Wolf-Dieter Tigges ist der Projektleiter des S 6-Ausbaus. Und kennt jedes Detail der Planung.
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Wolf-Dieter Tigges ist der Projektleiter des S 6-Ausbaus. Und kennt jedes Detail der Planung.

Arbeiten im Frankfurter Osten

Er hat den S 6-Ausbau voll im Griff

  • vonFriedrich Reinhardt
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Bahnsteigüberführung erhält Treppenanlage mit Schienen für Fahrräder und drei Aufzüge.

Ende des Jahres wird der Bahnübergang an der Berkersheimer Bahnstraße für immer geschlossen. Der viergleisige S 6-Ausbau droht Harheim und Berkersheim wie eine Mauer zu trennen. Wie Berkersheimer dann noch ins Niddatal kommen und Harheimer durch Berkersheim in die Stadt, darüber sprach unser Redakteur Friedrich Reinhardt mit dem Bauleiter des S 6-Ausbaus.

Herr Tigges, Sie sind seit Oktober Bauleiter für den S 6-Ausbau in Frankfurt. Ist das Projekt komplizierter als Sie vorher dachten?

Gegenüber Stuttgart 21 ist das hier ein Miniprojekt.

Was war Ihre Aufgabe bei Stuttgart 21?

Ich war da Leiter der Logistik.

Was ist die größte Herausforderung beim S 6-Ausbau?

Das Bauen unter laufendem Rad ist eine der schwierigsten Aufgaben. Das Zeitmanagement für alle Gewerke in den Sperrpausen zwischen 22.30 Uhr und 5 Uhr morgens ist die größte Herausforderung. Wenn da ein Gerät nicht funktioniert, obwohl es fünf Mal überprüft wurde, fehlt dieser Tag. Fehltage sind eingerechnet, aber zwei Mal darf das nicht passieren.

Welche Auswirkung hat die Corona-Pandemie auf den Bauablauf?

Wir haben 50 Prozent aller Mitarbeiter im Home-Office, von den ausführenden Mitarbeitern sind alle draußen und wenn uns das Virus erwischt, dann kann eine zweite Gruppe einspringen. Als Ende Oktober 2020 Deutschland die Grenzen geschlossen hatte, brauchten ausländische Mitarbeiter entsprechende Einreisepapiere. Das hat aber ohne große Schwierigkeiten funktioniert.

Der Bahnübergang an der Bahnstraße wird Ende des Jahres für immer geschlossen. Warum kann er nicht erhalten werden?

Eine viergleisige Überquerung für Fernbahn und S-Bahn ist nicht zulässig. Der Bahnübergang wäre wegen der hohen Taktfrequenz auch mehr geschlossen als offen.

Ab Ende des Jahres sollen Reiter, Radfahrer und Fußgänger durch die schmale Öffnung geleitet werden, die im Wiesengarten geblieben ist. Funktioniert das?

Der Durchgang ist gar nicht so klein. Das sind drei Meter mal zwei Meter, das ist ausreichend für Fußgänger und Radfahrer. Für Reiter haben wir eine andere Lösung. Die Landwirte müssen über die Brücke am Frankfurter Berg fahren. Sie brauchen aber nicht über Bonames und Harheim fahren, sondern können unsere Baustraße nutzen. Nur für die Lastenräder habe ich keine Lösung gefunden.

Aber kommen in dem schmalen Gang zwei Radfahrer denn gut aneinander vorbei?

Die kommen aneinander vorbei, na klar. Aber am besten werden die Fahrräder dabei geschoben - wie bei einem Fußgängerüberweg auch: Dort wird auch nicht gefahren, sondern geschoben.

Warum musste die Unterführung Im Wiesengarten so verengt werden?

Die Standsicherheit der Unterführung konnte nicht nachgewiesen werden. Darum mussten die Beiwände eingebaut werden.

Sie sagten, das Problem der Reiter wurde anders gelöst. Wie sieht die Lösung aus?

Mit dem Reitverein werden wir ein provisorisches Reitzelt aufbauen, so lange beide Bahnübergänge geschlossen sind. Wir gehen davon aus, dass das Zelt bis Ende des Jahres steht. Bis Ende 2022 kann dann dort der Reitbetrieb stattfinden. Das Zelt ist in etwa so groß wie die Reithalle.

Ab Sommer 2022 sind beide Querungen geschlossen. Der Fußgängersteg am Bahnsteig muss nicht nur die Bahnfahrer abwickeln, auch die Spaziergänger, die Freizeitradler, die Rad-Pendler.

Das wurde berücksichtigt. Die Bahnsteigüberführung wird eine Treppenanlage mit Schienen für Fahrräder haben und drei Aufzügen: Einen Aufzug diesseits der Gleise, jenseits und auf dem Bahnsteig. Auch mit einem normalen Fahrrad kann man den Aufzug nehmen. Eigentlich sind sie aber für geh- und sehbehinderte Menschen gedacht.

Wie groß sind denn diese Aufzüge?

Wir haben die Angebote hier liegen, meistens sind sie zwei mal zwei Meter.

Ist ein Aufzug auf jeder Seite genug, wenn bei schönem Wetter Familien mit Kinderwagen zur S-Bahn und Radler die Gleise queren?

Mehr gibt es nicht. Wir bieten damit eine alternative Querungsmöglichkeit, da das eigentliche Ersatzbauwerk der Stadt Frankfurt noch nicht fertiggestellt sein wird. Aber die Fußläufigkeit zu jeder Minute ist jetzt schon nicht gegeben. Wenn der Bahnübergang geschlossen ist, muss man ja auch heute schon mal warten.

Rechnen Sie damit, dass an den Aufzügen ebenso ein Stau entsteht wie an den Bahnschranken?

Nein. Das wird nur immer so dargestellt. Die Bürger werden wissen, dass es da eine Baustelle gibt. Aber ja, die ersten Wochen könnte es da zu Aufläufen kommen, andererseits ist dann Januar, da werden kaum Freizeitradler unterwegs sein.

Es gab den Vorschlag einer Treppe mit einer Rampe, die sich wie eine Serpentine nach oben schlängelt.

So eine Rampe darf maximal eine Steigung von sechs Prozent haben. Und ohne das, was sie Serpentine nennen, wäre die Rampe länger als der ganze Bahnsteig. Diese versetzten Rampen sind bei Behelfsbahnsteigen nicht möglich. Mit einem Lastenfahrrad wäre man da auch gar nicht um die Kurven gekommen.

Die Bushaltestelle der Buslinie 25 ist neben der S-Bahn-Station. Kann sie dort während der gesamten Bauzeit bleiben ?

Ja, die Bushaltestelle kann dort bleiben.

Sind Sie optimistisch, bis Ende 2023 mit den Bauarbeiten fertig zu werden?

Ich bin sogar sehr optimistisch. Aber ob wir November 2023 oder Dezember 2023 fertig werden, das kann ich noch nicht sagen.

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