Profi-Einbrecher macht dämlichen Fehler

Erst machte er fette Beute in einem Juwelier-Geschäft, dann wurde er geblitzt

  • vonMatthias Gerhart
    schließen

Ein in Spanien angeheuerter Tresor-Knacker ging der Polizei fast von alleine in die Falle. Nun ist er vom Amtsgericht Frankfurt zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Frankfurt -"Einbruch bei einem Juwelier im Bahnhofsviertel - 610 000 Euro Beute": So könnte die Überschrift im Polizeibericht gelautet haben. In bester "Schranker"-Manier hatten sich Anfang Mai vergangenen Jahres die beiden Täter im buchstäblichen Sinne an den Tresor "vorgearbeitet".

In der Kaiserstraße befand sich neben dem Juwelierladen eine Baustelle, es soll ein neues Restaurant entstehen, wobei der Bau lediglich durch eine provisorische Türe abgeschlossen war. Dort durchbrach man die Wand zum Geschäft nebenan - und kam genau dort raus, wo in nur einem Meter Entfernung der Tresor des Juweliers stand.

Man hatte vorher alles ausbaldowert und wusste auch um die sensible Alarmanlage, die zu einem Sicherheitsunternehmen geschaltet war. Damit alles ruhig blieb, robbte man sich Millimeter für Millimeter an den Stahlschrank heran. Nach knapp zwei Stunden hatte man die Alarmanlage überwunden und konnte in aller Ruhe den Tresor mit der Flex bearbeiten. Mit 24 Kilogramm Goldschmuck, Bargeld und Diamanten wurde die Flucht angetreten. Und als die Leute von der Sicherheitsfirma endlich was merkten, waren die Einbrecher auf und davon.

Was so professionell begonnen hatte, endete im blanken Dilettantismus: Ein Einbrecher wurde mit einem Mietauto auf der Hanauer Landstraße geblitzt. Auch wenn zunächst die weitere Flucht bis nach Spanien gelang - die Frankfurter Polizei hatte nun ein Bild von ihm. Als im Herbst ein Wink von den spanischen Behörden kam, hatte man schnell den Namen des einen Tag vor dem "Bruch" am Flughafen eingereisten und kurz danach bei der Autovermietung vorstellig gewordenen Täters. Als dieser im November in Köln einreiste, um dort in ein Hotel einzubrechen, wurde er festgenommen. Der zweite Mann blieb unbekannt.

Vor dem Amtsgericht wurde der Täter nun zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die professionelle Vorgehensweise, die hohe Beute, alles wurde strafverschärfend gewertet. Fragen blieben gleichwohl zurück: Wie kamen die auswärtigen Einbrecher zu ihren Detailkenntnissen, wo doch der Büroraum mit dem Tresor vom Laden aus gar nicht einsehbar ist? Der Juwelier hielt sich im Zeugenstand bedeckt, obwohl die Versicherung den Schaden nicht ersetzt hatte. Er hatte ihr nicht die Baustelle gemeldet.

Schmuck und Geld sind verschwunden. Das Gericht verfügte deshalb über die Einziehung von 610 000 Euro, wohl wissend, dass wenig bis gar nichts bei dem Verurteilten zu holen sein wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare