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Verein „Über den Tellerrand“

Die ersten Schritte in den Beruf erleichtern

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt ist schwieriger als gedacht. In Frankfurt startete am Mittwoch ein neues Projekt: „Mentoren“ mit Berufserfahrung helfen „Mentees“ bei den ersten Schritten.

Wer wird der Partner sein? 15 Berufstätige, die meisten bei der Deutschen Bank beschäftigt, wissen es noch nicht an diesem Abend im „Social Impact Lab“ in der Falkstraße 5. Sie haben sich als „Job Buddys“ gemeldet, sind bald Mentoren für 15 Flüchtlinge. Gemeinsam ist den meisten Mentoren: Sie gehören zum Verein „Über den Tellerrand“. Hier haben sich vor eineinhalb Jahren Berufstätige zusammengefunden, um Flüchtlingen zu helfen und gemeinsam zu kochen. So wie jetzt, da in der Pfanne die Frikadellen nach einem iranischen Rezept bruzzeln und ein afrikanischer Salat sowie ein Obstdessert vorbereitet wurden.

Ausdauer gefordert

Deutsch zu lernen, Bewerbungsprozesse zu kennen und zu verstehen – all’ das erfordert viel Ausdauer und Hintergrundwissen. „Über den Tellerrand“ hat bereits in Berlin Erfahrung mit dem „Job Buddys“-Programm gesammelt. „Es ist eine Eins-zu-Eins-Betreuung – jeder Flüchtling hat einen Mentor“, erklärt Pamela Lieb. Die Kulturwissenschaftlerin leitet das Programm in Frankfurt am Main.

Die Stiftung der Deutschen Bank unterstützt den Verein im Zeitraum von 2016 bis 2018 mit insgesamt 60 000 Euro. Michael Münch, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung, erläuterte: „Wir unterstützen dieses Vorhaben, welches sich eines der drängendsten Probleme der Flüchtlingsthematik annimmt, auf ganzer Linie.“ Er lobte an dem Projekt besonders, dass es lebendig sei, dynamisch und angepasst an den einzelnen Flüchtling. Michael Münch will selbst ein Pate werden.

Ein Treffen pro Woche

Deren Aufgabe erläutert Pamela Lieb: „Einmal in der Woche treffen sich Mentor und Mentee und tauschen sich aus.“ Im Abstand von zwei oder drei Wochen gibt es dann große Gruppentreffen mit Referaten von Experten und natürlich gemeinsamem Kochen und Essen. Das „Job Buddy“-Programm läuft vier Monate lang.

In dieser Zeit sollen die Mentoren den Flüchtlingen einfache Hilfestellungen geben: Wie sieht eine Bewerbung aus? Was muss im Anschreiben stehen, was nicht? Braucht man Zeugnisse und wenn ja, wo werden Abschlüsse aus dem Heimatland anerkannt? Welche Schritte sind dafür nötig? Bis hin zum Besuch von Kulturveranstaltungen reicht das Angebot, das die Mentoren ihren Schützlingen unterbreiten sollen.

30 Mentoren haben sich für den ersten Durchlauf des Programms gemeldet – das waren doppelt so viele wie geplant. So können gleich zwei Gruppen loslegen. In der zweiten Jahreshälfte soll dann noch eine dritte Gruppe mit 15 Mentoren und 15 Mentees organisiert werden.

Pamela Lieb weiß auch schon, welcher Mentor welchen Mentee zugeteilt bekommt. „Ich habe Postkarten zerschnitten. Die Teilnehmer haben jeweils eine Hälfte und müssen sich darüber als Einheit identifizieren.“ Die Paare sind an diesem Abend rasch gebildet – ein erstes Beschnuppern vor der viermonatigen Zusammenarbeit.

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