Commerzbank

Erdogan-Affäre überschattet neuen TV-Spot – Institut will mehr Privatkunden gewinnen

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Die Commerzbank will ihr Wachstum im Privatkundengeschäft ausweiten. Doch der Start der neuen Werbekampagne mit dem DFB hätte besser ausfallen können.

Am Commerzbank-Namenszug vorbei marschieren Mesut Özil und seine Nationalmannschafts-Mitstreiter ins Fußballstadion, die Fans jubeln. Zwar träten die Stars sicherlich nicht für die 100 Euro Startguthaben an, die die Bank in dem TV-Werbespot seit dieser Woche Neukunden verspricht – doch dürfte das aktuell das geringste Problem für die Macher des Werbe-Videos sein. Denn über Özil und seinen Mannschaftskameraden Ilkay Gündogan entlädt sich ein Sturm der Entrüstung, seit die beiden Kicker sich in einem Londoner Hotel mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan getroffen und ihm Trikots ihrer jeweiligen Vereinsmannschaft überreicht hatten. Fotos davon wurden unter anderem von Erdogans Partei AKP in sozialen Netzwerken veröffentlicht. Fußball-Bundestrainer Joachim Löw kritisierte das Treffen – man habe beiden zu verstehen gegeben, dass dies „keine glückliche Aktion war“.

Umso unglücklicher für die Commerzbank. Es ist schon der sechste Spot seit 2008, den das Institut als „Premium-Partner“ gemeinsam mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) realisiert hat. Er läuft unter anderem vor der Tagesschau in der ARD und auf digitalen Werbeflächen in Bahnhöfen. Die Bank will in den Jahren 2016 bis 2020 zwei Millionen neue Privatkunden gewinnen, im ersten Quartal des laufenden Jahres kamen netto (also nach Abzug der Kündigungen) 73 000 neue Kunden in Deutschland hinzu. Das Wachstum summiert sich damit seit Oktober 2016 auf netto 712 000 Neukunden, der TV-Spot sollte frischen Schwung bringen. „Wir sind auf gutem Weg, das Ziel von einer Million Nettoneukunden bis Jahresende zu erreichen,“, sagt Finanzvorstand Stephan Engels. Zusätzlich gewann die Bank in den ersten drei Monaten 1000 Firmenkunden hinzu; das Wachstum seit Herbst 2016 beläuft sich auf insgesamt 6500 Firmenkunden, das Jahresendziel von 7000 Firmenkunden ist schon so gut wie erreicht.

Von mehr Kunden verspricht sich die Commerzbank auf lange Sicht höhere Gewinne. Jedoch kosten neue Kunden in der Regel zunächst einmal Geld. Daher sind bei den Einnahmen der Bank noch keine großen Sprünge zu erkennen: Im ersten Quartal sanken die Erträge leicht auf 2,3 Milliarden Euro. Immerhin hätten die zusätzlichen Einnahmen die Belastungen aus dem Negativzins-Umfeld kompensiert, sagte Engels. Und: „Wir bringen uns in eine gute Position für die Zeit nach einer möglichen Zinswende.

Tempo machen will die Commerzbank zudem beim Thema Digitalisierung: „Wir werden den agilen Ansatz ausweiten“, sagte Engels. Das ist nach den Worten des Finanzvorstands auch Voraussetzung dafür, den Stellenabbau wie geplant umsetzen zu können. Bis 2020 soll die Zahl der Vollzeitstellen um netto 7300 auf 36 000 schrumpfen – im ersten Quartal sank sie um 400 auf noch 41 400.

Mit 250 Millionen Euro fiel der Gewinn im ersten Quartal um gut neun Prozent höher aus als ein Jahr zuvor. Zwar verdiente die Privatkundensparte mehr, doch im Segment Firmenkunden brach das operative Ergebnis um 46 Prozent ein. Engels begründete das mit dem Zinsumfeld und dem harten Preiskampf. Er verteidigte die Entscheidung, die frühere Mittelstandsbank mit dem Investmentbanking zusammenlegen: Das regulatorische Umfeld für das Investmentbanking sei nicht einfacher geworden.

Im Gesamtjahr 2017 hatte die Commerzbank unterm Strich gerade einmal 156 Millionen Euro verdient. Bankchef Martin Zielke bekräftigte (wie schon bei der Hauptversammlung vor einer Woche) die Absicht, für das laufende Geschäftsjahr wieder eine Dividende auszuschütten. Fünf Cent je Aktie habe die Bank dafür im Quartal zurückgestellt. Das deutet auf eine geplante Zahlung von 20 Cent hin; zuletzt hatte der Dax-Konzern für 2015 eine Dividende von ebenfalls 20 Cent je Aktie gezahlt – das einzige Mal überhaupt seit Beginn der Finanzkrise 2007/2008, in der der Staat die Bank mit Milliardenhilfen vor dem Zusammenbruch bewahrt hatte. 20 Cent bedeuten eine Ausschüttung von insgesamt 250 Millionen Euro – zum Vergleich: Allein für Bankenabgaben (unter anderem an die EU) zahlte die Bank im ersten Quartal 244 Millionen.

Ein Krisenherd immerhin ist so gut wie abgearbeitet: Das Volumen an Schiffsfinanzierungen in der Bilanz schrumpfte binnen zwölf Monaten um zwei Drittel auf nur noch 1,8 Milliarden Euro, Verluste drohen nach Angaben der Bank nicht mehr. Die Eigenkapitalausstattung blieb mit einer harten Kernkapitalquote von 13,3 Prozent solide.

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