Brix Schaumburg in der Abendmahl-Szene vor dem Fischerboot. Das Stück wird bis Ende des Jahres noch sieben Mal per Kamera aus dem Bibelhaus Erlebnismuseum in der Metzlerstraße live übertragen. FOTO: museum
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Brix Schaumburg in der Abendmahl-Szene vor dem Fischerboot. Das Stück wird bis Ende des Jahres noch sieben Mal per Kamera aus dem Bibelhaus Erlebnismuseum in der Metzlerstraße live übertragen.

Frankfurt divers

Er, sie, es nahm das Brot, sagte Dank...

  • VonGernot Gottwals
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Jesus, Queen of Heaven - Bibelhaus in Sachsenhausen zeigt queeres Online-Theaterstück

Wer das Bibelhaus Erlebnismuseum besucht, kommt am Fischerboot nicht vorbei. Dort suchte Jesus nach Menschen, die ihm auch in stürmischen Zeiten folgten. Doch waren die nun männlich und/oder weiblich und hat Jesus und somit auch Gott eine weibliche und eine männliche Natur? "Bitte stellt euch nicht zwölf weiße Heteromänner mit Bärten vor!", sagt der Schauspieler Brix Schaumburg und meint die Apostel. Er ist Deutschlands erster transgender Mime und Sänger, der sich offiziell geoutet hat. Am Donnerstag war er im Bibelhaus in der Premiere des Theaterstücks "Jesus, Queen of Heaven" zu erleben. Sieben weitere Online-Vorstellungen werden folgen.

Im Keller geht es los

Auf Anregung von Museumsdirektor Veit Dinkelaker hat Schaumburg das Stück von Jo Clifford "The Gospel According Jesus, Queen of Heaven" übersetzt und für die aktuelle Ausstellung "G*tt m/w/d - Geschlechtervielfalt seit biblischen Zeiten" adaptiert.

Wählte Clifford eine Kirche als Bühne, so empfängt Schaumburg die Zuschauer mit einem Krug auf dem Kopf im Keller des Erlebnismuseums: Und zwar an einem Brunnen, dort, wo alles begann. Doch das Schöpfen von Wasser ist in biblischen Zeiten eine typische Aufgabe für Frauen, wie Schaumburg feststellt. "Und wer spricht von zwölf Jüngern? Wir waren meist mehr und natürlich waren Frauen dabei wie Maria und Martha oder Salome", stellt er fest.

Doch dann wird es dunkel im Keller: Schaumburg spannt den Bogen zurück bis zur Schöpfung. Er entzündet kurz eine Kerze, um sie danach gleich wieder zu löschen. Denn er selbst bringt als Tochter eines weiblichen Gottes das Licht. Das passt zur Ausstellung: Dort sind Exponate der in Juda und Samaria vertretenen Göttin Aschkara zu sehen und Darstellungen Adams, der als Ebenbild Gottes im Ursprung männlich und weiblich ist.

Die Idee, das Stück für die Ausstellung erstmals in deutscher Sprache zu zeigen, hatte Dinkelaker. Den Kontakt zu Schaumburg vermittelte Petra Weitzel von der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität. Der wiederum erhielt von Clifford persönlich die Erlaubnis, das Stück ins Deutsche übersetzen zu dürfen. "Da ich auch englischer Muttersprachler bin, konnte ich mich gut in die Originalversion einfinden und sie ins Deutsche übertragen", sagt Brix Schaumburg.

Hass statt Nächstenliebe

Seinen Auftritt gestaltet der Schauspieler als eine Predigt und Rundgang durch die Ausstellung. Er warnt die Menschen jedoch nicht vor den Homosexuellen, Transmenschen und Prostituierten, sondern vor jenen Rechthabern, die vor lauter Selbstgerechtigkeit nur Hass statt Nächstenliebe im Herzen tragen. "Denn ich, Jesus von Nazareth, war queer, bin queer und werde queer sein", betont er. Will heißen: Eine eindeutige Zuordnung nach der heterosexuellen Geschlechternorm ist nicht möglich.

Schaumburg erzählt das Gleichnis vom verlorenen Sohn, der nach seiner Transition zur Tochter das Geld für teure Kleidung verschwendet, auf der Straße landet - und doch vom Vater geliebt und mit einem Freudenfest empfangen wird. Er lädt ein ins Himmelreich, das Abendmahl biete einen Vorgeschmack.

"Die Hauptfigur kommt als eine Art queerer Jesus des 21. Jahrhunderts auf die Bühne zurück", charakterisiert Dinkelaker das Stück. Auch der biblische Jesus habe weibliche Züge gezeigt, sich den Frauen zugewandt und sie versorgt. Am Ende steht die Hauptfigur im Fischerboot. Ihre Aussage ist klar: "Wir sitzen alle im gleichen Boot." Und in der neuen Schöpfung Gottes gibt es nicht mehr männlich oder weiblich, sondern wir sind alle eins.

Weitere virtuelle Aufführungstermine: 22. September, der 6. und 26. Oktober, der 10. und 24. November, 8. und 15. Dezember, 19.30 Uhr. Teilnahme 5 Euro. got

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