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Weihnachtsmarkt Frankfurt wird eröffnet

Budenzauber

Das war die Eröffnung des Weihnachtsmarkts in Frankfurt

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Von Sopranistinnen und Tenören der Frankfurter Oper zum Mitsingen aufgefordert zu werden, passiert einem Durchschnitts-Frankfurter nicht oft - außer er steht bei der offiziellen Eröffnung des Frankfurter Weihnachtsmarktes vor der Bühne.

Alle Handys fliegen hoch: Kaum hat Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) gestern gegen 17.30 Uhr von der Weihnachtsbühne aus endlich die rund 6500 LED-Birnchen der 80 Jahre alten und 31 Meter hohen Fichte aus dem Schlüchterner Forst angeknipst, fragt sich so mancher Betrachter der Szenerie unwillkürlich, was jetzt mehr leuchtete: Der Baum selbst, die allgegenwärtigen Smartphones oder die prächtig geschmückten Verkaufsbuden. Die vom OB zitierten „leuchtenden Kinderaugen“ sind jedenfalls in der Minderzahl und entweder müde unter schweren Lidern versteckt oder längst dort unterwegs, wo kleine Menschen sich am liebsten herumtreiben: auf dem famosen Doppelstock-Karussell. Dass auf einem der Holzpferdchen in der oberen Etage ein vergnügter älterer Herr mit Bommelmütze mehrere Runden drehte, passt wunderbar ins bunte Treiben.

Drei Millionen Gäste

Die meisten der Besucher – bis zum Marktende am 22. Dezember werden bis zu drei Millionen Menschen erwartet, so Thomas Feda von der städtischen Tourismus- und Congress-Gesellschaft – hatten sowieso ihren Schaff. Es galt schließlich, etliche Dinge gleichzeitig zu tun: Glühweintasse oder Eierpunsch mit Schlagsahne balancieren, das Kind an der Jacke oder die Bratwurst im Griff behalten, dem Liebsten ein Küsschen geben, anstoßen, Handy-Fotos machen oder für ebensolche posieren und auf den Einsatz der Turmbläser auf dem Altan der Alten Nikolaikirche („nein, das ist kein Altar“, sagt eine Frau zu ihrem Mann, der sie daraufhin liebevoll Oberklugscheißmeisterin tituliert und küsst) warten. Das ist viel.

So hässlich waren die Frankfurter Weihnachtsbäume in den letzten Jahren

Der Frankfurter Weihnachtsbaum 2018. © 
Ein Träumchen, das Bäumchen. Nur ein bisschen blass. © FNP
Fehlt da nicht irgendwas dazwischen? © FNP
Synchronität, Fehlanzeige. © FNP
Okay, es kann ja nur besser werden. Oder? © FNP
Äh, nein... © FNP
"The answer, my friend, is blowin' in the wind." © FNP
Etwas Hoffnung kommt, auf, aber nur etwas. © FNP
Und sie wird zugleich zunichte gemacht. © FNP
Aus der Kategorie "gerupftes Huhn". © FNP
Das Schrecken nimmt kein Ende. © FNP
Wenigstens ist dieser hier einigermaßen gerade geraten. To be continued... © FNP

Es kamen Heerscharen, doch waren sie nicht himmlischer, sondern internationaler Provenienz: Deutsche, Japaner, Chinesen, Briten, Spanier, US-Amerikaner, Franzosen, Italiener, Schweden, Türken, Afrikaner – im internationalen Schmelztiegelchen am Main, das immer weiter wächst, ist das ganz normal. Und während der Landrat des Main-Kinzig-Kreises Thorsten Stolz (SPD) nach OB Feldmann ebenfalls einige warme Worte mit den typischen Ingredienzien wie „Fest der Familie“, „Zusammenhalt“ und „wunderbare historische Kulisse“ spricht, schiebt sich schon ein ASB-Rettungswagen durch die Menge, dem Polizisten vorsichtig einen Weg bahnen. Da ist es kurz nach 18 Uhr und die Turmbläser blasen im kalten Wind tapfer weihnachtliche Lieder, während sich unten einige Tausend Menschen gegenseitig erklären, wie schön doch diese Tradition der Eröffnung sei. So erzählt eine ältere Dame: „Ach, meine Enkelscher konnten’s früher gar ned erwadde, hierher zu komme. Immer habbe mer erst die Turmbläser gehört und dann gab’s Fischbrödscher!“. Jetzt sind die Enkel groß und nicht mehr dabei. Sehr schade findet sie das.

Gute Tradition

Derweil bahnt sich die Familie Schuhmacher aus Ortenberg-Bleichenbach den Weg – Opa, Tochter und Enkelkind „kommen jedes Jahr mit der Bahn zur Eröffnung hierher“. Und sie erinnern sich noch gut an den Regen vom letzten Jahr, als Schlagerstar Michelle gesungen hat. Oder an das Jahr davor, als der schon berühmt gewordene Popstar Max Giesinger sang und der Römerberg schier aus den Nähten platzte. „Solche Leute sind halt teurer, jetzt nehme se halt die Opernsänger, des is bestimmt billischer“, lästern sie fröhlich und ziehen weiter. Der Enkel muss dringend auf das Karussell.

Alles, was Sie über den Frankfurter Weihnachtsmarkt wissen müssen

Derweil ist die Neue Altstadt, auf die der OB voller Stolz hinweist und dafür auch Beifall erhält, ein Besuchermagnet wie an jedem Tag seit der Eröffnung. Hier dürfen keine Fress- und Getränkebuden stehen (außer unterm Vordach des künftigen Metzgers). Dafür strahlen die Lichter der kleinen Geschäfte und freuen sich die Inhaber über viel Laufkundschaft. Ein Männer-Duo, den Kostümen und dem Liedgut nach offensichtlich Russen, singt weihnachtliche Lieder, während Schauspieler und Entertainer Bäppi La Belle und Stadthistoriker Björn Wissenbach vom Neuen Brückenbauverein das tun, was stolze Frankfurter Bürger schon immer so gut vermochten: Sich für die Verschönerung ihrer verheißungsvollen Stadt einsetzen (siehe Beistück).

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