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Frankfurt: Ski-Fan erfand Masken-Clip für Helme – Idee dreist kopiert

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Von: Michelle Spillner

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Niklas Kuhnis hat Clips erfunden, mit denen man Mund-Nasen-Schutz-Masken bequem am Ski-Helm befestigen und so ein großes Gewurschtel mit dem Halstuch beenden kann.
Niklas Kuhnis hat Clips erfunden, mit denen man Mund-Nasen-Schutz-Masken bequem am Ski-Helm befestigen und so ein großes Gewurschtel mit dem Halstuch beenden kann. © Michelle Spillner

Ein Ski-Fan aus Frankfurt erifndet einen Halter-Clip für Masken an Helmen. Die Idee entwickelt sich zum Erfolg, doch dann wird das Produkt kopiert.

Frankfurt - Die Idee von Niklas Kuhnis ist etwa drei Zentimeter lang, entwickelte sich zu einem Erfolg, wurde zwischenzeitlich zu einer Art Geheimsache und dann zu einem absurden Fall von Wirtschaftskriminalität - bei der er der Geschädigte ist. Den 27-Jährigen nervte es, unter dem Ski-Helm den Mund-Nasen-Schutz tragen zu müssen. Immer wenn er die Maske abnehmen wollte, musste er erst den Helm absetzen. Er suchte nach einer Lösung. „Es war klar, dass so etwas wie Ersatzohren hermussten, die man am Helm befestigen kann“, hatte sich der 27-Jährige überlegt.

Niklas Kuhnis stand schon auf Skiern, als er gerade laufen konnte. Er ist ein pragmatischer Typ. Das liegt in der Familie. Als der Lieblings-Ski-Laden der Familie schloss, übernahm sein Vater einen Teil der Maschinen für die Aufbereitung von Skiern, um sich nicht im Skigebiet bei einem Laden in die lange Schlange stellen zu müssen. Da bearbeitete er die Familien-Skier einfach selbst - dann die der Freunde, der Freundesfreunde, und so entstand daraus neben der Schreinerei der Familie ein kleines Nebengeschäft, ein Ski-Service in Rödermark und in Frankfurt.

Frankfurt: Nach ein paar Stunden war die gesuchte Lösung geboren

Nachdem Niklas Kuhnis im Netz nichts finden konnte, das die Helm-Masken-Frage beantwortete, setzte er sich mit seinem Vater und dem Schreinermeister zusammen. Von vornherein sei klar gewesen, dass er nichts auf die Helme kleben wolle: „Das hält nicht unbedingt, und es hinterlässt Klebereste am Helm.“ Nach ein paar Stunden war die Lösung geboren: Ein kleiner Haken, den man am Gurt, dem Ohrpad des Helms, auf beiden Seiten einklinken kann, dazwischen lässt sich die Maske spannen. Kuhnis fertigte eine Zeichnung, ein Freund warf für ihn den 3D-Drucker an. Der erste Prototyp war ausgeworfen. Dann noch eine etwas gefälligere Form, eine kleine Abrundung, und der kleine schwarze Clip in S-Form war fertig, der an die Miniaturversion eines Türhakens erinnert.

Das klingt einfach. Die größere Herausforderung war die Wahl des Materials: Es musste ein Kunststoff sein, der stabil ist und der über eine gewisse Vorspannung verfügt, die er auch bei extremen Temperaturen beibehält.

Da lag sie nun, die kleine Erfindung, die Chance und Risiko zugleich war. 100.000 Stück produzieren lassen, oder nicht? „Im vergangenen Herbst war ja nicht klar, wie es weitergeht“, schildert Kuhnis. Wie lange würden Corona und Maskenpflicht - auch auf der Ski-Piste - noch anhalten. Inwieweit sei Skifahren möglich?

Mann aus Frankfurt berichtet von Helm-Erfindung: „Wir waren die Ersten auf dem Markt“

Als er sich entschied, in Serienproduktion zu gehen, durchlebte er eine Achterbahnfahrt: Erst war noch alles offen, dann kam der Lockdown in Österreich, dann die Nachricht, dass Skifahren doch wieder erlaubt ist - aber eben mit Maske. Für ihn perfekt, "auch wenn ich mir wie wohl alle Menschen wünsche, dass Corona bald vorbei ist. Aber ich habe aus der Not eine Tugend gemacht." Einen "ordentlichen fünfstelligen Betrag" hätte er in den Sand gesetzt, wenn die Clips keine Abnehmer gefunden hätten.

„Wir waren die Ersten, die diese Ideen hatten und auf den Markt gebracht haben“, sagt Kuhnis. Ihm sei klar gewesen, dass er schnell sein musste, um die Ski-Hochsaison Anfang Dezember mitnehmen zu können. Dass die Idee eine gute war, zeigte sich nach Weihnachten: Im Internet fanden sich Hunderte von Konkurrenzprodukten.

Kuhnis hatte geahnt, welches Potenzial in seinem „Helmy & Co.“ lag - wie er ihn inzwischen nannte. Deshalb beantragte er auch einen Gebrauchsmusterschutz und hütete er sich tunlichst, den Spritzgusstechnikern, die er für den Produktionsauftrag anfragte, zu sagen, worum es sich bei den kleinen schwarzen Dingern handelte. „Ich habe mich regional umgeschaut, und natürlich nicht in China, da wäre die Idee sofort geklaut worden“, erklärt er - eine Befürchtung, die sich bestätigen sollte.

Entwickler aus Frankfurt gibt nicht auf: Niklas Kuhnis hat noch weitere Ideen

Er fuhr durch Österreich, um für sein Produkt zu werben, das es in seinem Webshop gibt. Ein Handelspartner bot die Clips über Amazon an, prompt boomte der Verkauf. Keine drei Tage später aber stellte er fest, dass ein chinesischer Anbieter original seinen Clip mit seinem Text und sogar unter Verwendung seiner Fotografien anbot - allerdings ein paar Cent billiger als der Preis von 7,99 Euro des Originals: „Das darf doch nicht wahr sein, dass sich jemand erdreistet, das eins zu eins zu kopieren.“ Dagegen etwas tun könne man leider kaum. „Das ist China, denen kommt man nicht bei“, erkannte er.

Dass es sich um ein saisonales Produkt handelt, dessen Attraktivität mit dem Verschwinden von Corona und Maskenpflicht sinke, sei ihm klar. Jetzt komme ja noch die Oster-Skisaison, und dann: Wer wisse, wie es nächsten Winter werde ... Und er habe schon drei neue Ideen. (Michelle Spillner)

Eine besonders beliebte Erfindung: Das Hawaii-Toast. Erfunden wurde der Snack allerdings nicht auf Hawaii, sondern von einem Mann, der nahe Limburg aufwuchs.

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