Wendeltreppe der Goldenen Waage

Die ersten Stufen sind schon fertig

Während die einzelnen Gebäude der neuen Altstadt zwischen Dom und Römer allmählich Gestalt annehmen, wird in Umpfenbach am Untermain schon an den Stufen für die Wendeltreppe der Goldenen Waage gearbeitet. Sie werden aus Mainsandstein gefertigt.

Von Hermann Wygoda

Einst galt sie als das bedeutendste Gebäude der Frankfurter Altstadt: die Goldene Waage. Es gab keinen Fotoband und keinen Werbefilm über die Mainmetropole, in dem sie nicht gezeigt worden wäre. Und schon jetzt kann als sicher gelten, dass dieses Haus nach seinem Wiederaufbau erneut zum Wahrzeichen der „neuen“ Frankfurter Altstadt werden wird. Derzeit arbeiten Steinmetze in Umpfenbach am Untermain daran, die Stufen für die Wendeltreppe des einstigen Wahrzeichens aus Mainsandstein zu fertigen: Die drei Stockwerke des Fachwerkhauses mit dem großen Sandsteinsockel wurden durch ein Treppenhaus mit 70 Stufen erschlossen. Und so soll es auch in der neu errichteten Goldenen Waage wieder sein.

In dem für seine Mainsandsteine aus den eigenen Steinbrüchen bekannten Natursteinwerk Franz Zeller in Umpfenbach sind die ersten sechs Treppenstufen der Goldenen Waage bereits für den Versand bruchsicher fertig verpackt. Dieter Braun, Geschäftsführer und Inhaber des Unternehmens, ist stolz darauf, dass seine Firma diesen Auftrag erhalten hat. Bei einem Rundgang durch das Werk zeigt er das Modell mit den ersten 13 Originalstufen, an dem zu sehen ist, mit wie viel Liebe zum Detail Architekt Jochem Jourdan sich um die Rekonstruktion kümmert. In die zweite Treppenstufe sollen die Steinmetze noch ein Blattmuster einarbeiten, in Stufe 22 eine Eidechse, die es auch im Original gab.

In der großen, gerade fertig gewordenen Werkhalle werden die aus den Steinbrüchen herausgesprengten, großen Sandsteinblöcke so zugeschnitten, dass sie gut zu bearbeiten sind. Hier kann der Werdegang der Stufen beobachtet werden: vom ersten Zuschneiden mit einer computergesteuerten, automatisch arbeitenden Schneidemaschine bis zum Endprodukt, das die fünf Steinmetze herstellen. Steinmetz Kurt Bauer zeigt, wie seine Vorgänger einst mit dem „Krönel“, einem alten Werkzeug mit vielen Zacken, den Stein bearbeitet haben. Heute sei die Arbeit dank des Druckluftmeißels schneller und leichter geworden. Bereits am 13. April soll mit dem Einbau der Stufen begonnen werden.

In Frankfurt ist die Firma Franz Zeller übrigens kein unbekanntes Unternehmen, wenn es um Sandsteinarbeiten geht: Die Steinmetze vom Untermain haben schon bei der Sanierung der Festhalle mitgearbeitet und die Sandsteinfassade des Palais Thurn und Taxis wieder aufleben lassen.

Während in Umpfenbach die Treppen aus dem Mainsandstein gehauen werden, werden in Bamberg die aus Dreieichenhain zurückgeholten Bauteile (Spolien) des Untergeschosses aufgearbeitet oder, wenn notwendig, neu hergestellt.

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