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Carlos Schönig (links) und Steven Buttlar bringen die ersten Flaschen in den Tresorraum der Weinbank.

Flaschen statt Wertpapiere

Erste Weinbank in Frankfurt eröffnet

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Mehr als 200 Banken gibt es in der Finanzmetropole Frankfurt. Eine Weinbank war bisher nicht dabei. Die erste wurde am Freitag eröffnet. In einem Kellergewölbe in der Innenstadt lässt sich nicht nur flüssiges Gold in 277 Schließfächern lagern. Der Tresorraum ist gleichzeitig ein Treffpunkt für Weinliebhaber.

Zwei Jahre hat Carlos Schönig gesucht. So lange hat es gedauert, bis der Weinhändler ein geeignetes Bankgebäude gefunden hat. Kein Hochhaus, kein Glaspalast ist es geworden, sondern ein um 1900 errichtetes Backsteingewölbe im Keller eines versteckt liegenden Hauses in der Meisengasse, gleich neben dem Parkhaus Börse. Der Club „M 9“ nutzte zuletzt die Räume, früher waren in den Räumen der legendäre „Mephisto-Keller“ und eine Apfelweinwirtschaft.

In den vergangenen Monaten wurde der Keller in den klimatisierten Tresorraum der „Wine Bank“ umgebaut. Hier gibt es keine Schließfächer in nüchternem Ambiente – Designer-Möbel und stimmungsvolles Licht sorgen für eine angenehme Atmosphäre. „Wenn eine Stadt eine Wine Bank verdient hat, dann ist das Frankfurt“, sagt Schönig. Die Idee eines hochwertigen Weinlagers hatte Christian Ress, Geschäftsführer des Weinguts Balthasar Ress in Hattenheim im Rheingau. Dort wurde 2009 die erste „Wine Bank“ eröffnet, Franchise-Nehmer übertragen das Konzept jetzt auf andere Städte. In Frankfurt sind es Schönig und sein Geschäftspartner im Weinhandel „Bottleshock“, Pierre Berlejung.

Am Freitag konnten sich erste Interessenten ein Bild von den gerade fertiggestellten Räumen machen. 277 Schließfächer in unterschiedlichen Größen gibt es, das kleinste fasst 35 Flaschen und kostet 99 Euro im Monat, Versicherung inclusive. Außerdem stehen 23 Tresore und vier begehbarere Keller bereit, für die ein vierstelliger Betrag fällig wird. Insgesamt ist Platz für rund 30 000 Flaschen.

Wer sich einmietet, kann nicht nur Wein unter optimalen Bedingungen (und gut gesichert) lagern, sondern auch verschiedene Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Und er kann rund um die Uhr Freunde oder Geschäftspartner mit in den Tresorraum nehmen und ein Fläschchen an Stehtischen in diskretem Ambiente und stilvoller Atmosphäre leeren. Je größer das Fach, desto mehr Gäste sind erlaubt. Genuss ist erwünscht, Orgien werden hingegen nicht gern gesehen. Der Zugang erfolgt über eine Chipkarte und wird inszeniert: Wenn sich die Tür öffnet, geht im Tresorraum das Licht an und Musik erklingt. 60 bis 80 Personen passen in den Keller, dessen Temperatur über eine Klimaanlage auf weinfreundlichen 15 Grad gehalten wird.

In der Ur-Weinbank im Rheingau seien 80 Prozent der Fächer und Tresore von Unternehmen und Geschäftsleuten gemietet, berichtet Marketing-Direktor Steven Buttlar. „Aber wir haben auch private Wein-Enthusiasten im Auge.“ Gelagert werden dort die unterschiedlichsten Tropfen, vom einfachen Trinkwein bis hin zum edlen Bordeaux, von dem eine einzige Flasche einen vierstelligen Betrag kostet.

Solche Weine wird man auch in der Bar probieren können, die im Erdgeschoss über dem Keller eingerichtet wurde. Und man muss nicht gleich eine ganze Flasche kaufen. Möglich macht das ein hochmodernes Schanksystem, über das 32 verschiedene Weine glasweise ausgeschenkt werden können – der Rest wird in der Flasche unter Stickstoff konserviert. Auf diese Weise soll man sich auch mal einen Mouton Rothschild oder einen Château Margaux leisten können. Carlos Schönig will in der Bar aber auch ganz normale Weine ausschenken und kündigt ein regelmäßig wechselndes Programm an.

(mu)

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