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Das Symbolfoto zeigt, wie Unterricht in einem Container aussieht. Das begeistert weder Schüler noch Lehrer.

Platzmangel

Steigende Schülerzahlen bereiten Frankfurter Schulen große Probleme

Die Wöhler- und die Heinrich-Seliger-Schule bräuchten 15 neue Klassenräume, um die steigende Zahl von Schülern aufzunehmen. Kinder stehen auf Wartelisten.

Frankfurt - Es wird eng in der Wöhlerschule. Präziser gesagt: Im kommenden Schuljahr wird es in dem Gymnasium an der Mierendorffstraße noch enger, als es ohnehin seit Jahren ist. Weil die benachbarte Heinrich-Seliger-Schule die drei Klassenräume, die sie der Wöhlerschule zur Nutzung überlassen hat, dann selbst benötigt. Die Grundschule, die aktuell 400 Schüler hat, rechne mit mehr Erstklässlern, erklärt Schulleiterin Silke Mühl. „Außerdem brauchen wir Differenzierungsräume für Inklusionskinder und mehr Platz für die Nachmittagsbetreuung.“ Schon jetzt sei der Bedarf an außerschulischer Betreuung größer als die Schule Platz habe. Silke Mühl sagt: „Rund 20 Kinder stehen auf der Warteliste.“ Für die Wöhlerschule bedeutet die Rückgabe der drei Räume an die Grundschule schlichtweg den Kollaps.

Der räumliche Mangel an der Wöhlerschule mit derzeit 1200 Schülern ist nicht erst gestern und heute entstanden, sagt Schulleiterin Renate Bleise. Vielmehr habe er sich über eine ziemlich lange Zeit konsequent verschärft. „Und seit Jahren ist es ein Dauerthema.“ Das nun mit deutlich steigenden Schülerzahlen an Brisanz gewinnt. „Die Stadt wächst und wächst“, sagt Renate Bleise. „Da kommen nicht nur Alleinstehende, da kommen vor allem Familien mit Kindern.“ Außerdem würden in Frankfurt mehr Kinder geboren. „Kinder, die heute geboren werden, kommen in sechs Jahren in die Schule“, formuliert die Schuldirektorin die Gesetzmäßigkeit. Dass Frankfurts Schulen durchweg hinsichtlich ihres Platzangebotes nicht zukunftsfest sind, gilt längst als Binse. Auf dem Campus an der Mierendorffstraße kondensiert sich das Problem wie unter einem Brennglas.

Frankfurter Schulen: Nachmittagsbetreuung

Perspektivisch benötigen beide Schulen zusammen 15 neue Klassenräume, um die steigenden Schülerzahlen bewältigen zu können. In diesem Schuljahr fehlen den beiden Schulen rechnerisch sechs Klassenräume für den Regelunterricht und die Nachmittagsbetreuung, die beide Schulen anbieten. Die pragmatische Idee, die seit vier Jahren leerstehende Hausmeisterwohnung der Heinrich-Seliger-Schule übergangsweise für die Nachmittagsbetreuung zu nutzen, lehnt die Stadt jedoch ab.

„Die Wohnung wird renoviert und soll wieder an einen Schulhausverwalter vermietet werden. Eine temporäre Nutzung für die Betreuung wäre nicht wirtschaftlich. Es wären aufwendige Umbaumaßnahmen nötig, da bei der Schülerbetreuung strengere Brandschutzvorschriften als bei einer Wohnung zu beachten sind“, heißt es dazu aus dem Dezernat Bau und Immobilien auf Anfrage dieser Zeitung.

Allerdings soll, das ist offenbar politischer Konsens im Römer, die Wöhlerschule möglichst rasch erweitert werden, um fünf Unterrichtspavillons, die spiegelbildlich zu den fünf bereits auf dem Campus errichteten entstehen sollen. 1,2 Millionen Euro sind dafür im Haushalt 2019 eingestellt, der freilich bislang weder verabschiedet noch genehmigt ist.

Auch die Heinrich-Seliger-Schule soll mehr Platz bekommen. Eine Machbarkeitsstudie für einen Erweiterungsbau an Stelle des Atriums liege dem Stadtschulamt derzeit zur Prüfung vor, erklärte ein Sprecher des Baudezernates auf Anfrage. Einen Planungsauftrag habe man noch nicht erhalten.

Frankfurter Schulen: Die Eltern sorgen sich

Susanne Rosenfeld ist Mutter von vier Kindern und Schulelternbeiratsvorsitzende der Wöhlerschule. Gelassenheit und Zuversicht gehören zu ihrem Naturell. Wenn es um die Raumsituation an der Schule geht, die derzeit noch zwei ihrer Kinder besuchen, verlassen sie zuweilen diese Tugenden. Vor allem, wenn es um in Aussicht gestellte schnelle Lösungen geht. „Vier Jahre hat es gedauert, bis die Pavillons endlich 2017 für den Schulbetrieb zur Verfügung standen“, rechnet sie vor. „Wir haben nun die große Sorge, dass es mit den jetzt geplanten ebenso lange dauern könnte.“

„Schreckliche Provisorien“, wie in der Vergangenheit erlebt, seien unzumutbar. „Alte, abgewrackte Container ohne Wasseranschluss, die kurzfristig genutzt werden sollten und dann lange blieben“, beschreibt sie eine prägende Erfahrung der zurückliegenden zwölf Jahre ihrer Kinder auf dem Campus. „Es gibt keine guten Provisorien“, lautet ihr Fazit. Ein wenig Hoffnung mache ihr allerdings der Umstand, dass sich die Frankfurter Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) nun persönlich der Lösung der schwierigen Raumverhältnisse angenommen habe.

„Besenkammer nutzen“

Auf lange Sicht wird Renate Bleise nichts anderes übrig bleiben, als buchstäblich jede Besenkammer der Wöhlerschule irgendwie für den Schulbetrieb zu nutzen. „Wenn wir Glück haben“, sagt sie, „haben wir im Jubiläumsjahr der Schule die geplanten Pavillons.“ Im Jahr 2020 feiert die Wöhlerschule den 150. Jahrestag ihrer Gründung.

von SYLVIA A. MENZDORF

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