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Blackout in Frankfurt: Wie sich die Stadt für den Ernstfall rüstet

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Von: Sarah Bernhard

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Sollte es zu einem längeren Blackout kommen, sind Teile Frankfurts vorbereitet - andere jedoch nicht...

Frankfurt – Der Rheingau-Taunus-Kreis hat kürzlich von einer Berliner Spezialfirma simulieren lassen, was im Falle eines Blackouts, also eines flächendeckenden Stromausfalls, passieren würde. Das Ergebnis: Innerhalb von 96 Stunden wäre mit 400 Toten zu rechnen. Wenn Wasser und Lebensmittel zur Neige gehen, drohten Plünderungen und Brände.

Die vier Übertragungsnetzbetreiber halten ein solches Szenario für übertrieben. Selbst eine „stundenweise krisenhafte Situation im Stromsystem“ sei im kommenden Winter „sehr unwahrscheinlich“ - könne aber auch „nicht vollständig ausgeschlossen“ werden. Wir haben nachgefragt, welche Auswirkungen ein solcher Stromausfall für Frankfurt hätte und wie sich die Stadt dagegen wappnet.

Blackout in Frankfurt: Haushalt muss durchschnittlich elf Minuten ohne Strom auskommen

Strom

Kleinere, lokale Stromausfälle gibt es in Deutschland immer wieder: Die Bürger im Frankfurter Westen können ein Lied davon singen, im Oktober 2021 und in diesem Jahr saßen die Anwohner in einzelnen Stadtteilen teils stundenlang im Dunkeln.

Jetzt schon ziemlich dunkel ist es in vielen Frankfurter Straßen, seit die Stadt die Beleuchtung heruntergedreht hat, um Energie zu sparen. Doch was, wenn der Strom für längere Zeit komplett ausfallen sollte?
Jetzt schon ziemlich dunkel ist es in vielen Frankfurter Straßen, seit die Stadt die Beleuchtung heruntergedreht hat, um Energie zu sparen. Doch was, wenn der Strom für längere Zeit komplett ausfallen sollte? © Rainer Rüffer

Durchschnittlich musste ein deutscher Haushalt im Jahr 2020 knapp elf Minuten ohne Strom auskommen, in Frankfurt waren es dank der Arbeit der Mainova-Mitarbeiter nur sieben Minuten. Würde hingegen insgesamt zu wenig Strom ins Netz eingespeist oder ganz Deutschland gleichzeitig die Heizlüfter anmachen, könnte es zu einem flächendeckenden Ausfall kommen. Dann würden die vier Übertragungsnetzbetreiber die Stromlücke nach einem bestimmten Schlüssel in die Fläche verteilen.

Die lokalen Energieversorger müssen wiederum entscheiden, wer in ihrem Versorgungsbereich ein paar Stunden auf Strom verzichten kann. Gäbe es länger als ein paar Stunden zu wenig Strom, könnte es zu sogenannten Brownouts kommen: Dann würde die Stromversorgung zwischen den Stadtvierteln rotieren.

Blackout in Frankfurt: Polizei muss Sicherheit hochhalten

Wasser

Zwölf Stunden lang könnte Frankfurt auch bei Stromausfall flächendeckend mit Wasser versorgt werden - dafür reichen die Vorräte in den Hochbehältern und die Notstromaggregate, die das Wasser da, wo der Druck zu niedrig ist, weiterpumpen. Teilbereiche könnten sogar noch deutlich länger versorgt werden, sagt Hubert Schreiber von Hessenwasser. Das hänge aber vom Einzelfall ab.

Sicherheit

Wenn Frankfurt im Dunkeln liegt, ist es Aufgabe der Polizei, die öffentliche Sicherheit aufrechtzuerhalten. Dazu hat sie auf ihren Liegenschaften Notstromaggregate, alternative Kommunikationsstränge und Kraftstoffreserven, um Fahrzeuge und Aggregate auch betanken zu können, wenn die Tankstellen schon lange kein Benzin mehr hochpumpen können.

