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Er schlägt die Brücke zum Barock

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Von: Alexandra Flieth

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Benedikt Seemann blickt für das Historische Museum hinter die Fassade des Bolongaropalastes: Ihn interessieren die Menschen des Barock und die Verbindung zur Moderne. FOTO: maik reuss
Benedikt Seemann blickt für das Historische Museum hinter die Fassade des Bolongaropalastes: Ihn interessieren die Menschen des Barock und die Verbindung zur Moderne. © Maik Reuß

Stadtlaborant forscht für das neue Bürgermuseum

Noch ist der Bolongaropalast von Baugerüsten verdeckt und die Sanierung der im Spätbarock erbauten Architektur in vollem Gange. Künftig soll das Gebäude für die Bürger offen sein, ein Ort, mit dem sie sich identifizieren können. Voraussichtlich 2024 sollen die Türen des herrschaftlichen Gebäudes wieder offen stehen - auch künstlerische Perspektiven werden dann Einzug halten.

Analaoge Fotoserie

An solchen arbeitet derzeit auch Benedikt Seemann, der als Stadtlaborant im Projekt Stadtlabor des Historischen Museums Frankfurt (HMF) Konzepte für die Umsetzung einer Installation und einer analogen Fotoserie entwickelt, mit denen er den Ort, aber auch die Zeit, in der dieser erbaut wurde, reflektiert und Bezüge zur Gegenwart herstellen möchte. Denn die Vergangenheit - die Bauzeit fällt in die frühen 70er Jahre des 18. Jahrhunderts - und die Gegenwart haben viel gemein - trotz der gut 250 Jahre, die dazwischen liegen.

Im Mittelpunkt seiner bisherigen Ideen stehen soziokulturelle und -ökonomische Merkmale des Barock. Das zog sich über mehr als eineinhalb Jahrhunderte, beginnend mit dem 16. Jahrhundert. "Viele Entwicklungen in dieser Epoche sind vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges entstanden", sagt Seemann. "Insbesondere auch das Bewusstsein darüber, das alles vergänglich ist."

In seiner Foto-Serie möchte Seemann das Prinzip der Vanitas-Stillleben von einst aufgreifen, jedoch modern interpretiert mit Symbolik und Zeitgeist der Gegenwart, beschreibt er die Idee. Eine Parallele zu heute sieht er dabei besonders in der "Auflösung einer Zentralperspektive", wie er es nennt. Gemeint sei damit, dass Dinge, auf die sich eine Gesellschaft verlassen konnte, ins Wanken geraten. In der Gegenwart sieht er eine solche Entwicklung beginnend mit der Weltfinanzkrise von 2008 und ganz aktuell dem Ukraine-Krieg.

Die geplante Objektinstallation, die dem Bolongaropalast auch als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt werden soll, greift zudem die vielfältige Symbolik des Spiegels auf - ein prägendes Stilelement des Barock, das nicht nur den einst von der gehobenen Klasse zur Schau gestellten Prunk thematisiert. Spiegel ließen ihn noch viel größer wirken. Daneben ist der Spiegel Projektionsfläche des eigenen Ichs, das heute etwa Ausdruck findet in Selfies und in den Sozialen Medien. Seemann ist daher noch auf der Suche nach ausrangierten Smartphones, die er für seine geplante Objektinstallation verarbeiten möchte.

Der Stadtlaborant hat seinen Arbeitsplatz nur unweit des Bolongaropalastes in der Kranengasse 2, an einem Ort, an dem noch weitere Kreative tätig sind. Seit 2016 lebt er mit seiner Familie in Höchst. Er stammt aus Marburg, wo er Malerei, Grafik und Kunstgeschichte studierte. In Höchst, erzählt er, fühle er sich sehr wohl. "Hier gibt es viel Spielraum für Entwicklung und eine unglaublich spannende historische Architektur", und fügt hinzu: "Ich kann mich kaum satt sehen und entdecke immer wieder Neues." Über das Projekt hinaus möchte er im Stadtteil gerne für Kreative Austausch ermöglichen über verschiedene Fragen. Zum Beispiel, wo Entwicklung herkommt und in welchem Erbe wir uns bewegen wollen. Die Idee sei, Impulse zu liefern, um ein neues Bewusstsein für sein Umfeld zu schaffen. Alexandra Flieth

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