1. Startseite
  2. Frankfurt

Erster S&K-Angeklagter gesteht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Matthias Gerhart

Kommentare

S&K-Chef Jonas Köller.
S&K-Chef Jonas Köller. © Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst)

Im Prozess um die millionenschweren Anlagebetrügereien der Frankfurter Immobiliengesellschaft „S&K“ hat der erste von sechs Angeklagten ein Geständnis abgelegt.

Auch wenn die Prozessbeteiligten im S&K-Verfahren vor dem Landgericht am Dienstag meistens in der Cafeteria saßen oder sich im Raucherhof der Justiz die Zeit vertrieben, weil wieder einmal über einen Antrag oder Ähnliches beraten werden musste: Es kam etwas Bewegung in das Mammut-Verfahren gegen sechs Angeklagte. Und das lag an der Ankündigung eines 50 Jahre alten Mitangeklagten, ein Geständnis ablegen zu wollen. Fixiert ist die Einlassung auf 55 Seiten.

Dies hätte im Prinzip keine Schwierigkeiten aufgeworfen, wäre Jonas Köller, einer der Hauptangeklagten, bereits fertig mit der Verlesung und Erläuterung seiner Sicht der Dinge gewesen. Köller aber braucht noch mindestens fünf weitere Verhandlungstage und wehrte sich über seine Verteidiger dagegen, jetzt einfach das Wort entzogen zu bekommen, damit der Mitangeklagte sein Geständnis ablegen könne

Erneute Beratung

Die Wirtschaftsstrafkammer musste sich erneut zur Beratung zurückziehen und einen formellen Gerichtsbeschluss fassen, wonach die Einlassung Köllers unterbrochen und dem mitangeklagten Fondsmanager Gelegenheit zur Aussage gegeben werden sollten. Damit aber war die Affäre noch nicht bereinigt: Jetzt kündigten mehrere Verteidiger Befangenheitsanträge gegen die Richter an.

Der Grund: Dem Fondsmanager war offenbar ein Entgegenkommen für den Fall eines Geständnisses signalisiert worden. Es ist ein Rechenexempel: Bei Geständnissen reduziert sich das Strafmaß in Wirtschaftsstrafverfahren normalerweise um ein Drittel. Weil der Angeklagte – wie die fünf anderen auch – bereits seit drei Jahren und vier Monaten in Untersuchungshaft sitzt und als sogenannter Erstverbüßer bei einer Verurteilung auf die Zweidrittel-Regelung hoffen darf, könnte es sein, dass er nach seiner Verurteilung gar nicht mehr zum Haftantritt geladen werden muss. Die Verteidiger der Mitangeklagten sahen darin jedenfalls Hinweise, wonach die „Unvoreingenommenheit“ des Richterkollegiums nicht mehr vorhanden sein könne.

Und gestern Vormittag war es schließlich so weit – Köllers Verteidiger Lefter Kitlikoglu machte seine Ankündigung wahr und lehnte das komplette Richterkollegium als befangen ab. Den weiteren Prozessverlauf aber konnte er damit nicht ausbremsen. Der Fondsmanager verlas seine 55 Seiten starke Erklärung, mit der er reinen Tisch machte und die Verteidiger der übrigen fünf Angeklagten in merkliches Unbehagen stürzte. Ja, er habe sämtliche Ungereimtheiten bei der Bildung und Verwaltung der einzelnen Fonds einfach ignoriert, bei Widersprüchen nicht nachgefragt und die Sache einfach laufen lassen, „um mein Gehalt nicht zu gefährden“.

Desinteresse

Der Angeklagte sprach von einem „pflichtwidrigen Desinteresse an den Fonds“, wodurch es eigentlich erst möglich geworden sei, das von den gutgläubigen Anlegern zur Verfügung gestellte Geld zweckwidrig zu verwenden.

„Ich bin stets im Strom mitgeschwommen, habe aktiv an der Schädigung der Anleger mitgewirkt. Das war unverantwortlich“, sagte der Mitangeklagte, der sich bislang nur zu seiner Person geäußert hatte. Es sei ihm immer klar gewesen, dass die Interessen der Anleger nicht die Interessen der S&K-Verantwortlichen gewesen seien, sondern das Geld von Letzteren in den Vertrieb sowie in Luxusinvestitionen wie Reisen oder Partys gesteckt worden seien. Für die Anleger sei da nichts herausgesprungen.

Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt. Ob bis dorthin schon über den Befangenheitsantrag entschieden sein wird, ist noch unklar. Voraussichtlich wird sich der geständige Mitangeklagte aber den Fragen der Prozessbeteiligten stellen.

Auch interessant

Kommentare