Kennt sich aus im Kiez: Niklas Möller, der neuer Schutzmann vor Ort im Bahnhofsviertel. FOTO: hamerski
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Kennt sich aus im Kiez: Niklas Möller, der neuer Schutzmann vor Ort im Bahnhofsviertel.

Frankfurter Bahnhofsviertel

Erster Kontakt mit dem Quartier war ein Kulturschock

  • VonGernot Gottwals
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Neuer Schutzmann vor Ort dreht jetzt seine Runden - Lange Dienst im 4. Revier geschoben

Er stammt aus dem ländlichen Vogelsberg, doch er hat die Vielfalt der Großstadt mit all ihren Herausforderungen kennen und schätzen gelernt. "Über meine Ausbildung in Gießen und Lich ging die Reise dann direkt weiter Richtung Frankfurt", sagt Polizeioberkommissar Niklas Möller. Elf Jahre lang arbeitete er im Schichtdienst und bei besonderen Einsatzlagen im Bahnhofsviertel, wo er jetzt die frei gewordene Stelle als Schutzmann vor Ort übernimmt.

Dialog mit den Passanten

Dort tritt er die Nachfolge seines Vorgängers Björn Driebold an, der in den Abteilungsstab des Polizeipräsidums Frankfurt wechselt. "Wichtig ist mir der Dialog mit Passanten, Geschäftsleuten und Kollegen, um die Sicherheit im Bahnhofsviertel weiter zu verbessern", betonte Möller bei der gestrigen Einführung durch Polizeivizepräsident Björn Gutzeit auf dem Markt am Kaisersack.

Gutzeit und Sicherheitsdezernentin Annette Rinn (FDP) lobten den Einsatz der mittlerweile 21 Kolleginnen und Kollegen, die sich seit 2015 in diesem Dienst für die Sicherheit in den Stadtteilen einsetzen. Wie wichtig Schutz und Prävention gegen mögliche Straftaten gerade im Bahnhofsviertel sind, konnten Möller und seine Kollegen beim gestrigen Aktionstag der Landes- und Bundespolizei und des Präventionsrates gegen Taschen- und Trickdiebstähle bei Gesprächen und Vorführungen zeigen.

"Trotz Corona erwacht das Quartier mit seinen Geschäften und dem Markt wieder zu neuem Leben" freute sich Möller. Deshalb sei es als Schutzmann vor Ort für ihn wichtig, während seines Streifendienstes auch jene Fußgänger anzusprechen, die ihre Taschen, Geldbörsen und sonstigen Wertgegenstände allzu offen mit sich führten: "Denn das Bahnhofsumfeld wirkt einladend auf Banden von Trickdieben, die hier auf leichte Beute hoffen."

Auch bei den vielen Geschäften vor allem entlang der Kaiser- und Münchener Straße wird sich Möller in den nächsten Tagen vorstellen: "Hier ist es wichtig, sich im Gespräch persönlich kennenzulernen, Vertrauen und ein Netzwerk aufzubauen", betont er. Und dabei natürlich ein offenes Ohr für Beschwerden und Nöte zu haben, da in der Coronakrise häufiger Drogenabhängige, Obdachlose und andere Menschen in prekären Lebenslagen das Straßenbild bestimmen. So sollte man etwa den Frankfurter Weg auf aktuelle Gegebenheiten wie die offene Crack-Szene anpassen.

Feste Zeiten für eine mögliche Bürgersprechstunde stünden derzeit noch nicht fest, erklärte Möller. Wichtig sei zudem die enge Zusammenarbeit mit dem Ortsbeirat 1 (Altstadt, Bahnhofsviertel, Europaviertel, Gallus, Gutleutviertel, Innenstadt), wo er als direkter Ansprechpartner wichtige Anregungen und Rückmeldungen aufnehmen werde, und mit der Bundespolizei. Wie viele seiner Kollegen bedauert auch Möller, dass der ehrenamtliche Dienst für Freiwillige Polizeihelfer wegfalle.

Aufgewachsen ist Möller in Lauterbach. "Ich wollte mich gerne mit einem aktiven Dienst für die Gesellschaft einbringen und fand so zur Polizei", erinnert er sich. Schon früh habe er diesen Wunsch gehabt, dabei aber doch etwas ausgeblendet, dass es in seinem Beruf nicht nur um Helfen und Vorbeugen geht, sondern manchmal auch um harten körperlichen Einsatz in gefährlichen Situationen.

Das Quartier ist ihm vertraut

Nach dem Studium an der Hessischen Polizei-Hochschule in Gießen war Möller von 2012 bis 2019 im Schichtdienst im 4. Frankfurter Polizeirevier tätig, danach spezialisierte er sich für besondere Einsatzlagen im Bahnhofsgebiet. Obwohl er von gelegentlichen Ausflügen mit seinen Eltern nach Frankfurt von der Situation am Hauptbahnhof mit der Drogenszene wusste, sei der erste eigene Einsatz im Viertel eine besondere Erfahrung gewesen - durchaus ein kleiner "Kulturschock", wie er einräumt.

"Und trotzdem möchte ich heute meinen Dienst im und für das Bahnhofsviertel nicht mehr missen, da hier viele Lebensbereiche zusammenkommen und man auch in der jetzigen angespannten Lage so viel bewegen kann", betont der Schutzmann, der mit seiner Freundin in Sachsenhausen wohnt.

Auch sie freue sich, dass er vom anstrengenden Schichtdienst freigestellt sei und in seiner neuen Aufgabe noch mehr präventiv tätig sein werde.

Schutzmann Niklas Möller ist erreichbar unter: 0 69 /75 54 15 14, d100-ree-svo.ppffm@polizei.hessen.de Gernot Gottwals

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