kurvt montags, mittwochs und freitags ein FES-Fahrzeug durchs gesamte Stadtgebiet, um die wilden Ablagerungen zu beseitigen. Doch das reicht längst nicht aus. So schlimm ist die Situation inzwischen, dass die FES überlegt, eine Detektei einzuschalten, um Müllsünder zu ertappen und anzuzeigen. Ein Plan, der bei einigen Ortsbeiräten auf Skepsis stieß. Mit solchen erzieherischen Maßnahmen komme man da wohl nicht weiter, meinten Yvonne Gondolf (Grüne) und Joachim Rotberg (CDU). Gondolf schlug stattdessen vor, problematische Ecken wie am Gerhart-Hauptmann-Ring gründlich zu reinigen und dabei auch den Unrat aus den Büschen zu beseitigen. Ihre Hoffnung: Je sauberer es ist, desto größer die Scheu, dort wieder Müll hinzustellen. So eine "konzertierte Aktion" könne man durchaus probieren, stimmte Werner zu und versprach, ein Team von Clean-FFM zu schicken.

Müll in Frankfurt: FES hat ohne Erfolg um mehr Abfalleimer in mehreren Straßen gebeten

Probleme bei der Siedlungsabfuhr wurden ebenfalls vorgebracht. Oft sei das FES-Fahrzeug schon voll, wenn es zu der Stichstraße im Gerhart-Hauptmann-Ring komme, in der sie wohne, kritisierte eine Frau. Die Folge: "Manchmal liegt der Müll vier Wochen." Sie begrüßte die mögliche Einschaltung einer Detektei ebenso wie eine Anwohnerin aus dem Hammarskjöldring, die neben einem Sperrmüllplatz wohnt. Zwar sei das Areal nur für die Hausbewohner gedacht, letztlich entledigten sich dort aber auch etliche andere ihres Unrats. Zwar habe sie einige Abfallsünder bereits angezeigt. "Aber der Müll bleibt trotzdem liegen", ärgerte sich die Anwohnerin. "Kein Verursacher wird dazu aufgefordert, den Platz wieder sauberzumachen."

Kritik kam auch von Stephanie Mohr-Hauke (SPD). Vor einiger Zeit habe sie die FES um zusätzliche Abfalleimer in mehreren Straßen gebeten, etwa an der Sandelmühle, in der Dillenburger Straße und in der Heddernheimer Landstraße - ohne Erfolg. Er werde der Sache nachgehen, sagte der FES-Sprecher. Eberhard Stelter (FDP) monierte die Zustände an den Postverteilungskästen an der Heddernheimer Landstraße: "Da liegen Prospektmengen ohne Ende, das ist eine Riesensauerei." Auch dort werde man saubermachen, sicherte Werner zu. (Brigitte Degelmann)

Auch auf der Zeil in Frankfurt türmen sich laut FES Unmengen an Müll. Es müssen bereits Sonderschichten gefahren werden, um die Situation zumindest halbwegs in den Griff zu bekommen.

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