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Schnelle Hilfe

So erkennen Sie, ob Ihr Hund einen Giftköder gefressen hat

  • Joy Gantevoort
    VonJoy Gantevoort
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Wieder wurden Giftköder im Frankfurter Stadtwald gefunden. Wir haben mit Tierärztin Kirsten Tönnies gesprochen, was zu tun ist, wenn ein Hund einen Köder gefressen hat.

Die Meldung, dass im Stadtwald wieder Giftköder gefunden wurden, schreckt viele Hundebesitzer auf. Und manch einer fragt sich, wie er überhaupt erkennen kann, ob sein Vierbeiner Gift gefressen hat und was genau im Notfall zu tun ist.

Die Hattersheimer Tierärztin Kirsten Tönnies verweist auf die Indizien für eine Giftaufnahme. Da ist die Futterverweigerung, das schmatzende Kauen mit und ohne Schaumbildung, Hecheln, schwankender Gang, Fiepen, Würgen, Jaulen, Krampfen sowie Erbrechen, Durchfall, Blutungen in der Haut, im Kot, Urin oder Erbrochenem.

Doch Vorsicht – Blutungen sind nicht zwingend ein Zeichen für Gift. Darauf weist die Veterinärin mit Nachdruck hin. Tönnies: „Die weitaus meisten Fälle von Blut im Kot oder Erbrochenen sind Begleiterscheinungen einer normalen Magen-Darminfektion.“ Geschätzt jeder fünfte Hund zeige bei wässrigem Durchfall Blut im Kot. Nur extrem selten sei es ein Zeichen für eine Vergiftung.

Zahnfleisch gibt Hinweis

Außerdem sollten besorgte Hundebesitzer im Zweifelsfall bei ihrem Tier die Farbe des Zahnfleisches kontrollieren. Je nach Anstrengung liegt sie im Normalfall zwischen blass-rosa bis pink. Bei Erkrankung ist es gräulich, gelblich oder bläulich. Wichtig bei Vergiftungsverdacht: „Auf Druck dürfen keine Blutpünktchen entstehen. Nach etwa 1 bis 2 Sekunden muss der blasse Druckfleck wieder rosa geworden sein.“

Sollten sich die Anhaltspunkte erhärten oder der Hund nachweislich einen Giftköder gefressen haben, ist einerseits Eile geboten. Andererseits sollte man nicht in Panik verfallen. Auch wenn man es sofort bemerkt.

So rät Tönnies dringend davon ab, den Tieren die Hand in den „Fang“ zu stecken, um sie zum Erbrechen zu bringen. „Stattdessen sollten Hundehalter – falls vorhanden – die noch vorhandenen Reste des Köders einsammeln, mitnehmen und schnellstmöglich in die nächste Tierklinik fahren. „Wenn Sie wissen, dass die nächste Tierarztpraxis geöffnet hat, fahren Sie dorthin“, rät die Veterinärin verbunden mit dem Hinweis, dass man am besten via Telefon das Kommen ankündigt.“

Futtergabe kann nutzen

Von Vorteil – aber nur nach Rücksprache mit der Praxis – kann es sein, dem Hund während der Fahrt so viel Futter zu geben wie irgend möglich. Der Grund: Mit der Futtergabe wird das Gift im Magen vermischt und bleibt länger dort, weil nur durch die Magenmotorik ausreichend durchgewalktes Futter weiter in den Darm geleitet wird.“ Durch das längere Verweilen im Magen wiederum gewinnt man Zeit, bis man beim Tierarzt Apomorphin spritzen lassen kann, das den Hund erbrechen lässt.

Wasser sollte der Hund, so Tönnies, im akuten Fall nicht bekommen. Erst bei begonnener Behandlung sollte dem Tier viel Wasser gegeben werden, um das Ausspülen des Giftes zu unterstützen. Die meisten Gifte werden über die Nieren ausgeschieden. Grundsätzlich rechne man mit einer bis zwei Stunden, die man zwischen der Aufnahme des Köders und dem Erbrechen habe. Tönnies: „Nur Tiere, die bei vollem Bewusstsein sind, dürfen erbrechen. Noch besser ist eine Magenspülung.“ Da Apomorphin sehr schlapp mache, sei eine Kreislauf unterstützende Infusion dringend zu empfehlen.

Letztlich müsse sich die Behandlung natürlich auch an der Art des Köders orientieren.

In den meisten Fällen sind Köder mit Rattengiften (Rodentizide) versetzt. „Ihnen allen ist zu eigen, dass das Säugetier keine Blutgerinnung mehr bilden kann. Die Tiere sterben qualvoll durch innere Blutungen“, erklärt Tönnies. Doch nicht immer werden Giftköder verwendet. Hundehasser schrecken in ihrer Perfidie oft vor nichts zurück, spicken nicht selten Fleischbällchen mit Rasierklingen oder Nägeln. Um diesen Tierquälern Einhalt zu gebieten und anderen Vierbeinern ein ähnlich trauriges Schicksal zu ersparen, sollten betroffene Halter – bei aller Sorge um den eigenen Hund – möglichst zeitnah die Polizei über den Fundort des Köders informieren.

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