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26. März 1998: Polizisten und Spürhunde suchen den Tatort, den Liederbach-Tunnel am Bahnhof Höchst, ab.

20 Jahre danach

Erinnerung an Tristan Brübachs Schicksal

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Auch 20 Jahre nach dem fürchterlichen Verbrechen ist der Mord an Tristan Brübach unvergessen. Heute wird sein Grabstein auf dem Höchster Friedhof zum Gedenkstein umfunktioniert.

Das Grab auf dem Friedhof am Sossenheimer Weg ist nach zwei Jahrzehnten abgelaufen. Doch die Erinnerung an die grausame Tat, die sich am 26. März 1998 im Liederbach-Tunnel unter dem Gleisvorfeld des Höchster Bahnhofs ereignete, ist so lebendig, dass Menschen dagegen protestiert haben: Am Jahrestag des Verbrechens wird Tristans Grabstein zum Gedenkstein. Dafür wird er um etwa 80 Meter auf eine Freifläche versetzt, denn die letzte Ruhestätte, ein Erd-Reihengrab, wird geräumt. Der Stein kommt unter einen Baum. Privatleute hatten dafür Spenden gesammelt (wir berichteten).

Die Ermordung des Jungen, der heute 33 Jahre alt wäre, beschäftigt die Menschen – vielleicht auch deshalb, weil sein Mörder nie gefasst wurde. Die Trauer und Fassungslosigkeit ist noch immer groß: Vor dem steinernen Kruzifix am Höchster Schlossplatz steht seit wohl anderthalb Jahren ein gerahmtes Foto Tristans, vor das immer wieder Blumen gelegt werden.

Der in Frankfurt lebende Krimi-Autor Matthias Altenburg, der unter dem Pseudonym Jan Seghers seine Krimis um den Frankfurter Kommissar Jan Marthaler schreibt, hat den Fall Tristan in seinem jüngsten Werk aufgegriffen. In seinem Krimi „Menschenfischer“ reist Kommissar Marthaler nach Frankreich, wo ihn ein pensionierter und vom Leben gezeichneter Kollege auf eine neue Spur im „widerwärtigsten Verbrechen“ seiner Karriere bringen möchte. Tristan heißt im Buch Tobias, und der Krimi ist keine Nacherzählung des echten Kriminalfalls, sondern ein von ihm inspiriertes fiktives Werk.

Altenburgs Adaption ist eine Herangehensweise, die Empfindungen aufzuarbeiten. Viele Menschen beschäftigen sich noch heute mit dem Fall, recherchieren, schreiben an Büchern, glauben, der Polizei helfen zu müssen. Die hat allerdings bis heute keinen Täter dingfest machen können. Vor anderthalb Jahren war der als Serienmörder verdächtigte Manfred Seel aus Schwalbach mit der Ermordung Tristans in Verbindung gebracht worden, doch hat sich diese Spur nach neueren Angaben der Polizei nicht erhärtet: Die Prostituiertenmorde, die Seel zur Last gelegt werden, waren komplett geplant; die Tat im Liederbach-Tunnel war hingegen die spontane Tötung eines Zufallsopfers, mit großer Brutalität zelebriert: Unter anderem hat der Täter dem Jungen, den er zum Ausbluten ins Wasser gelegt hat, auch die Hoden und ein Stück Oberschenkel-Muskel herausgeschält.

Inzwischen geht die Polizei davon aus, dass Seel als Mörder ausgeschlossen werden kann. Und natürlich gibt es Stimmen, die in der von der Polizei selbst konstruierten Verbindung des Prostituiertenmörders zu Tristan einen Versuch sehen, ein möglichst großes Interesse zu generieren – um den Fall vielleicht doch noch zu lösen.

Dass der bestialische Mörder je gefasst wird, das glauben inzwischen die Wenigsten. Auch wenn immer wieder sogenannte „Cold Cases“ neu aufgerollt und mit Hilfe modernster Technik gelöst werden – „kalt“ ist der Fall nie geworden, der zu den spektakulärsten Morden der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte gehört. Seine Präsenz im Bewusstsein der Menschen resultiert auch aus dem bis heute nicht geklärten Geschehen, das sich anderthalb Jahre nach dem Verbrechen ereignete: Im Oktober 1999 schlich sich nachts eine unbekannte Person zum Grab des Jungen auf dem Höchster Friedhof und grub bis in eine Tiefe von 1,20 Metern nach dem Sarg, ohne ihn jedoch zu erreichen. Warum der Täter den Sarg nicht erreichte, ihn aus der Erde holte, was er damit wollte – die Polizei weiß keine Antwort. Sie geht davon aus, dass der Grabschänder bei seiner Arbeit gestört wurde. Noch immer ist auf Hinweise, die zur Ermittlung des Mörders von Tristan Brübach führen, eine Belohnung von 20 000 Euro ausgesetzt – auch noch 20 Jahre nach der Tat.

Das HR-Fernsehen widmet dem Fall heute um 18.20 Uhr einen „Maintower Kriminalreport“. In der 30-minütigen Sendung mit Robert Hübner kommt Kriminalhauptkommissar Uwe Fey zu Wort. Er berichtet über die langjährigen Ermittlungen: vom Fund der grausam verstümmelten Leiche, den rund 21 000 Hinweisen, die die „Soko Tristan“ abgearbeitet hat. Und über seinen Wunsch, den Fall noch vor seiner Pensionierung in drei Jahren aufzuklären.

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