Stefan Forster
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Stefan Forster

Neubau in der Schloßstraße

Die erste vegane Kita zieht 2017 in Bockenheim ein

  • Matthias Bittner
    VonMatthias Bittner
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Ohne Nachverdichtung kann das Wohnungsproblem in Frankfurt nur schwer gelöst werden. Davon ist Architekt Stefan Forster überzeugt. Sein Projekt in der Schloßstraße ist ein Beispiel dafür, wie Wohnraum in der Stadt geschaffen werden kann und überrascht zudem als Pilotprojekt.

Die erste vegane Kita Frankfurts eröffnet in einem Neubau in der Schloßstraße, unmittelbar am Bernus-Park. In seinem Bekanntenkreis gebe es auch Veganer, sagt Ardi Goldman, der das Bauprojekt gemeinsam mit Ronny Weiner realisiert. „Ich habe mich schon öfter gefragt, wo die Kinder von Veganern eigentlich in den Kindergarten gehen, schließlich wird der Kreis ja immer größer“, sagt Goldman.

Die künftigen Kita-Betreiber sind Privatpersonen, die mit ihrer Idee auf den Investor zugegangen sind. Er habe sich das Konzept angeschaut und spontan gesagt: „Mache ich.“ In Betrieb gehen soll die Kita mit Platz für vier Gruppen Ende kommenden Jahres. „Zehn Monate Bauzeit müssen ja wohl reichen“, meint Goldman. Zeitgleich sollen auch die 13 Mietwohnungen, die in dem fünfgeschossigen Gebäude entstehen, bezugsfertig sein.

Schlichter Entwurf

Die Pläne für den Neubau stammen vom Frankfurter Büro Stefan Forster Architekten. Die Bauarbeiten sollen laut Forster im neuen Jahr mit dem Abriss des Flachbaus beginnen, der für das Bauvorhaben weichen muss. Der Entwurf sei sehr schlicht gehalten, erklärt der Architekt. Das Gebäude greife die Architektur der 1950er-Jahre in der Umgebung auf. Deshalb habe das Haus auch ein Satteldach. Angesichts des Standortes vor dem doch sehr dominanten Hochhaus habe man eine zurückhaltende Klinkerfassade gewählt. Diese habe zudem den Vorteil, dass sie nicht so leicht verschmutze.

Faktor Zeit ist wichtig

Grundsätzlich passt das Bauprojekt in der Schloßstraße zur Philosophie von Forster. Sein Büro propagiere seit Jahren die Nachverdichtung. Darin sieht der Architekt großes Potenzial, um innerhalb kurzer Zeit Wohnraum zu schaffen. Denn bis große Bauprojekte wie etwa das Innovationsquartier an der Friedberger Landstraße realisiert würden, verstreiche viel zu viel kostbare Zeit. Doch die habe man angesichts der prekären Lage in Frankfurt derzeit eben gerade nicht. „Ohne Nachverdichtung werden wir in Frankfurt Probleme bekommen“, sagt er.

Auch dem derzeit bei den Römer-Fraktionen umstrittenen Thema Ausweisung von neuen Baugebieten steht Forster eher pragmatisch gegenüber. „Wir werden wohl oder übel nicht drum herumkommen, am Pfingstberg zu bauen“, prophezeit der Architekt. Allerdings dürfe das dort entstehende Wohngebiet dann kein zweiter Riedberg werden. „Dort gibt es schon genügend Doppelhäuser. Am Pfingstberg muss höher gebaut werden“, meint er mit Blick auf die Ausnutzung der Fläche. Außerdem wünscht er sich viel mehr städtisches Flair, so dass Kritiker überhaupt nicht auf die Idee kommen, von einer Trabantenstadt zu sprechen und verstummen.

Beim Thema Stadtentwicklung hat Goldman in den vergangenen Jahren seine Spuren hinterlassen – und das nicht nur entlang der Hanauer Landstraße, wo er kräftig investiert hat. Das Projekt in der Schloßstraße habe ihm am Herzen gelegen, weil die Stadt den Bernus-Park zuletzt so schön saniert habe, aber der Flachbau unmittelbar am Eingang immer mehr verkommen sei. Die gastronomische Nutzung habe nach mehreren Pächterwechseln nicht mehr so richtig in Schwung kommen wollen, sagt er. Als der Besitzer des Objektes sich schließlich entschlossen habe, diese zu veräußern, hätten er und Weiner zugegriffen.

Die Kita belegt das Erdgeschoss und den ersten Stock. Darüber entstehen Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen mit Größen zwischen 50 und 90 Quadratmetern. Wer sich schon jetzt dafür interessiert: Die Mieten orientieren sich am ortsüblichen Mietspiegel. Aber sicher am oberen Ende der Preisskala.

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