ffs_direx_221020
+
Thomas Meckel (39) ist zum neuen Direktor von Sankt Georgen gewählt worden. Die reguläre Amtszeit des Theologen beträgt zwei Jahre. Meckel wurde in Rüdesheim geboren, ist verheiratet und hat eine Tochter. foto: sauda

Er will Sankt Georgen dem Stadtteil öffnen

  • vonGernot Gottwals
    schließen

SACHSENHAUSEN Neuer Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule hat große Pläne

Ursprünglich wollte er katholischer Religionslehrer werden. Doch mit der Zeit wurde Thomas Meckel (39) klar, dass er gerne im Dienste des Glaubens forschen und lehren will, so wie es der Leitsatz "pietati et scientiae" (für Religion und Wissenschaft) der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen vorsieht. Im April 2015 kam der Hochschullehrer dorthin, zum diesjährigen Wintersemester hat der bisherige Prorektor als Rektor die Leitung in der Nachfolge von Ansgar Wucherpfennig übernommen. Der hatte nach drei zweijährigen Amtszeiten nicht mehr kandidiert und will sich nun wieder verstärkt Lehre und Wissenschaft zuwenden.

Den Dialog mit dem Islam fördern

"Ich möchte gerne neue Studiengänge und Kooperationen in der Wirtschaftsethik und dem Dialog der katholischen Theologie mit dem Islam fördern und etablieren", erklärt Meckel. Gestärkt werden soll hierdurch das Profil der Hochschule als katholische Bildungseinrichtung in einer weltoffenen säkularen und multikulturellen Stadt, wie sie im Video "Studieren wie Gott in Frankfurt" beworben wird.

Gleichzeitig soll die Übersichtlichkeit und Studierbarkeit gewährleistet bleiben, die etwa für den Magister in Theologie eine Regelzeit von zehn Semestern und dann bei Bedarf eine Promotion von drei Jahren vorsieht.

Doch zunächst steht das noch junge laufende Semester mit immerhin rund 40 Neueinschreibungen an, das mit Rücksicht auf die Corona-Pandemie als sogenanntes Hybridsemester geplant ist: Je ein Drittel der Lehrveranstaltungen soll online, mit Präsenz oder als eine Mischung aus beiden Formen stattfinden. "Wir müssen natürlich flexibel bleiben und die geforderten Prüfungen in der Form so anpassen, dass es im Fall von weiteren Restriktionen durch Corona keine Nachteile gibt", betont Meckel.

Doch die bisherige Stimmung im Alltag auf dem Campus macht ihm Mut: "Wir haben insgesamt 320 Studierende, das ist durchaus ein starkes Semester", räumt Meckel ein. Zu den jeweils 130 Magisterstudenten kommen rund 20 Priesteramtskandidaten aus neun Bistümern und junge Leute hinzu, die in der Zukunftswerkstatt ihre Perspektiven ausloten. "Insgesamt gibt es bei uns viel Verständnis und die nötige Sensibilität für die Schutzmaßnahmen gegen Corona", lobt Meckel.

Er selbst freut sich auf seine Vorlesungen zu den Themen Sakramenten- und Eheprozessrecht, denn er ist Inhaber des Lehrstuhls für Kirchen- und Religionsrecht und für kirchliche Rechtsgeschichte.

Vorliebe für die Juristerei

"Ich stamme aus Rüdesheim, wurde katholisch sozialisiert und entdeckte schon früh meine besondere Vorliebe für die Juristerei", sagt Meckel. Dem Studium der katholischen Theologie und Religionslehre sowie der Germanistik an den Universitäten in Mainz, Würzburg und Rom folgte daher ein Lizenziat - also die Erlaubnis zu lehren - für Kirchenrecht an der katholischen Universität im belgischen Löwen.

Sein derzeitiges Standardwerk ist eine vierbändige Enzyklopädie, das "Lexikon für Kirchen- und Religionsrecht", das er zusammen mit 600 Autoren betreut. Seine Erkenntnis: Bei genauem Hinschauen haben Frauen und Laien in Gemeinden und leitenden Institutionen schon jetzt oft mehr Befugnisse und Spielräume als angenommen. "Denn hier sind Kooperationen wichtig und es ist völlig normal, dass ein Pfarrer zwar seine Großpfarrei leitet, sich jedoch für die administrativen Aufgaben einen Verwaltungsleiter zur Seite stellt."

Meckel ist ehrenamtlicher Richter am Kirchengericht des Bistums Limburg, dort vor allem für Eheverfahren zuständig. "Recht soll für Gerechtigkeit sorgen und Willkür verhindern", lautet seine Überzeugung, auch wenn es ums Aufarbeiten von Missbrauchsfällen geht. Er ist verheiratet, hat eine kleine Tochter.

Wichtig ist es für den neuen Rektor, dass die Hochschule in das Alltagsgeschehen der umgebenden Stadtteile Sachsenhausen und Niederrad eingebunden wird, ihre Räume für Veranstaltungen von Vereinen und politischen Gremien zur Verfügung stellt oder auch in neue Bauvorhaben in der Umgebung einbezogen wird. Und wenn er beim Blick aus dem Bürofenster statt Kirchtürmen die Doppeltürme der Europäischen Zentralbank sieht, wird ihm einmal mehr klar: Sankt Georgen liegt in der Nähe zur Finanzwelt und muss über die Wirtschaftsethik den Dialog zu ihr suchen. Gernot Gottwals

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare