Das Kampagnen-Logo ist angelehnt an das von Hans Leistikow entworfene Stadtwappen, hier in Verbindung mit Schriftzug ?Neues Frankfurt?.
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Das Kampagnen-Logo ist angelehnt an das von Hans Leistikow entworfene Stadtwappen, hier in Verbindung mit Schriftzug ?Neues Frankfurt?.

Stadt der Moderne

Ernst-May-Gesellschaft eröffnet das "Forum Neues Frankfurt"

  • vonAlexandra Flieth
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2019 feiert das in Weimar gegründete Bauhaus sein 100-jähriges Bestehen. Die Ernst-May-Gesellschaft und die Stadt Frankfurt nehmen dies zum Anlass, mit verschiedenen Veranstaltungen die Bedeutung des von Ernst May im Jahr 1925 aufgelegten Programms „Das Neue Frankfurt“ stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu tragen, das häufig mit dem Bauhaus verwechselt wird.

Vor kurzem hat die Geschäftsstelle der Ernst-May-Gesellschaft ihre neuen Räume in der Hadrianstraße 5 bezogen. Im hinteren Teil des ehemaligen Ladengeschäfts in dem prägnanten Bau, der in seiner Form an einen Dampfer erinnert, sitzt Julius Reinsberg am Laptop und arbeitet. Seit Oktober ist er der neue Geschäftsführer der im Jahr 2003 gegründeten May-Gesellschaft.

Der vordere Teil der Räume, der von der Straße aus einsehbar ist, ist künftig der Ort für das „Forum Neues Frankfurt“. Das ist sowohl eine Kampagne als auch ein Projekt, das die May-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Stadt realisiert, konkret mit dem Kultur- und dem Planungsdezernat. Beide Dezernate fördern das Forum für die nächsten zwei Jahre mit insgesamt 100 000 Euro inklusive Mietzuschuss. Die Ernst-May-Gesellschaft selbst wird institutionell jährlich mit 30 000 Euro gefördert.

Mehrere Jubiläen zum 100-jährigen Bestehen werden in den kommenden sieben Jahren gefeiert und drehen sich alle rund um das „Neue Bauen“. Den Start macht im kommenden Jahr das vor 100 Jahren in Weimar gegründete weltweit bekannte Bauhaus. Während viele mit dem Begriff „Bauhaus“ einen bestimmten Stil in Architektur und im Design assoziieren, muss „Das Neue Frankfurt“, ein Programm, das 1925 gegen den Wohnraummangel aufgelegt wurde, dagegen noch stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit getragen werden. Initiiert hat es der damalige Siedlungsdezernent, Architekt und Stadtplaner Ernst May (1886-1970). Es ist unter Fachleuten heute weltweit genauso bekannt wie das Bauhaus.

Wohnen als Lebensraum

Ernst May setzte mit dem städtebaulichen Programm Maßstäbe in der Verbindung zwischen Architektur, Wohnen und Lebensumfeld und ließ in nur fünf Jahren in der Mainmetropole 22 Siedlungen mit insgesamt 15 000 Wohnungen errichten. Bezahlbarer Wohnraum, der dringend in einer stetig wachsenden Stadt benötigt wurde.

May, der unter dem Oberbürgermeister Ludwig Landmann (1848-1945) sein Amt ausübte, realisierte seine Vision vom kostengünstigen Wohnen nicht alleine, sondern richtete eine Typisierungsabteilung ein, in der namhafte kreative Köpfe wie die Architekten Ferdinand Kramer (1898-1985) oder Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000) Ideen etwa für Möbel, Lampen, Türklinken, Tapeten und auch für die Frankfurter Küche entwickelten.

May und seine Mitstreiter verstanden den Städtebau nicht nur als Ausdruck dafür, den Menschen ein Dach über den Kopf zu geben. Ziel war es, einen Lebensraum für die Bewohner der Siedlungen zu schaffen, in dem alles funktional aufeinander abgestimmt ist inklusive der Grünflächen. Wohnen und Leben sollten sich durchdringen.

„Das Neue Frankfurt“ stehe für sich und hebe sich gerade durch seinen praxisorientierten Ansatz vom Bauhaus ab. Trotzdem werde es außerhalb der Fachwelt häufig mit dem Bauhaus verwechselt, schildert Reinsberg. Das soll sich ändern. Mehrere Veranstaltungen wie Vorträge und Lesungen, aber auch Führungen durch die May-Siedlungen in Frankfurt soll es künftig geben. Die Angebote sollen niedrigschwellig sein und deutlich machen, welche Bedeutung die Ideen des „Neuen Frankfurt“ noch heute haben. Das Forum soll ein Ort des Austausches und der Information sein. Dort sollen auch alle Aktivitäten der Stadt und beteiligter Institutionen zum Thema gebündelt werden, so die Idee. Dabei soll der Fokus der Veranstaltungen nicht nur auf May, sondern auch auf dem „Neuen Frankfurt“ liegen. Die Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sieht dieses als einen wichtigen „Teil einer historischen DNA der Stadt“. Und Planungsdezernent Mike Josef (SPD) verweist darauf, dass wir heute noch von den Ideen Mays lernen können. Er habe Rahmenbedingungen entwickelt, die sich auf heute übertragen ließen.

Logo entwickelt

Das Logo der Kampagne lehnt sich an ein früheres Stadtwappen Frankfurts an. Entworfen wurde es in den 20er Jahren von dem Grafiker Hans Leistikow (1892-1962), der ab 1925 als einer von vielen namhaften Architekten, Designern und Bildenden Künstlern zum Team Mays gehörte. Es ist ein weißer stilisierter Adler auf rotem Grund.

Die Formensprache des Wappens entspricht der ästhetischen Auffassung der künstlerischen Avantgarde der 20er Jahre. Es erfährt in der Kampagne „Forum Neues Frankfurt“ eine Wiederbelebung. Mario Lorenz von Deserve – Büro für Raum und Mediendesign aus Wiesbaden – hat das Stadtwappen von Leistikow neu bearbeitet. Das Logo zeigt nun den einstigen Entwurf in leicht veränderter Gestalt.

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