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Steht unter Untreue-Verdacht: Der Ärztliche Direktor des Frankfurter Universitätsklinikums, Prof. Jürgen Graf.

Verdacht der Untreue

Ermittlungen gegen Uniklinik-Chef

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Der Ärztliche Direktor des Frankfurter Universitätsklinikums, Prof. Jürgen Graf, ist ins Visier der Stuttgarter Staatsanwaltschaft geraten. Es geht um den Verdacht der Untreue.

Gegen den Ärztlichen Direktor des Frankfurter Universitätsklinikums, Prof. Jürgen Graf (48), ermittelt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue. Graf soll in seiner Funktion als Direktor des Stuttgarter Klinikums in den Skandal um die Internationale Einheit des Krankenhauses verwickelt sein. Dieser macht seit 2016 bundesweit Schlagzeilen. Konkret geht es um dubiose Geschäfte mit internationalen Patienten, bei denen dem Klinikum laut Medienberichten Schaden in Millionenhöhe entstanden sein soll.

18 Beschuldigte stehen im Visier der Ermittler. Neun von ihnen sollen als Vermittler tätig gewesen sein, den Kontakt zwischen dem Klinikum und internationalen Patienten hergestellt und diese während ihres Aufenthaltes betreut haben. Dabei kassierten sie nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft für nicht erbrachte Leistungen Provisionen, mindestens ein ehemaliger Mitarbeiter des Klinikums Stuttgart soll im Gegenzug Geld und zinslose Darlehen erhalten haben.

Die neun weiteren Beschuldigten in dem Fall sollen die Rechnungen der Vermittler freigegeben haben, „ohne dass hierzu eine vertragliche Verpflichtung des Klinikums bestand oder nachprüfbare Leistungsnachweise der Rechnungssteller vorlagen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft. Zur Gruppe dieser Beschuldigten gehört nach Informationen dieser Zeitung auch Graf, der von 2014 bis Juni 2016 als Klinischer Direktor in Stuttgart tätig war.

Bei einer groß angelegten Durchsuchungsaktion sollen die Fahnder am 24. April auch das Gießener Wohnhaus des Uniklinik-Direktors durchsucht haben, wie die „Bild“-Zeitung schreibt, die gestern als erste über die Ermittlungen gegen Graf berichtet hatte. Tatsächlich haben die Ermittler auch ein Gebäude in Gießen durchsucht. Ob es sich dabei um das Wohnhaus der Familie Graf handelte, wollte Heiner Römhild, Sprecher der Stuttgarter Staatsanwaltschaft, gestern auf Anfrage nicht bestätigen.

Insgesamt durchsuchten Steuerfahnder und Polizisten 24 Wohnungen und Geschäftsräume in Hessen, Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und im Saarland.

Graf war für diese Zeitung gestern persönlich nicht zu sprechen. Über die Pressestelle des Klinikums ließ er jedoch mitteilen, dass er am „Aufbau der sogenannten International Unit“ nicht beteiligt gewesen sei. „Prof. Graf ist überzeugt, sich stets rechtlich ordnungsgemäß verhalten zu haben und hat deshalb ein großes eigenes Interesse an der vollständigen Aufklärung der Sachverhalte. Er wird die Ermittlungsbehörden uneingeschränkt unterstützen“, betont Klinikumssprecherin Theresa Seubold.

Vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst war zu einer möglichen Verstrickung Grafs in den Stuttgarter Fall keine Stellungnahme zu erhalten. „Wir äußern uns nicht zu laufenden Ermittlungen“, bleibt Ministeriumssprecher Christoph Schlein auf Anfrage zugeknöpft.

Für die Frankfurter Uniklinik kommen die Ermittlungen gegen ihren Ärztlichen Direktor zur Unzeit. Erst Ende vergangenen Jahres ist die Kaufmännische Direktorin des Klinikums ausgeschieden, bislang ist die Stelle nur kommissarisch besetzt.

Gleichzeitig laufen nach wie vor Ermittlungen gegen den Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Josef Pfeilschifter, die ehemalige Geschäftsführerin der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim, Ines Manegold, sowie gegen den Friedrichsheim-Aufsichtsratsvorsitzenden, Walter Arnold (wir berichteten). Dabei geht es um die Veruntreuung von Forschungsgeldern in Millionenhöhe für die Orthopädische Universitätsklinik Friedrichsheim, eine Tochtergesellschaft der Frankfurter Uniklinik.

Zwar sei die Auswertung der Unterlagen, die bei der Durchsuchung von Dienst- und Privaträumen der Beschuldigten sichergestellt wurden, „weitgehend abgeschlossen“, daraus hätten sich aber „Rückfragen an das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst angeschlossen“, berichtet auf Anfrage Nadja Niesen, Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Die Antwort stehe noch aus. „Danach wird zu entscheiden sein, ob weitere Ermittlungen notwendig sind“, erklärt Niesen. Auch hierzu war vom Ministerium keine Stellungnahme zu erhalten.

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