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Helfende Hände: Eine Hebamme untersucht eine Schwangere.

Drei Kliniken und eine Hochschule unterzeichnen Kooperationsvertrag

Erste Hebammenschule am Main?

Babyalarm: Die erste Hebammenschule Frankfurts könnte im September 2017 starten. Einen entsprechenden Kooperationsvertrag unterzeichneten jetzt vier klinische Einrichtungen. Nun muss nur noch das Regierungspräsidium Darmstadt den Plänen zustimmen.

Der 1. September 2017 könnte ein historischer Tag in der Ausbildung von Hebammen und Entbindungspflegern werden: Zum ersten Mal würden sich in Frankfurt am Main Schülerinnen und Schüler auf diesen Beruf vorbereiten können. Die entsprechenden Pläne basieren auf einer gemeinsamen Initiative von vier Frankfurter Einrichtungen: die Carl Remigius Medical School, das Universitätsklinikum Frankfurt, das Bürgerhospital und das Clementine Kinderhospital. Sie haben jetzt die Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.

Anfang 2017 soll der Zulassungsantrag beim Regierungspräsidium Darmstadt gestellt werden. Mit einer Entscheidung rechnen die Initiatoren Ende des ersten Quartals 2017. Erst dann könnten die Pläne hinsichtlich der Bau-, Betriebs- und Folgekosten konkretisiert und mit den Sozialleistungsträgern verhandelt werden, erklärte ein Sprecher auf Anfrage.

Zum Start ist eine Kursgröße von 20 Teilnehmern geplant, der Unterricht findet in der Carl Remigius Medical School in Frankfurt statt. Die Ausbildung dauert drei Jahre und sieht einen hohen Praxisanteil vor. Dieser wird in den beiden kooperierenden Kliniken erbracht.

„Mit der Zulassung der Hebammenschule würden wir eine Versorgungslücke in der Rhein-Main-Region schließen. Das wäre ein positives Signal für die Versorgung von Müttern und Familien“, sagt Prof. Dr. med. Achim Jockwig, Geschäftsführender Direktor der Carl Remigius Medical School. „Hebammen leisten einen sehr wertvollen Beitrag für die Gesellschaft.“ Sie seien nicht nur während des Geburtsvorgangs für die Mütter da, sondern auch in der Phase bei der Vorbereitung auf die Geburt. Zudem begleiteten sie die Frauen während der Schwangerschaft und in den ersten Wochen nach der Geburt auch die ganze Familie. Für viele sei diese Leistung unverzichtbar.

Hintergrund: Die Rhein-Main-Region wächst und wächst. Allein in Frankfurt werden pro Jahr zwischen 12 000 und 14 000 Kinder geboren. „Dem steht ein erheblicher Mangel an Hebammen und Entbindungspflegern gegenüber“, betont Jockwig. Die meisten Geburten in Hessen verzeichnet seit Jahren das Bürgerhospital, 2015 waren es knapp 3250 (rund 8 Prozent mehr als im Vorjahr). Im Uniklinikum waren es 2015 knapp 1800 Geburten (11 Prozent mehr als im Vorjahr). Die klar steigende Tendenz hält laut Jockwig in beiden Häusern auch im Jahr 2016 an.

Beide Krankenhäuser sind Perinatalzentren Level I. Sie versorgen also werdende Mütter mit Risikoschwangerschaften als auch Frühgeburten sowie Neugeborene mit Erkrankungen vor, während und nach der Geburt nach höchsten Standards.

„Aufgrund des Mangels an entsprechenden Fachkräften haben wir mit unseren Partnern beschlossen, uns auf eigene Initiative um die Hebammenausbildung zu kümmern“, sagt Wolfgang Heyl, Geschäftsführer des Bürgerhospitals und Clementine Kinderhospitals. „Aufgrund der vielen Anfragen, die uns zum Thema erreichen, sind wir sehr zuversichtlich, dass wir schon 2017 mit einem starken Ausbildungsjahrgang starten können.“

Von ähnlich großer Nachfrage berichtet auch Prof. Dr. med. Jürgen Graf, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums. „Wir möchten den jungen Menschen eine erstklassige Ausbildung und eine berufliche Perspektive bieten. Deshalb ist grundsätzlich geplant, dass die Absolventen der Hebammenschule später auch in unseren Häusern tätig werden.“ Die Anstellung in einem Krankenhaus biete Sicherheit, da selbstständig tätige Hebammen unter der Prämienentwicklung für ihre Haftpflichtversicherung leiden. Das sei in der Klinik nicht so. Aktuell würden offensichtlich viele Interessenten von der entsprechenden Berichterstattung abgeschreckt. „Diese Sorgen können wir ihnen nehmen“, so Graf.

Auch die beiden Kreissprecherinnen des Landesverbandes der Hessischen Hebammen für Frankfurt, Christina Böhm und Katharina Welsch, befürworten, dass es nun auch eine Hebammenausbildung in Frankfurt geben soll.

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