Blackout in Frankfurt: Vorrat für etwa zehn Tage anlegen

Lebensmittel

Wenn es hart auf hart kommt, könnte das DRK Frankfurt auf seinem Gelände in Höchst etwa 50 Personen unterbringen und verpflegen. Es hat aber auch eine Feldküche und einen Notstromaggregat-Anhänger des Landes Hessen sowie weitere mobile diesel- und gasbetriebene Kochmöglichkeiten in petto, mit denen externe Betreuungsstellen wie etwa in einem Saalbau, in Sporthallen oder in der Messe versorgt werden könnten. Und das beste: Das DRK hat auch die entsprechenden Lebensmittel- und Getränkevorräte.

Die reichen aber natürlich nicht für alle Frankfurter. Deshalb empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) jedem Bürger, Vorräte für etwa zehn Tage anzulegen. Diese sollten zwei Liter Flüssigkeit und 2200 Kalorien pro Person und Tag umfassen. Ideal sind Lebensmittel, die nicht gekühlt werden müssen und die auch kalt gegessen werden können. Das BBK empfiehlt aber, vor allem Dinge zu bevorraten, die man sonst auch isst.

Auch die Lebensmittelhändler, die zur kritischen Infrastruktur zählen, haben Pläne für einen Stromausfall. Aldi Süd etwa teilt mit, dass alle Logistikzentren mit Notstromaggregaten ausgerüstet sind, um Kühl- und Tiefkühlware auch über längere Zeiträume hinweg vorschriftsmäßig lagern zu können. Der Lebensmittelhändler Edeka Südwest bestätigt, dass es Pläne für verschiedene Szenarien gibt, nennt aber keine Details.

Die Stadt Frankfurt hat zu diesem Thema Ende September den Arbeitskreis „Energiekrise“ gegründet. „Seit vielen Wochen bereitet sich die Stadt mit ihren Ämtern und Betrieben und unter Mithilfe der Frankfurter Branddirektion auf die Möglichkeit eines flächendeckenden Stromausfalls vor“, heißt es von dort. Ziel sei es, die medizinische Versorgung der Frankfurter, vor allem der vulnerablen Gruppen, sicherzustellen, und die Lebensmittelversorgung aufrechtzuerhalten. Zurzeit würden in den Ämtern und Betrieben unterschiedliche Szenarien entwickelt, „hier mit dem Ziel, dass bei einem Versorgungsausfall Aufgaben und Arbeitsabläufe definiert sind“. (Sarah Bernhard)

Blackout in Frankfurt – Kommentar: Grob fahrlässig

Die Frage, was bei einem längerfristigen Blackout passiert, ist nicht neu. Das letzte Mal stellte ich sie noch bei meinem vorherigen Arbeitgeber, dem Landkreis Bayreuth. Dessen Antwort war ein strukturiertes Konzept für den Katastrophenfall mit klar benannten Zuständigkeiten und einem energieautarken Hauptquartier tief unterm Landratsamt. Das war 2016. Vier Jahre später beantwortete der Magistrat dieselbe Frage für die Stadt Frankfurt damit, dass bereits 2005 „erste Vorbereitungen“ für ein solches Konzept getroffen worden seien, dass aber an einer „grundlegenden Überarbeitung des städtischen Krisenmanagements“ gearbeitet werde. Zwei Jahre später ist man damit offensichtlich noch nicht wesentlich weiter: Eineinhalb Wochen dauert es, bis der Magistrat auf Nachfrage mitteilt, dass man sich vorbereite. Sogar schon „seit vielen Wochen“. Beeindruckend!

Wie kann es sein, dass eine deutsche Großstadt im Jahr 2022 kein Konzept für die Versorgung der Bürger in einem länger andauernden Katastrophenfall hat? 9/11? Ahrtal? Kaputtgehackte Infrastruktur in der Ukraine? War da was? Dass die Stadtverwaltung bei diesem Thema nicht zu Potte kommt, ist ein Trauerspiel. Jeder Tag, den dieses Konzept länger auf sich warten lässt, ist grob fahrlässig. Schlimmstenfalls gefährdet dieses Nichtstun Menschenleben. (Sarah Bernhard)

Licht aus und Heizungen drosseln: Frankfurt will Energie sparen

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