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Erstes Schaulaufen für den CDU-Vorsitz

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Von: Thomas Remlein

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Bettina Wiesmann (links) und Uwe Becker (rechts) werben für sich als Parteivorsitzende der CDU in Frankfurt. Der bisherige Parteichef Jan Schneider (Mitte) moderierte das erste von drei Kandidaten-Duellen.
Bettina Wiesmann (links) und Uwe Becker (rechts) werben für sich als Parteivorsitzende der CDU in Frankfurt. Der bisherige Parteichef Jan Schneider (Mitte) moderierte das erste von drei Kandidaten-Duellen. © Michael Schick

Bettina Wiesmann und Uwe Becker präsentieren sich live rund 30 Mitgliedern im Saalbau Gallus

Frankfurt -Der Wettbewerb um den Frankfurter CDU-Vorsitz ist gestern eröffnet worden: Erstmals stellten sich die beiden Bewerber, der hessische Staatssekretär und frühere Bürgermeister Uwe Becker und die ehemalige Bundestagsabgeordnete Bettina Wiesmann, den Delegierten im Saalbau Gallus vor. Etwa 30 CDU-Mitglieder waren gekommen, 40 hatten sich angemeldet.

Die Frankfurter CDU ist in einer schwierigen Ausgangslage, was auch beide Bewerber betonten. Sie ist auf kommunaler Ebene genauso aus der Regierung geflogen wie im Bund. Infolgedessen ist es ein Duell zweier Abgewählter, denn Bürgermeister und Kämmerer Becker verlor unter der neuen Stadtregierung aus Grünen, SPD, FDP und Volt genauso sein Amt als Bürgermeister wie Wiesmann ihr Bundestagsmandat - auch wenn Becker als Staatssekretär für Europaangelegenheiten eine neue Aufgabe gefunden hat.

Der noch amtierende CDU-Vorsitzende Jan Schneider stellt sich nicht mehr zur Wahl, weil er "den Denkzettel des Wählers ernst nimmt, verbunden mit der Hoffnung auf Veränderung", wie er als Moderator der Veranstaltung sagte.

Wiesmann möchte in der Partei "mehr Beteiligung, mehr Präsenz nach außen und ein erkennbares Großstadtprofil". Die CDU müsse wieder mehr Schlagkraft entfalten und ihre Kampagnenfähigkeit auf eine neue Stufe stellen. "Wir müssen das urbane Lebensgefühl wieder treffen", sagte die Frau aus dem Nordend. "Wir müssen uns personell vielfältiger aufstellen und auch auf die Nicht-Biodeutschen zugehen und für die Mitarbeit gewinnen", sagte die 55-Jährige, die im Sitzen sprach. Sie will Rechenzentren dauerhaft ansiedeln, Schulplätze schaffen und den Finanzplatz sichern und die Kinder bei der Bewältigung der Pandemiefolgen unterstützen. Wiesmann betonte, "immer in Wettbewerbssituationen gewesen zu sein". Ihre erste Nominierung als CDU-Bundestagskandidatin beispielsweise erkämpfte sie sich 2017 gegen den damaligen CDU-Fraktionschef Michael Prinz zu Löwenstein. "Der Wettbewerb sollte in unserer Partei die Regel sein", erklärte sie.

Becker hielt seine Rede frei im Stehen. "Ich möchte das Team anführen, um die CDU wieder zur stärksten Kraft zu machen." Denn: "Es geht um unsere Heimatstadt." Die Partei habe sich zu lange und zu oft mit sich selbst beschäftigt. "Die Menschen haben ihre Probleme bei uns nicht wiedergefunden", sagte der 52-Jährige. "Wir sind hart in der Opposition aufgeschlagen, aber schnell wieder aufgestanden."

Die CDU: Mondays bis Sundays for Future

Und dann wurde Becker konkret und griff den politischen Gegner an: "Statt auf dem geplanten Baugebiet Günthersburghöfe wollen die Grünen das Gymnasium woanders bauen. Aber Politik findet hier statt", sagte er. Beim Thema Verkehrswende dürfe die CDU nicht die Antwort den Ideologen überlassen. Es gehöre nicht zum Verständnis der CDU, "die Menschen morgens abzuholen und abends wieder heimzubringen oder - wie die Grünen - dazwischen noch zu sagen, was sie essen und wie sie sich bewegen sollen". Politik sei keine akademische Vorlesung, sondern: "Zuhören und Kümmern ist unser Auftrag. Wir müssen jungen Menschen etwas zutrauen und für alle attraktiv sein." Und dann schloss Becker mit den Worten: "Mondays bis Sundays for Future, das ist die CDU."

Beteiligung zeigte sich auch in den Diskussionsbeiträgen. Jonas Stunk aus Rödelheim wollte wissen, ob mit dem neuen Vorstand auch die Frage der Oberbürgermeisterkandidatur entschieden werde. Er holte sich eine dreifache Absage von den beiden Bewerbern und dem Noch-Vorsitzenden Jan Schneider. Dieser unterstrich erneut den Anspruch der CDU, eine Volkspartei zu sein am Beispiel des Mainkais. Anders als die Grünen, versuche die CDU verschiedene Interessen unter einen Hut zu bringen.

Thomas Remlein

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