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Ina Hartwig stellte das Programm vor, rechts Mathias Wagner K, Museum für Angewandte Kunst.

Modernes Wohnen

Ernst May und sein Wirken als Stadtplaner werden in Ausstellungen gewürdigt

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Die Ideen des früheren Stadtplaners Ernst May gegen Wohnraumnot aus den 20er Jahren sind immer noch aktuell. Das 100-jährige Bestehen des in Weimar gegründeten Bauhauses im kommenden Jahr ist für die Stadt in Zusammenarbeit mit Kultureinrichtungen Anlass, die Bedeutung des Wirkens von May in Frankfurt stärker in die Öffentlichkeit zu bringen.

Als der Architekt Ernst May (1886–1970) im Jahr 1925 sein Amt als Stadtplaner und Siedlungsdezernent unter dem früheren Oberbürgermeister Ludwig Landmann (1868–1945) in Frankfurt antrat, war die Wohnsituation in der Mainmetropole durchaus vergleichbar mit heute. Es fehlte an Wohnraum, vor allem an solchem, der auch bezahlbar war.

May realisierte mit dem von ihm aufgelegten Programm „Das Neue Frankfurt“ in seiner Amtszeit bis 1930 rund 15 000 Wohneinheiten, verteilt auf mehrere Siedlungen. Er arbeitete bei den Planungen und Gestaltungen nicht alleine, sondern holte sich namhafte Architekten, Künstler und Designer wie Martin Elsaesser (1884–1957), Ferdinand Kramer (1898–1985) oder Margarete Schütte-Lihotzky (1897–2000) mit ins Team.

Trotz der großen Bekanntheit, die das Neue Frankfurt national und international damals wie auch heute unter Experten genießt, haben viele Bürger in der Stadt davon noch nie gehört. So manch einer verknüpft die Architektur der May-Siedlungen, zu der unter anderem die Siedlung Römerstadt, Praunheim, Bornheimer Hang und die Heimatsiedlung in Sachsenhausen zählen, gar mit dem Bauhaus – der bis heute weltberühmten Schule, die 1919 von dem Architekten Walter Gropius (1883–1969) in Weimar gegründet wurde.

Das Bauhaus feiert im kommenden Jahr somit sein 100-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass organisieren das Museum Angewandte Kunst, das Deutsche Architekturmuseum und das Historische Museum jeweils eine Ausstellung, die sich dem Thema „Das Neue Frankfurt“ und dessen Bedeutung widmet. Die Schauen wurden gestern im Forum Neues Frankfurt in der Hadrianstraße 5 vorgestellt (siehe Box). Dort hat auch die Ernst-May-Gesellschaft seit Februar ihren Sitz.

Ernst May und seine Mitstreiter verstanden den Städtebau nämlich nicht nur als Ausdruck dafür, den Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben. Sie wollten Wohnen und Leben aufeinander abstimmen. Beides sollte sich durchdringen. Damit dieses umfassende Konzept funktionierte, gründete der Stadtplaner eine Typisierungsabteilung. Das Team entwickelte Ideen etwa für Möbel, Lampen, Türklinken, Tapeten oder für die heute weltberühmte Frankfurter Küche. May führte Frankfurt damit in eine Moderne, die bis in die Gegenwart ihre Auswirkungen auf Stadtplanung, Architektur und sogar auf die Wohnungseinrichtung hat.

Dass das von Gropius gegründete Bauhaus heute mehr im Bewusstsein der Öffentlichkeit steht als das Wirken von May und seinem Team, führt Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums, insbesondere auf einen Grund zurück: Walter Gropius und weitere berühmte Persönlichkeiten des Bauhaus flüchteten nach der Zerschlagung der Schule 1933 über England in die USA. Dort lehrten sie ihre Ideen an den Universitäten.

Ernst May aber ging 1930 in die Sowjetunion, die nach dem Zweiten Weltkrieg und dem daran anschließenden Kalten Krieg der Feind der westlichen Welt war. Ein Grund dafür, dass seine Ideen nicht im selben Maße so bekannt blieben wie in den 20er Jahren. May nahm bei seinem Weggang aus Frankfurt auch Leute aus seinem Team mit, darunter den Architekten Walter Schwagenscheidt (1886–1968), der später in den 50er Jahren gemeinsam mit dem Architekten Tassilo Sittman (*1928) die Frankfurter Nordweststadt plante.

Das Neue Frankfurt ist ein Kulturerbe. Dieses zu bewahren und in die Gegenwart zu führen, ist ein von der Stadt formuliertes Ziel. „Wir wünschen uns, dass das Neue Frankfurt den Menschen auch ohne Verweis auf das Bauhaus bekannt ist“, sagt Ina Hartwig (SPD). Im Jahr 2025 wird Ernst May gefeiert. Dann nämlich liegt es genau 100 Jahre zurück, dass er seine Arbeit als Stadtplaner begann und modernen und kostengünstigen Wohnraum für die Bürger ermöglichte.

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